Polenfeldzug

Der Polenfeldzug war ein vom 1. September bis zum 6. Oktober 1939 dauernder völkerrechtswidriger Angriffskrieg des nationalsozialistisch regierten Deutschen Reiches gegen die Zweite Polnische Republik, mit dem der Zweite Weltkrieg in Europa begann. Auf deutscher Seite beteiligte sich die Slowakei; uneinheitlich wird auch die gut zwei Wochen später beginnende sowjetische Invasion Ostpolens mitunter in den Begriff „Polenfeldzug“ eingeschlossen. Oft wird er als Überfall auf Polen, in Polen als "Septemberfeldzug (Kampania wrześniowa)" oder "Verteidigungskrieg von 1939 (Wojna obronna 1939 roku)" bezeichnet.
Der Feldzug begann – ohne vorherige Kriegserklärung – unmittelbar nach dem durch NS-Deutschland fingierten Überfall auf den Sender Gleiwitz am 1. September 1939 mit dem Einmarsch der Wehrmacht in den Westteil Polens. Am 3. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien im Rahmen ihrer Beistandsverträge mit Polen Deutschland den Krieg. Beide Staaten wurden militärisch kaum aktiv, so dass sie Polen nicht entlasteten. Am 17. September ließ Josef Stalin die Rote Armee gemäß dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 auf breiter Front über die Ostgrenzen Polens vorrücken. Der deutsch-sowjetische Vertrag vom 28. September 1939 schrieb die Aufteilung Polens fest. Die Polnische Exilregierung unter Ministerpräsident Felicjan Sławoj Składkowski strebte Widerstand gegen die deutschen und sowjetischen Besatzer an.
Im Kriegsverlauf und unter der deutschen Besetzung Polens 1939–1945 verübten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und Angehörige der Wehrmacht teils planmäßig, teils spontan Massenmorde an polnischen Intellektuellen, Priestern, Gewerkschaftern, Adligen und Juden. Dies gilt als der „Auftakt zum Vernichtungskrieg“ des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion und zum Holocaust.
Die Zweite Polnische Republik wurde am 11. November 1918 neu gegründet. Sie gehörte für die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zum ostmitteleuropäischen Cordon sanitaire, der Westeuropa vor möglichem Revolutionsexport der Sowjetunion schützen, als Pufferzone ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands verhindern und etwaigen deutschen Expansionsplänen nach Osten einen Riegel vorschieben sollte.
Der Friedensvertrag von Versailles, dessen Artikel 87 das Deutsche Reich zur völkerrechtlichen Anerkennung Polens verpflichtete, hatte aus den von Deutschen, aber auch einem hohen Anteil polnischer und kaschubischer Minderheiten bewohnten Gebieten Westpreußens und einem kleinen Teil des zum einen masurisch-, zum anderen deutschsprachigen Gebietes um die ostpreußische Kleinstadt Soldau den "polnischen Korridor" geschaffen, der als Woiwodschaft Pommerellen Polen zum Ostseeanlieger machte und zugleich Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet abtrennte. Das Gebiet der überwiegend von Deutschen bewohnten Stadt Danzig und ihrer Umgebung wurde als Freie Stadt Danzig aus dem Deutschen Reich ausgegliedert und einem Mandat des Völkerbundes unterstellt. Darin erhielt Polen einige exterritoriale Sonderrechte, unter anderem das Recht zur Unterhaltung eines Freihafens, der Anlage begrenzter Militäranlagen (Westerplatte) sowie das Recht zur Errichtung eines eigenen polnischen Post- und Telefonnetzes.
Für die ethnischen Minderheiten in Polen – vor allem Ukrainer, Juden, Weißrussen und Deutsche – waren ebenso Sonderrechte vorgesehen.
Mit den im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen war weder die polnische noch die deutsche Seite einverstanden. Polen erweiterte sein Staatsgebiet nach Osten über die in den Pariser Friedensverhandlungen vorgeschlagene Grenze (Curzon-Linie) hinaus zu Lasten Litauens und Sowjetrusslands im Polnisch-Sowjetischen Krieg. Der genaue Grenzverlauf zwischen Deutschland und Polen wurde erst im Juli 1921 (nach bürgerkriegsartigen Aufständen in Oberschlesien) festgelegt und blieb ständiger Streitpunkt.
Alle Regierungen der Weimarer Republik strebten eine Revision der Ostgrenzen an, um die 1919 verlorenen Gebiete zurückzugewinnen ("Vertragsrevisionismus"). So garantierte der Vertrag von Locarno 1925 zwar die neue deutsche Westgrenze, doch eine ähnliche Regelung für die Ostgrenzen lehnte Gustav Stresemann ab. Stattdessen leitete die Reichsregierung einen ergebnislosen Zollkrieg gegen die polnische Wirtschaft ein. Im Zusammenhang mit den ständigen, meist handelspolitisch motivierten Streitigkeiten zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig, deren Senat hierbei stets in enger Abstimmung mit den jeweiligen deutschen Regierungen agierte, kam es in diesen Jahren wiederholt zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Berlin und Warschau. Die deutschen Regierungen näherten sich mit dem Vertrag von Rapallo 1922 und dem Berliner Vertrag 1926 außenpolitisch der UdSSR an, mit der sie auch militärisch kooperierten, um Versailler Beschränkungen zu umgehen. Polen wurde von maßgeblichen deutschen Militärs und Diplomaten schon lange vor 1933 als „Saisonstaat“ betrachtet, der über kurz oder lang wieder zu verschwinden habe. Das von einflussreichen Publizisten in den Jahren der Weimarer Republik kultivierte Polenbild war fast durchgehend negativ und zumindest unterschwellig auch rassistisch konnotiert, es kam in Teilen „einer psychologischen Kriegführung gleich“. Viele Autoren arbeiteten systematisch und erfolgreich daran, Schlagworte wie das vom „Grenzlandkampf“ und der „blutenden, brennenden Grenze“ zu Polen im Massenbewusstsein zu verankern. Staatlich finanzierte und beeinflusste Organisationen wie der Verein für das Deutschtum im Ausland, Deutscher Schutzbund für das Grenz- und Auslandsdeutschtum (gegründet 1922) und Deutsches Ausland-Institut wirkten offen und verdeckt auf die deutsche Minderheit in Polen ein. Diese sollte als „Vorposten“ erhalten und die Abwanderung von Deutschen auch deshalb unbedingt verhindert werden. 1939 waren etwa 200.000 Angehörige der deutschen Minderheit in Organisationen aktiv, die die deutsche Revisionspolitik unterstützten.
Die polnische Regierung hatte eine ebenso unnachgiebige Haltung in den Grenzfragen und versuchte, Polen zu einer Führungsmacht in Ostmitteleuropa zu machen (vgl. Międzymorze). Das führte auch zu ständigen Spannungen mit Litauen (Okkupation und schließliche Annexion von Vilnius 1919/20) und der Tschechoslowakei (vgl. Olsagebiet). Unter Józef Piłsudski, dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der seit 1926 der eigentliche Machthaber war, schloss Polen am 25. Juli 1932 einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, um die 1921 erfolgte Grenzziehung abzusichern und dem sich abzeichnenden Machtzuwachs Deutschlands zu begegnen. Außenpolitisch stützte sich die polnische Führungsschicht in diesen Jahren auf das 1921 geschlossene Bündnis mit Frankreich und auf den Völkerbund. Sie war sich in der Frage uneins, ob sie in erster Linie Deutschland oder die Sowjetunion als Gegner sollte.
Der Völkerbund beschloss am 24. September 1927 und im Briand-Kellogg-Pakt vom 27. August 1928, dem Deutschland beigetreten war, ein internationales Verbot des Angriffskrieges.
Die NSDAP gehörte seit ihrer Gründung zu den schärfsten Gegnern des Versailler Vertrages. Adolf Hitler erklärte zudem die Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ in seiner Programmschrift "Mein Kampf" zum für ihn entscheidenden Politikziel. Er richtete es vor allem gegen die Sowjetunion, ohne Polen zu erwähnen. Dies sieht der Historiker Wolfgang Wippermann als Indiz dafür, „wie wirklichkeitsfremd dieses Programm war“.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mobilisierte die polnische Regierung einen Teil der Streitkräfte, ließ polnische Truppen am 5. März 1933 vertragswidrig auf der Westerplatte im Freistaat Danzig landen und sondierte wiederholt, ob Frankreich einen Präventivkrieg unterstützen würde, bei dem Oberschlesien, Ostpreußen und die Freie Stadt Danzig besetzt werden sollten. Auch wegen Hitlers Sieg bei der Reichstagswahl März 1933 lehnte Frankreich ab. Polen zog seine Truppen nach einem Völkerbundaufruf am 16. März ab. In der geschichtswissenschaftlichen Forschung war es lange umstritten, ob diese Kriegspläne ernst gemeint waren. Der polnische Historiker Marian Wojciechowski nimmt an, dass es Piłsudskis eigentliches Ziel war, zu demonstrieren, dass das Bündnis mit Frankreich nicht belastbar sei, um so seine Hinwendung an das Deutsche Reich innenpolitisch vorzubereiten.
Hitler hatte Polen nach der Liebmann-Aufzeichnung intern am 3. Februar 1933 als Bedrohung dargestellt. Auf Polens Ultimatum im Mai 1933 hin erklärte er die „Respektierung“ der polnischen Westgrenze. Anlässlich des Austritts aus dem Völkerbund (Oktober 1933) bot er Polen Verhandlungen an und beendete demonstrativ die Zusammenarbeit mit der UdSSR.
Am 26. Januar 1934 schlossen Polen und das Deutsche Reich den auf zehn Jahre befristeten deutsch-polnischen Nichtangriffspakt. Einige Historiker betrachten diesen als Beendigung der deutsch-polnischen Konfrontation der Weimarer Zeit. Andere sehen darin nur eine taktische Maßnahme, die Polen zu einem Werkzeug deutscher Interessen machen sollte.
In den folgenden Jahren zerfiel das polnisch-französische Bündnis unter dem Eindruck der neuen Bündniskonstellationen. Der französisch-sowjetische Beistandspakt vom 2. Mai 1935 entfernte die ehemaligen Partner weiter voneinander, während Polen und das Deutsche Reich politisch und wirtschaftlich enger zusammenarbeiteten. Dies zeigte sich vor allem nach dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938: Hatte sich die polnische Regierung von der deutschen Besetzung des Rheinlandes (7. März 1936) noch scharf distanziert, so nutzte sie die Lage nun für eigene Interessen aus. Am 2. und 3. Oktober besetzte Polen den tschechischen Teil der 1919 getrennten, ehemals Teschen genannten Stadt (Český Těšín) sowie das Olsagebiet. Am 10. Oktober 1938 besetzten die Deutschen gemäß dem Münchner Abkommen das Sudetenland.
Am 24. Oktober 1938 begann der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop Verhandlungen mit der polnischen Regierung zur „Lösung aller strittigen Fragen“. Er verlangte die Wiedereingliederung der Freien Stadt Danzig in das Deutsche Reich sowie Transitverkehr über ein neuzubauendes exterritoriales Teilstück der Reichsautobahn Berlin–Königsberg und über den Schienenweg (ehem. Preußische Ostbahn) durch den polnischen Korridor. Dafür bot er die Anerkennung der übrigen deutsch-polnischen Grenzen, eine Verlängerung des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts auf 25 Jahre und einen Freihafen in beliebiger Größe in Danzig. Auch lud er Polen zum Beitritt in den Antikominternpakt ein.
Die polnische Regierung zögerte mit einer Antwort auf Ribbentrops Vorschläge, ging auf die meisten Punkte nicht ein und stellte nur graduelle Veränderungen in Aussicht. Außenminister Józef Beck lehnte den Nichtangriffspakt mit Deutschland auch deshalb ab, um das Verhältnis zur UdSSR nicht unnötig zu belasten und um die von Polen angestrebte Führungsrolle im „Dritten Europa“ nicht zu gefährden. Ribbentrops Angebot war nach Klaus Hildebrand eine „unannehmbare Zumutung“ für Polen, weil es sich bei Annahme völlig von seinem bisherigen Verbündeten Frankreich isoliert hätte. Das Land hätte damit „künftig an der Kette des Reiches gelegen“ und wäre zu einem „Satrapen für einen Eroberungszug im Osten“ geworden. Die deutsch-polnischen Verhandlungen zogen sich deshalb ergebnislos hin.
Am 18. März 1939 – wenige Tage nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ unter Bruch des Münchener Abkommens – schloss das Deutsche Reich das sogenannte „Deutsch-Slowakisches Schutzzonenstatut“ mit der gerade unabhängig gewordenen Slowakei ab, die in der Folge zum strategischen Partner gegen Polen aufgebaut wurde. Auf das deutsche Ultimatum an Litauen vom 20. März hin gab die litauische Regierung am 22. März das 1920 vom Deutschen Reich getrennte, als Völkerbundsmandat unter französische Verwaltung gestellte und schließlich 1923 von Litauen annektierte Memelland zurück. Das (etwa 2600 Quadratkilometer große) Memelgebiet wurde wieder Teil der Provinz Ostpreußen; das Deutsche Reich erhielt mit der Drohung einzumarschieren ein weiteres der Gebiete zurück, auf die es im Friedensvertrag von Versailles verzichtet hatte.
Der strittige polnische Korridor samt Danzig, von wesentlicher Bedeutung für die Beziehungen zur Republik Polen, blieb ein für das Deutsche Reich offener Punkt; die Bedrohung für Polen war somit offensichtlich.
Am 26. März 1939 wies Polens Regierung das deutsche Angebot endgültig zurück und stellte klar, dass sie jede einseitige territoriale Veränderung als Kriegsgrund behandeln würde. Am 23. März leitete sie eine Teilmobilmachung ihrer Streitkräfte ein, um einer handstreichartigen deutschen Besetzung Danzigs begegnen zu können. Dieser Schritt Warschaus wurde indes in den ersten polnischen Analysen über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als voreilig kritisiert, da die britischen und französischen Verbündeten noch nicht auf eine militärische Auseinandersetzung mit der Wehrmacht vorbereitet gewesen seien.
Großbritannien beendete nach dem deutschen Bruch des Münchener Abkommens seine bisherige Appeasement-Politik. Am 31. März sicherte der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain Polen militärische Unterstützung zu, falls dessen Existenz bedroht werde (→ Britisch-französische Garantieerklärung). Auf Bitte Polens wurden am 6. April Verhandlungen über einen förmlichen Beistandspakt zwischen beiden Staaten aufgenommen. Am 13. April wurde die polnisch-französische Allianz erneuert.
Hitler kündigte am 28. April 1939 den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt und das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935. Bereits am 11. April hatte er der Wehrmacht Weisung zur Ausarbeitung eines Kriegsplanes gegen Polen erteilt. Bei seiner Rede vor den Oberbefehlshabern am 23. Mai 1939 verkündete er das eigentliche Ziel des bevorstehenden Feldzuges:
Damit wollte Hitler die Abhängigkeit von westlichen Importen verringern (siehe auch Autarkie) und eine Seeblockade, die im Ersten Weltkrieg zur militärischen und politischen Niederlage Deutschlands beigetragen hatte, vermeiden. Er setzte die Verhandlungen um Danzig noch bis zum August 1939 fort, um Zeit für Kriegsvorbereitungen zu gewinnen und Großbritannien und Frankreich möglichst von einem militärischen Eingreifen abzuhalten.
Diese hätten Polen durch einen Einmarsch in Deutschland von Westen her helfen können, waren darauf aber trotz zahlenmäßiger Überlegenheit ihrer Divisionen nicht vorbereitet oder nicht dazu bereit. Um Polen auf dessen Gebiet militärisch wirksam unterstützen zu können, verhandelten die Westmächte seit Sommer 1939 über eine Militärkonvention mit der UdSSR. Diese verlangte ein Durchmarschrecht für die Rote Armee durch Polen. Dessen Regierung befürchtete, dass die Sowjets dieses Recht zur Rückgewinnung ihrer 1921 verlorenen Gebiete ausnutzen würden. Polens Außenminister lehnte diese Bedingung daher am 15. August 1939 endgültig ab. Noch während dieser Gespräche handelte der sowjetische Außenminister Molotow mit Ribbentrop in Moskau den Deutsch-Sowjetischen Wirtschaftsvertrag aus, der dem Deutschen Reich Rohstofflieferungen auch im Fall einer Seeblockade sichern sollte.
In der auf dem Berghof gehaltenen Ansprache Hitlers vor den Oberbefehlshabern am 22. August 1939, von der mehrere Aufzeichnungen existieren, definierte er als Ziel des bevorstehenden Feldzuges: „Vernichtung Polens = Beseitigung seiner lebendigen Kraft“. Der Feldzug werde keine großen Probleme mit den Westmächten nach sich ziehen: „Mit einem Dazwischentreten Englands und Frankreichs rechne er nicht, sei vielmehr überzeugt, daß beide Staaten wohl drohen, mit dem Säbel rasseln, Sanktionen verhängen, vielleicht auch eine Blockade aufrichten, aber niemals militärisch eingreifen würden.“ Um Deutschland einzudämmen, hätten sie bislang auf ein Bündnis mit der Sowjetunion gehofft – „auch diese Karte habe ich ihnen nun aus der Hand geschlagen.“
Am 24. August 1939 folgte der Hitler-Stalin-Pakt, dessen „Geheimes Zusatzprotokoll“ die Interessengebiete aufteilte: Danach sollten Ostpolen und das Baltikum der sowjetischen Interessensphäre zugeschlagen werden. Laut einer diplomatisch ausgehandelten Ergänzung dazu sollten die Flüsse Pissa, Narew, Weichsel und San die Grenze zwischen den Interessensphären Deutschlands und der UdSSR bilden.
Nach dem Scheitern der britisch-sowjetischen Verhandlungen bat die britische Regierung Warschau nochmals um Verhandlungen mit Berlin. Wegen der westlichen Garantieerklärungen und dem hohen Vertrauen in die eigenen Streitkräfte sah die polnische Führung jedoch keinen Grund mehr für weitere diplomatische Bemühungen. Hitler hatte seine Forderungen inzwischen gesteigert und mit einem Ultimatum verbunden. Daraufhin leitete die polnische Regierung am 29. August die Generalmobilmachung der polnischen Streitkräfte ein.
Während der sich verschärfenden Lage hatten auf beiden Seiten die Berichte über Grenzverletzungen und Zwischenfälle zugenommen. Seit Anfang 1939 war es zu Ausschreitungen gegen Volksdeutsche in Polen gekommen. Die NS-Propaganda, die während der Dauer des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes nicht negativ über Polen berichten durfte, nutzte diese Vorfälle seit März 1939, um ein Feindbild von Polen zu verstärken. Deutsche Polizeiberichte schilderten etwa den polnischen Beschuss von militärischen und zivilen Flugzeugen und zahlreiche Übergriffe, auch mit Todesfolge auf deutscher Seite. Auch die Polen machten eine Aufstellung von Zwischenfällen.
Um den 10. August 1939 begannen die Vorbereitungen für den Überfall auf den Sender Gleiwitz und zu weiteren fingierten Grenzzwischenfällen unter der Leitung von Reinhard Heydrich und unterstützt durch den Leiter der Gestapo Heinrich Müller. Ab dem 22. August 1939 täuschten als polnische Freischärler verkleidete SD- und SS-Angehörige sowie dazu genötigte KZ-Häftlinge (die ermordet und als Beweis für Kampfhandlungen liegen gelassen wurden) mehrere „Grenzzwischenfälle“ vor. Am 31. August 1939 überfiel eine Gruppe von SS-Männern unter Führung von Sturmbannführer Alfred Naujocks den Sender Gleiwitz, um einen polnischen Überfall als Vorwand für den verbrecherischen Angriffskrieg gegen Polen vorzutäuschen. Als Hitler in seiner Reichstagsrede am 1. September von 14 Grenzzwischenfällen sprach, die Polen in der vorangegangenen Nacht provoziert habe, „darunter drei ganz schwere“, bezog er sich auf diese selbst angeordneten Übergriffe. Da der SD seine Aktionen indes dilettantisch ausgeführt hatte, fanden sie nach Hitlers Rede in der Propaganda keine Erwähnung mehr. Deutsche Wochenschauen vom September 1939 zeigten brennende deutsche Bauernhöfe im Korridor oder die Beerdigung eines erschossenen Danziger SS-Mannes als Kriegsbegründungen.
Das Oberkommando des Heeres (OKH) schloss seine Planung bis zum 15. Juni 1939 ab (Codename "Fall Weiß"). Die Vorbereitungen wurden als Manöverübungen, Bau von Grenzbefestigungen u. a. verdeckt durchgeführt. So wurden zur 25-Jahr-Feier der Schlacht bei Tannenberg in Ostpreußen eine Infanterie- und eine Panzerdivision aus dem Reich abgeordnet. Die eigentliche Generalmobilmachung begann jedoch verdeckt erst am 25. August 1939.
Bedingt durch den Grenzverlauf und Bündnispolitik hatte Deutschland schon von Beginn an Polen von mehreren Seiten her eingekesselt – vom Nordwesten bis zum Gebiet der verbündeten Slowakischen Republik im Süden, dazu von Nordosten aus Ostpreußen. Nach Kriegsbeginn kam das bis dahin neutrale Danziger Gebiet hinzu, und im Osten lag die verbündete Sowjetunion. Daher befanden sich die deutschen Streitkräfte in einer vorteilhaften Lage. Für den Angriff wurden sie in zwei Heeresgruppen unterteilt: Die Heeresgruppe Nord (630.000 Mann unter Generaloberst Fedor von Bock) sollte zunächst die polnischen Streitkräfte im polnischen Korridor zerschlagen, um eine Verbindung zwischen Ostpreußen und dem Hauptgebiet des Deutschen Reiches herzustellen. Danach sollte sie direkt auf Warschau vorstoßen, um damit den Hauptangriff, der im südlichen Polen stattfinden sollte, zu entlasten. Die Heeresgruppe Süd (886.000 Mann unter Generaloberst Gerd von Rundstedt) verfügte über drei Armeen. Die 14. Armee unter Generaloberst Wilhelm List sollte von Schlesien und der Slowakei aus die polnischen Grenzbefestigungen in Ostoberschlesien einnehmen, danach die deutschen Operationen nach Galizien hin mit Angriffen decken und auf den Fluss San vorrücken. Die 10. Armee unter General der Artillerie Walter von Reichenau sollte den Hauptangriff auf Warschau führen. Dazu wurden ihr die meisten motorisierten Verbände zugeteilt. Auf ihrer linken Flanke sollte die 8. Armee unter General der Infanterie Johannes Blaskowitz die Operationen nach Posen hin abschirmen. So hoffte die deutsche Führung, die Masse des polnischen Heeres noch westlich der Weichsel zu umfassen und zu vernichten.
Schon am 25. August befand sich ein großer Teil der Truppen in ihren Bereitstellungsräumen. Hitler befahl den Angriff für den 26. August, zog den Angriffsbefehl aber kurzfristig zurück, nachdem er erfahren hatte, dass Italien nicht kriegsbereit sei und England und Polen ihre gegenseitigen Zusagen vertraglich fixiert hatten. So erhielt die Wehrmachtführung weitere sieben Tage Zeit, um die Mobilmachung der Truppen abzuschließen. Lediglich ein Stoßtrupp der 10. Armee erfuhr nichts von dem Haltebefehl und eröffnete gegen 4:30 Uhr das Feuer auf Bunkeranlagen bei Lublinitz. Da die erwartete Verstärkung des Stoßtrupps infolge des Haltebefehls ausblieb, wurde der Trupp fast vollständig aufgerieben.
Ein Kommandounternehmen gegen den seit 1938 polnisch besetzten Bahnhof von Mosty, mit dem Ziel der Sicherung und Besetzung des Jablunkapasses, konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig gestoppt werden. Nach anfänglichen Erfolgen der Kommandosoldaten mussten sie sich wieder über die Grenze zurückziehen. Auch an der Weichselbrücke Dirschau kam es zu einigen Zusammenstößen deutscher und polnischer Truppenteile, bei denen beiderseits erste Verluste zu verzeichnen waren.
Einen detailliert ausgearbeiteten Plan für einen Krieg mit Deutschland hatte der polnische Generalstab nicht. Den "Plan Zachód" (Plan West), seinen Operations- und Aufmarschplan für diesen Fall, musste er in den Jahren 1938/39 immer wieder entsprechend der sich verändernden strategisch-politischen Lage erneuern, was bis zum Kriegsausbruch in Fluss blieb. Die Bedrohung der Karpatengrenze durch Einbeziehung der Slowakei in den deutschen Aufmarschraum nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ im März 1939 und die im gleichen Monat begonnene Teilmobilmachung mit der lediglich politisch begründeten Abzweigung eines Korps zur Verhinderung eines deutschen Handstreichs gegen Danzig führten zu einer Verzettelung der Kräfte. In der Krise des Sommers 1939 fand die Planung nur noch auf allerhöchster Ebene statt und nahm den Charakter von Improvisationen an.
Im März 1939 war der polnischen Regierung klar geworden, dass die deutsche Regierung auf ihren Forderungen beharren würde. Auch ein deutsches Ultimatum wurde nicht mehr ausgeschlossen. Die polnische Regierung kam daraufhin zu dem Schluss, dass ein Nachgeben nicht mehr in Frage komme, weil Berlin unweigerlich neue Forderungen stellen würde, und man mittlerweile wisse, dass „deutsche Grenzgarantien überhaupt nichts wert“ seien. Die polnische Regierung rechnete im März 1939 auch mit der Möglichkeit eines deutschen Angriffs, glaubte aber, dann die Unterstützung der Westmächte zu finden.
Polen begann am 23. März mit einer Teilmobilmachung, indem fünf Verbände vor allem in den westlichen Bezirken auf Kriegsstärke gebracht und zwei Verbände sowie eine Kavallerie-Brigade an die Westgrenze verlegt wurden. Die in aller Eile erfolgenden Vorkehrungen blieben unvollständig und wurden durch den ständig veränderten Operationsplan verkompliziert. Die polnische Armeeführung versuchte, auf die immer bedrohlicher werdende Situation an den Flanken, insbesondere in der Slowakei zu reagieren, indem der linke Flügel durch die Bildung einer neuen Armee „Karpaty“ bis an die ungarische Grenze verlängert wurde. Die Westmächte drängten Polen außerdem, sich zurückzuhalten, um Hitler keinen Vorwand zu liefern, Polen aggressiver Absichten zu beschuldigen, und auch wirtschaftlich stellte die Teilmobilmachung eine große Belastung dar.
Zudem war Polen klar, dass man im Falle eines Krieges gegen Deutschland mit einer Niederlage und im Falle einer verspäteten französischen Offensive mit einer militärischen Katastrophe rechnen müsste. Denn Regierung und Generalstab wussten um die militärische Unterlegenheit ihrer Streitkräfte, gerade was moderne Flugzeuge, Panzer, Geschütze und Transportmittel anging. Der polnische Kriegsminister Tadeusz Kasprzycki und der französische Generalstabschef Maurice Gamelin vereinbarten deshalb am 19. Mai 1939, dass im Falle eines deutschen Angriffs im Osten die polnische Armee in der Defensive bleiben und sich bei einem deutschen Angriff im Westen bemühen solle, „die größtmögliche Zahl der deutschen Truppen zu binden“. Die polnischen Politiker und Soldaten erwogen keine ehrgeizigeren militärischen Operationen als kleinere Vorstöße nach Ostpreußen. „Die Legende von den siegessicheren und übermütigen polnischen Politikern und Militärs, die vom Marsch nach Berlin geträumt hätten“, so schreibt der Historiker Hermann Graml, „ist tatsächlich nichts anderes als eine Legende, die ihre Geburt der nationalsozialistischen Propaganda verdankt, ferner einem Teil der polnischen Presse, der Zuversicht zu verbreiten suchte, und einer kleinen Minderheit rechtsextremistischer Schreihälse“.
Polen verfügte über umgerechnet etwa 44 Divisionen gegenüber etwa 57 deutschen Divisionen, die noch dazu besser ausgerüstet und bewaffnet waren. 2400 leichten und mittleren deutschen Panzern standen ca. 800 leichte (Tanketten, 7TP) und veraltete Panzer Renault FT-17 gegenüber. Gepanzerte Großverbände nach deutschem Muster gab es bis auf zwei motorisierte Brigaden nicht. Den deutschen Luftflotten 1 und 4 mit zusammen 1929 einsatzbereiten, zum Teil modernsten Flugzeugen konnten die Polen nur 842 Maschinen der Typen PZL P.7, PZL P.11, PZL.23 Karaś, PZL.37 Łoś und einige ältere Modelle entgegenstellen.
Der polnische Operationsplan bewertete die deutschen Angriffsverbände, operativen Möglichkeiten und Absichten im Großen und Ganzen zutreffend. Da sich die Hauptmobilmachungs- und Kriegswirtschaftsbasis Polens westlich der Weichsel befand, war man auf einen grenznahen Kampf festgelegt, zumal eine enge politische und militärische Anlehnung an die Sowjetunion ausschied. In Anbetracht der Überlegenheit der deutschen Wehrmacht musste sich die polnische Verteidigung darauf konzentrieren, bis zu einer Offensive der Westmächte so wenig Gelände wie möglich preiszugeben, Zeit zu gewinnen und dem Gegner Verluste zuzufügen. Um die durch „Handstreiche“ bedrohten Räume früh und stark zu sichern, sollten die Armeen der I. Staffel im Raum südlich von Bromberg sowie westlich von Łódź und im oberschlesischen Industriegebiet eingesetzt werden, während relativ starke Flügel vor allem im Norden gestützt auf die Weichsel, den Narew und die Biebrza sowie im Süden auf die Karpaten die Hauptkräfte vor Überraschungen schützen sollten.
Fünf Armeen und eine selbständige Gruppe wurden als I. Staffel in vorderster Linie postiert, eine Armee und zwei kleinere Gruppen als II. Staffel in der Reserve. Den Schwerpunkt bildeten die Armeen „Kraków“ und „Lódz“ im Süden, die den Hauptangriff der Deutschen aufhalten sollten. Von ihrer Standfestigkeit hing es ab, ob ein Rückzug nach Südosten notwendig sein würde. Im Westen und Norden waren die Armeen „Poznań“ und „Pomorze“ vorgeschoben. Die Gruppe „Kutno“ sollte Rückendeckung geben. Die exponierte Lage brachte die Gefahr mit sich, dass diese Verbände im Falle eines raschen deutschen Durchbruchs in Richtung Łódź – Warschau abgeschnitten würden. Im Norden sollte außerdem die Armee „Modlin“ den aus Ostpreußen angreifenden deutschen Kräften den Weg nach Warschau versperren. Dabei sollte die Operationsgruppe „Narew“ sie unterstützen. Das Gesamtziel der polnischen Armeeführung bestand darin, möglichst lange die zur Kampfführung notwendigen Gebiete zu decken.
Als Außenminister Ribbentrop am 22. August 1939 nach Moskau reiste, beschloss die polnische Regierung die „Alarmmobilmachung“ in den sechs an Deutschland grenzenden Korpsbezirken, wobei die mobilgemachten Truppen noch in oder nahe ihrer Standorte verblieben. Am 27. August wurde die Mobilmachung der restlichen „Alarmeinheiten“ angeordnet. Dabei mag man in Teilen der polnischen Führung noch bis zum 28. August bezweifelt haben, ob es wirklich zum Krieg mit Deutschland kommen würde; auch wurde teilweise nur mit begrenzten deutschen Aktionen besonders gegen Danzig gerechnet. Am 29. August wurde der Befehl erteilt, die Truppen in die Ausgangsstellungen zu verlegen und die wichtigsten Schiffe der polnischen Flotte in britische Gewässer in Sicherheit zu bringen (Operation Peking), am Nachmittag die allgemeine Mobilmachung aber wieder abgesagt, weil Frankreich und Großbritannien dadurch die letzte Chance zur Beilegung des Konfliktes vergeben sahen. Als am 30. August die Mobilmachung mit Wirkung zum folgenden Tag erneut angeordnet wurde, kam es zu beträchtlicher Verwirrung und Verzögerungen. Zu Beginn des deutschen Angriffs war bei allen Armeen der I. Staffel erst ein Drittel der Verbände einsatzbereit.
Neben der misslichen wehrgeographischen Lage und der militärischen Unterlegenheit Polens trug auch der polnische Operations- und Mobilmachungsplan zur Niederlage bei, da darin die Stoßkraft des deutschen Heeres und seiner operativen Möglichkeiten vor allem im Süden unterschätzt wurde. Der sowjetische Einmarsch in Ostpolen am 17. September zerschlug schließlich die letzten Hoffnungen, etwa drei Monate durchhalten oder eine Art Guerillakrieg führen zu können.
Am 31. August 1939 gab Hitler die Weisung, am nächsten Tag um 4 Uhr 45 den Angriff auf Polen zu beginnen. Der exakte Zeitpunkt und Ort der ersten Kampfhandlung ist umstritten. Ab 4:45 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, beschoss das Linienschiff "Schleswig-Holstein" die polnische Garnison auf der Westerplatte. Die SS-Heimwehr Danzig und deutsche Polizeitruppen stürmten das polnische Postamt in Danzig. Beide Orte waren rechtlich laut Versailler Vertrag polnische Exklaven auf dem Gebiet der Freien Stadt Danzig.
Die Stadt Wieluń wurde laut Zeitzeugen bereits um 4:37 Uhr, laut deutscher Einsatzmeldung eine Stunde später – ohne Kriegserklärung – unter Befehl von Wolfram von Richthofen bombardiert. Bei der ersten Angriffswelle wurde das Krankenhaus der Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Die völlig überraschten Einwohner wurden aus Bordwaffen gezielt beschossen. Im Verlauf des Tages folgten zwei weitere Angriffe mit je 29 Flugzeugen. Etwa 1200 der damals 16.000 Einwohner wurden getötet. Nach den Luftangriffen waren 90 Prozent des historischen Ortskerns und 70 Prozent aller Gebäude von Wieluń zerstört.
Weitere Kommandoaktionen sollten die Sprengung von Eisenbahnbrücken verhindern. Dazu starteten um 4:26 Uhr drei Stuka-Flugzeuge vom Typ Ju 87 B unter Oberleutnant Bruno Dilley im ostpreußischen Landkreis Elbing. Um 4:34 Uhr lösten sie ihre Bomben über dem Bahndamm links neben der Weichselbrücke Dirschau aus, welche die dort stehenden Zündapparate und polnischen Pioniere trafen. Dennoch wurde die Brücke um 6:10 und 6:40 Uhr von polnischen Verteidigern gesprengt.
Hitler sagte gegen 10:10 Uhr desselben Tages in einer im Rundfunk übertragenen Reichstagsrede:
Frankreich und Großbritannien forderten ultimativ den sofortigen Rückzug aller deutschen Truppen aus Polen. Kurz nach 9:00 Uhr nahm Hitler von seinem Dolmetscher die Übersetzung des auf 11:00 Uhr ausgesprochenen britischen Ultimatums entgegen, Polen unverzüglich zu räumen. Frankreich nannte in seinem Ultimatum 17:00 Uhr. Als Hitler die Räumung ablehnte, erklärten beide Staaten dem Deutschen Reich am 3. September den Krieg. Dementsprechend durfte in Deutschland ab diesem Tag offiziell von „Krieg“, meist in der Formulierung „aufgezwungener Krieg“, gesprochen werden. Eine große Offensive der Westmächte blieb aber trotz der Zusagen gegenüber Polen aus; an der deutschen Westgrenze kam es zum „Sitzkrieg“.
Die kommunistischen Parteien des Westens begrüßten den Eintritt Frankreichs und Großbritanniens in den Krieg und bezeichneten Deutschland als „faschistischen Aggressor“, dem es entgegenzutreten gelte. Hierbei setzten sie sich deutlich von der Linie der sowjetischen Führung ab, die die Wahrung einer strikten Neutralität vorsah.
Der Angriff der Heeresgruppe Nord kam in den ersten Tagen zumindest im Bereich der 4. Armee unter General der Artillerie Günther von Kluge planmäßig voran. Im Korridor wurden Teile der polnischen "Armee Pomerellen" während der Schlacht in der Tucheler Heide bei Graudenz eingeschlossen und zerschlagen. Nur zwei ihrer Divisionen entkamen der Niederlage und schlossen sich der "Armee Posen" an.
Zur Illustration der hoffnungslosen Unterlegenheit der polnischen Armee wird oft angeführt, dass sie ihre Kavallerie überschätzte und berittene polnische Soldaten deutsche Panzer mit Lanzen und Säbeln angegriffen haben sollen. Hinter dieser Legende steht das Gefecht bei Krojanty, in dem am 1. September 1939 ein polnisches Ulanenregiment eine Infanterie-Einheit der Wehrmacht angriff, aber von dazukommenden Panzerspähwagen überrascht und zurückgeschlagen wurde.
Zugleich stockte der Angriff der 3. Armee unter General der Artillerie Georg von Küchler vor der "Mlawa-Stellung". Die dort kämpfende "Armee Modlin" zog sich erst zurück, als die deutschen Kräfte ihre rechte Flanke umgangen hatten (Schlacht von Mława). Sie sammelte sich jedoch wieder in der Festung Modlin und am Bug.
Die Armeen der Heeresgruppe Süd drängten unterdessen die polnischen Verbände in Richtung Warschau zurück. Allerdings gelang es ihnen nicht, die polnischen Truppen aufzureiben oder zu umfassen. Erst am 6. September gelang der 10. Armee ein tiefer Einbruch in die polnische Abwehrfront. Am gleichen Tag besetzte die 14. Armee Krakau. Sie konnte die polnische "Armee Krakau" jedoch nicht wie geplant einkreisen.
Der schnelle Vorstoß der deutschen Verbände überholte die polnische Strategie, so dass das polnische Oberkommando schon nach fünf Tagen den Rückzug hinter die geplante Verteidigungslinie an den Flüssen befahl. Die polnische Regierung setzte sich nach Brest-Litowsk ab. Der Rückzugsbefehl erfolgte für die polnischen Infanterieverbände aber zu spät, um die Flüsse noch vor den Panzern der Wehrmacht zu erreichen. Das deutsche OKH wiederum glaubte, die Masse des polnischen Heeres nicht mehr westlich der Weichsel zerschlagen zu können. Es befahl deshalb der 3. Armee und 14. Armee, ihre Kräfte östlich der Weichsel für eine Umfassungsschlacht zu konzentrieren.
Das mit Polen verbündete Rumänien erklärte sich angesichts des raschen deutschen Vorrückens und ausbleibender Eingriffe der Westmächte am 6. September für neutral, so dass Polen militärisch vollständig isoliert blieb.
Vom Kriegsbeginn an besaß die deutsche Luftwaffe fast völlige Luftüberlegenheit. Die Luftangriffe auf Wieluń, Frampol und Warschau gelten als die ersten Flächenbombardements, die als Mittel der Kriegführung im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Die deutschen Flugzeuge nutzten dabei den sowjetischen Sender Minsk als Orientierung, der auf eine Bitte Hermann Görings hin seine Sendedauer verlängerte. Die Heeresgruppe Süd nutzte ihren Durchbruch, um ein Panzerkorps auf die polnische Hauptstadt anzusetzen. Dieses erreichte schon am 8. September die Vorstädte von Warschau. Dort stießen sie auf starken Widerstand der polnischen Verteidiger. Um einen verlustreichen Häuserkampf zu vermeiden, stoppten die Panzer ihren Vormarsch. Am 15. September erreichten erste deutsche Einheiten von Nordosten kommend die östlichen Vorstädte Warschaus und vereinigten sich südlich von Warschau mit den westlich der Weichsel stehenden deutschen Truppen. Damit war ein riesiger Kessel entstanden. Er umfasste das Gebiet der Stadt Warschau, einen wenige Kilometer breiten Korridor bis zur polnischen Festung Modlin sowie ein im Nordwesten Warschaus gelegenes Waldsumpfgebiet (Kampinos Heide).
Am 9. September gelang es dem rechten Flügel der 10. Armee, starke polnische Kräfte, die sich über die Weichsel zurückzuziehen versuchten, zu überholen und einzukesseln. Daraus entwickelte sich die Schlacht bei Radom. Zeitgleich griff die polnische "Armee Posen", die unbemerkt von der deutschen Aufklärung herangerückt war, nördlich von Kutno überraschend den linken Flügel der deutschen 8. Armee an (siehe Schlacht an der Bzura). Dieser einzige polnische Gegenstoß zwang die Heeresgruppe Süd, bei Radom, vor Warschau und an der Bzura gleichzeitig zu kämpfen. Sie wehrte den Flankenangriff unter schweren Verlusten ab.
Die Heeresgruppe Nord stand schon östlich der Weichsel am Narew und musste nun gemäß dem Umfassungsbefehl des OKH große Teile der 4. Armee durch Ostpreußen an ihren linken Flügel verlegen, was einige Tage dauerte. Danach schloss sie am 9. September die Festung Modlin und Warschau von Norden her ein. Das XIX. Armeekorps (Teil der Heeresgruppe Nord) unter dem Kommando des Generals der Panzertruppe Heinz Guderian durchstieß nach Kämpfen bei Wizna die polnische Verteidigungslinie am Fluss Narew, rückte östlich des Bug mit starken Panzerkräften nach Süden vor und begann am 14. September den Angriff auf die Festung Brest, die nach drei Tagen fiel.
Am 12. September 1939 kapitulierten die polnischen Truppen im Kessel bei Radom (60.000 Gefangene). Am 13. September wurde die Kleinstadt Frampol nahe Lublin durch einen deutschen Luftangriff vollständig zerstört. Danach befahl die polnische Armeeführung allen verbliebenen Truppen, sich eigenständig nach Südosten zurückzuziehen. Man hoffte, sich dort in unwegsamem Gelände noch länger halten zu können, bis Nachschub der Westalliierten über Rumänien geliefert würde.
Im Südosten kämpfte bisher nur die deutsche 14. Armee. Diese schwenkte nun aber nach Nordosten, um sich hinter dem Fluss Bug mit der Heeresgruppe Nord zu vereinen. Mit den freigewordenen Verbänden konnte die Heeresgruppe Süd nun auch die "Armee Posen" einschließen und bis zum 17. September aufreiben (170.000 Gefangene). Das zerschlug die polnische Hoffnung, wenigstens den Südosten des Landes verteidigen zu können.
Nach der Einnahme von Brest-Litowsk vereinigten sich am 18. September südlich der Stadt die daran beteiligten Truppen mit denen der 14. Armee. Damit war die Masse der polnischen Kräfte umfasst worden.
Präsident Ignacy Mościcki hatte sich in der südöstlich gelegenen polnischen Grenzstadt Kuty befunden. Er überquerte hier zusammen mit einer großen Anzahl von Soldaten und Zivilisten am 18. September 1939 den Grenzfluss Tscheremosch nach Rumänien. Auch die übrige polnische Staatsführung war dorthin geflohen. Rumänien internierte die Flüchtlinge zunächst.
Die NS-Propaganda bezeichnete Deutschlands Aggression gegen Polen daher als "Feldzug der 18 Tage".
Seit Frankreichs und Großbritanniens Kriegserklärung drängten die Deutschen ihre sowjetischen Vertragspartner, wie vereinbart ihrerseits in Polen einzumarschieren. Die Regierung in Moskau wollte jedoch erst nach einem weitgehenden Zusammenbruch des polnischen Staates eingreifen, da sie befürchtete, in einen Krieg mit den beiden Westmächten hineingezogen zu werden, die ja die Unabhängigkeit Polens garantierten. Sie hatte auch mit einer längeren Dauer der Kämpfe gerechnet. Am 10. September berichtete der deutsche Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg an das Auswärtige Amt, Molotow habe ihm gegenüber erklärt, „daß die Sowjetregierung durch unerwartet schnelle deutsche militärische Erfolge völlig überrumpelt worden sei.“ Die Rote Armee benötige noch zwei bis drei Wochen Vorbereitung, bevor sie einmarschieren könne.
Als sich die polnische Regierung bei ihrer Flucht im östlichen Galizien befand, erreichte sie in der Nacht zum 17. September aus Moskau die Mitteilung, dass die Sowjetunion den polnischen Staat als „nicht mehr existent“ betrachte. Am 17. September begann die Rote Armee mit der Besetzung Ostpolens, das bis auf das Grenzschutzkorps militärisch entblößt war. Das Oberkommando des Heeres (OKH) begrüßte den sowjetischen Einmarsch als militärische Entlastung. Die polnische Regierung war auf den sowjetischen Einmarsch nicht vorbereitet gewesen und hatte dem Grenzschutzkorps für diesen Fall keine Instruktionen gegeben. In Tarnopol ("Ternopil"), Stanisławów ("Stanislau"), Łuck ("Luzk") und Równe ("Riwne") wurde die Rote Armee deshalb von den kommunalen Behörden in völliger Verkennung der Lage freundlich begrüßt. In anderen Gebieten kam es zum Teil zu schweren Kämpfen zwischen den angreifenden sowjetischen Einheiten und polnischen Verbänden. Beim Ort Szack in Ostpolen gelang es polnischen Einheiten kurzfristig, regional und zeitlich begrenzt die militärische Initiative im Gegenangriff zurückzugewinnen (Schlacht bei Szack).
Die Kämpfe zwischen Wehrmacht und polnischer Armee konzentrierten sich nun auf das Gebiet zwischen Weichsel und Bug, wo die Reste des polnischen Heeres eingeschlossen waren. Südöstliche polnische Truppen, die sich nach Rumänien zurückziehen wollten, wurden in den Schlachten um Lemberg und Rawa Ruska aufgerieben. Mit der Niederlage des größten Teils der übrigen polnischen Streitkräfte in der "Schlacht bei Lublin" am 23. September endete der organisierte Widerstand der polnischen Armee.
Nachdem der Raum Warschau/Modlin seit dem 15. September weitgehend eingeschlossen war, stießen am 22. September deutsche Truppen nördlich von Warschau von Osten her an die Weichsel vor. Damit war der große Warschauer Kessel in zwei Teile gespalten, einen Warschauer und einen Modliner Kessel. Aus dem Kessel von Kutno entkommene polnische Armeereste versuchten sich noch bis zum 20. September in Richtung des Warschauer Kessels durchzuschlagen (Schlacht in der Kampinos-Heide). Der polnische Oberkommandierende Marschall Rydz-Śmigły folgte am 27. September 1939 seiner Regierung ins rumänische Exil.
Die Schlacht um Warschau endete am 28. September 1939, nach heftigem zweitägigen Dauerbombardement mithilfe der Artillerie und Luftwaffe, mit der Kapitulation der rund 120.000 im Kessel eingeschlossenen polnischen Soldaten. Dabei wurden, nach polnischen Angaben, bis zu 26.000 Zivilisten getötet. Die Kämpfe um den Kessel von Modlin endeten einen Tag später.
Am 28. September schlossen Ribbentrop und Molotow in Moskau den Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag, in dessen geheimen Zusatzprotokollen die genaue Demarkationslinie festgelegt und der Austausch von Bevölkerungsgruppen vereinbart wurde.
Am 1. Oktober kapitulierte die Besatzung der polnischen Festung auf der Halbinsel Hela. Polens letzte Feldtruppen kapitulierten am 6. Oktober nach der Schlacht bei Kock. Dies gilt als Ende des Polenfeldzuges. Nur Bruchteile der polnischen Armee entgingen der deutschen bzw. sowjetischen Gefangenschaft durch einen Übertritt nach Rumänien, Ungarn und Litauen. Zu einer Gesamtkapitulation der polnischen Streitkräfte oder zum Ersuchen eines Waffenstillstandes durch die polnische Regierung war es nicht gekommen.
Im Gegensatz zu den Landstreitkräften war die polnische Marine der deutschen Kriegsmarine auch zahlenmäßig stark unterlegen (→ Kräfteverhältnis der Seestreitkräfte zu Beginn des Krieges). Das polnische Marineoberkommando unter Konteradmiral Józef Unrug erkannte diese Tatsache an und evakuierte im Rahmen der Operation Peking schon Ende August drei Zerstörer nach Großbritannien.
Zu ersten Kampfhandlungen kam es am 1. September, als deutsche Stuka die verbliebenen beiden großen polnischen Einheiten "ORP Gryf" und "ORP Wicher" in der Danziger Bucht angriffen. Das erste Seegefecht fand am 3. September vor Hel statt. Die Kriegsmarine musste dabei die beiden eingesetzten Zerstörer "Z 1 Leberecht Maass" und "Z 9 Wolfgang Zenker" zurückziehen, nachdem "Z 1" durch einen Artillerietreffer einer Küstenbatterie beschädigt worden war. Am selben Tag wurden die Reste der polnischen Überwasserstreitkräfte im Hafen von Hel mehrfach bombardiert und vernichtet.
Alle fünf polnischen U-Boote sollten ursprünglich die polnische Ostseeküste verteidigen („Plan Worek“) und konnten später entkommen. Sie erzielten aber keine Kampferfolge gegen feindliche Schiffe – abgesehen vom deutschen Minensucher "M 85", der auf eine vom U-Boot "ORP Żbik" verlegte Seemine lief. Die zwei U-Boote "ORP Wilk" und "ORP Orzeł" konnten sich nach Großbritannien absetzen. Die restlichen drei U-Boote ließen sich in Schweden internieren. Die Marinebasis auf der Halbinsel Hel verteidigte sich noch bis zum 1. Oktober und fiel als eine der letzten polnischen Stellungen.
Die deutsche Luftwaffe zerschlug in den ersten zwei Tagen des Feldzugs die Bodenorganisation der polnischen Luftstreitkräfte. Sie vermochte aber nicht, wie geplant die polnische Luftwaffe am Boden zu zerstören, da ein Großteil von deren Flugzeugen auf getarnte Ausweichflugplätze verlegt worden waren. Dennoch errang sie in den ersten Tagen des Feldzugs aufgrund überlegener Ausstattung und numerischer Überzahl die Luftherrschaft. Sie riegelte die Gefechtsräume durch Angriffe auf Verkehrswege und Nachschubziele weiträumig ab. Schlachtflieger und Sturzkampfflieger bekämpften an neuralgischen Punkten die polnischen Bodentruppen und verhalfen so dem Heer zum Durchbruch. Polnischen Flugzeugen gelang es trotz der deutschen Luftüberlegenheit, knapp 130 Flugzeuge des Gegners abzuschießen. Insgesamt gingen in dem Feldzug rund 280 Flugzeuge der Luftwaffe verloren.
Ständige Luftangriffe (insgesamt fast 5.000 Luft-Boden-Einsätze in den ersten fünf Tagen) verursachten bei den polnischen Truppen ein Gefühl der Unterlegenheit und Chancenlosigkeit. Sie behinderten die Heranführung von Nachschub beziehungsweise das Zusammenziehen von Verbänden erheblich (diese waren deshalb nur bei Nacht möglich); auch störten sie viele polnische Kommunikationslinien. Nach Abschluss der Kämpfe ergaben Analysen, dass die tatsächlichen physischen Erfolge der Luftwaffe im Polenfeldzug quantitativ weit weniger bedeutend waren als zunächst angenommen.
Wie viele polnische Zivilisten der deutsche Angriffskrieg das Leben kostete, ist unbekannt. Geschätzt werden 66.000 bis 100.000 gefallene und etwa 133.000 verwundete polnische Soldaten. Mehr als 400.000 polnische Soldaten, darunter etwa 16.000 Offiziere, gerieten in deutsche Gefangenschaft. Dazu kamen noch etwa 200.000 als „verdächtige Elemente“ gefangengenommene Zivilisten. Etwa 61.000 Juden wurden umgehend von den übrigen polnischen Kriegsgefangenen getrennt und schlechter behandelt. Etwa 100.000 polnischen Soldaten gelang die Flucht ins Ausland.
Auch für die deutschen Verluste gibt es keine endgültigen Angaben. In einer ersten Verlautbarung sprach das OKH zunächst von 10.572 Gefallenen, 3.409 Vermissten und 30.322 Verwundeten. Von diesen entfielen 734 Soldaten auf die Luftwaffe. Diese Angaben basierten in erster Linie auf den Daten der Sanitätsinspektion, die während des Feldzuges 10.244 gefallene Soldaten und 593 gefallene Offiziere registriert hatte. Dies unterschied sich schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von den Eintragungen in den Kriegstagebüchern der Truppenteile, deren Verlustlisten 14.188 Soldaten und 759 Offiziere umfassten. Die Wehrersatzdienststelle bzw. die Abteilung Wehrmachtverlustwesen errechneten bis 1944 sogar einen Gesamtverlust von 15.450 Soldaten und 819 Offizieren, betonten jedoch, dass die Recherchen noch nicht vollständig abgeschlossen seien. Diese Erhöhung der Verlustangaben erklärt sich wahrscheinlich daraus, dass Vermisste inzwischen als Gefallene galten und Verwundete gestorben waren.
Nach Angaben von Norman Davies (2006) soll die polnische Abwehr der Wehrmacht über 50.000 Tote eingebracht haben, die New York Times vermeldete am 28. September 1939, laut polnischen Angaben betrügen die deutschen Verluste 90.000 Gefallene, 400 Panzer und 500 Flugzeuge.
Die materiellen Verluste der Wehrmacht waren beträchtlich. So meldeten die meisten Divisionen den Ausfall von bis zu 50 Prozent ihres Fahrzeugbestandes, mehrheitlich aufgrund von Verschleiß im unwegsamen polnischen Gelände. Die motorisierten Divisionen waren zum Teil erst im Frühjahr 1940 wieder voll einsatzbereit. Rund 285 Flugzeuge, darunter 109 Kampf- und Sturzkampfflugzeuge („Stukas“), gingen verloren.
Noch während des Polenfeldzugs begann das NS-Regime mit gezielten Massenerschießungen polnischer Zivilisten. Fünf der sechs dazu von Heinrich Himmler aufgestellten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD begleiteten die fünf Armeen der Wehrmacht, die sechste Gruppe war in Posen tätig. Ihr Auftrag war die „Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlichen Elemente rückwärts der fechtenden Truppe“ und die weitgehende „Vernichtung der polnischen Intelligenz“. Nach insgeheim vorbereiteten Fahndungslisten (Sonderfahndungsbuch Polen) ermordeten sie bis Ende 1939 etwa 60.000 polnische Staatsbürger: darunter Lehrer, Ärzte, Juristen, Professoren, katholische Priester und Bischöfe sowie Vertreter von Parteien und Gewerkschaften der polnischen Arbeiterbewegung.
Diesen Massakern fielen auch etwa 7000 polnische Juden zum Opfer. Sie wurden nicht nur als Angehörige polnischer Eliten, sondern auch wahllos ermordet, um die Überlebenden in den sowjetischen Machtbereich zu vertreiben. Weniger bekannt sind Morde an Patienten psychiatrischer Einrichtungen, erstmals in Kocborowo am 22. September. Sie gelten als Vorlauf der in Deutschland im Januar 1940 begonnenen Euthanasie-Morde. Zudem verübte der „Volksdeutsche Selbstschutz“, eine später zur SS gehörende, überwiegend aus in Polen lebenden Deutschen bestehende Miliz, Massenmorde an Polen als „Abrechnung“ für polnische Vorkriegsangriffe auf „Volksdeutsche“. Daran waren Angehörige der Wehrmacht, der Danziger Heimwehr, des SD und der SS beteiligt. Insgesamt wurden nach polnischen, meist auf Augenzeugenberichten beruhenden Ermittlungen im September und Oktober 1939 in Polen bei 714 Aktionen 16.376 Menschen erschossen.
Das Zusammenwirken der Tätergruppen war zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht zentral gelenkt und aufeinander abgestimmt, aber ideologisch gewollt und im nationalsozialistischen Weltbild angelegt. Noch vor Kriegsbeginn hatte Hitler seinen Heerführern signalisiert, dass er die „physische Vernichtung“ der polnischen Bevölkerung anstrebte und Zehntausende Vertreter der geistigen, gesellschaftlichen und politischen Elite Polens ermorden lassen wollte. Die deutschen Soldaten wurden indoktriniert, die polnische Zivilbevölkerung als „Untermenschen“ anzusehen und Juden als östliche Barbaren. Hitler wollte die eroberten polnischen Gebiete so schnell wie möglich „germanisieren“ und dabei „rassisch wertvolle“ Polen assimilieren. Die slawischen Polen sollten hingegen im Generalgouvernement zusammengefasst und mit strenger rassischer Abgrenzung ungebildete Zwangsarbeiter für die Deutschen werden.
Soldaten der Wehrmacht führten während des Polenfeldzuges etwa 60 Prozent der Massenmorde an polnischen Zivilisten aus. Abseits der Kampfhandlungen wurden mehr als 3.000 polnische Soldaten von deutschen Soldaten ermordet, etwa beim Massaker von Ciepielów. Nach vielen Berichten wurden vor allem jüdische Soldaten direkt nach ihrer Gefangennahme ausgesondert und an Ort und Stelle ermordet oder in den Kriegsgefangenenlagern gemäß eines Befehls des OKW vom 16. Februar 1939 systematisch ausgesondert und schlechter behandelt. In Wolhynien misshandelte die Wehrmacht im September 1939 Juden und steckte Synagogen in Brand. Dies waren Kriegsverbrechen nach dem damals gültigen Kriegsvölkerrecht, das Deutschland 1934 mit der Unterzeichnung der Genfer Kriegsgefangenenkonvention vom 27. Juli 1929 anerkannt hatte.
Obwohl am 5. September 1939 im Reich eine scharfe Strafverordnung gegen „vorsätzliche Ausnutzung der durch den Kriegsverlauf verursachten außergewöhnlichen Verhältnisse“ erlassen worden war, begingen Angehörige der Wehrmacht massenhaft Plünderungen und auch einige Vergewaltigungen. Für Jochen Böhler war dies „zugleich Ausdruck einer tiefen Verachtung für die slawische Bevölkerung und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden, das man verursachte.“
Laut dem US-Historiker Alfred de Zayas erschossen auch Polen deutsche Kriegsgefangene, in absoluten Zahlen jedoch weit weniger als es die Wehrmacht ihrerseits tat. Zayas stützt sich auf Akten der Wehrmacht-Untersuchungsstelle, deren unkritische Verwendung Historiker des Bundesarchivs kritisierten.
Polen ermordeten nach Kriegsbeginn außerdem mindestens 5.437 Angehörige der deutschen Minderheit. Die NS-Propaganda verzehnfachte diese Zahl und behauptete 58.000 deutsche Opfer. Darin eingeschlossen waren die beim „Bromberger Blutsonntag“ am 3. September Ermordeten: Realistische Schätzungen reichen von 300 bis zu 1.500 deutschen Opfern. Als Vergeltung dafür ermordete die Einsatzgruppe IV zwischen dem 7. und 12. September in Bromberg nach Augenzeugenberichten 1.306 Polen – Geistliche, Juden, Frauen und Jugendliche. Weitere Morde und Besatzungsverbrechen an zehntausenden Polen in Brombergs Umgebung wurden ebenfalls mit der polnischen Tat gerechtfertigt.
Einige deutsche Heeresgeneräle protestierten gegen die „Verwilderung“, und Kriegsgerichte leiteten einige Untersuchungsverfahren wegen Morden an Juden und Polen ein. Doch Hitler erklärte im September, er könne nicht mit „Heilsarmee-Methoden“ Krieg führen. Am 4. Oktober 1939 ließ er zusammen mit Keitel und Freisler die Verfahren durch den Gnadenerlass nach dem Polenfeldzug einstellen und amnestierte die Täter.
Viele Kriegstagebücher deutscher Soldaten berichten über Aktivitäten von „Banden“ und „Freischärlern“, die deutsche Trossabteilungen überfallen hätten. Dies waren jedoch oft versprengte reguläre Einheiten der polnischen Armee, die schnell vorrückende Wehrmachteinheiten von ihren Verbänden abgeschnitten hatten. Viele Morde an polnischen Zivilisten wurden als Teil von Partisanenbekämpfung ausgegeben.
Weitere Kriegsverbrechen im Sinne des damaligen Völkerrechts waren die Bombardements unverteidigter polnischer Städte und der Einsatz chemischer Massenvernichtungsmittel. Laut britischen Zeitungsberichten und Angaben des polnischen Informationsbüros in London soll die deutsche Luftwaffe am 3. September 1939 mit Giftgas gefüllte Bomben auf die Warschauer Vorstadt abgeworfen haben. Opfer wurden nicht genannt. Am 8. September 1939 wurden bei Jasło 14 deutsche Soldaten bei der Beseitigung einer polnischen Brückensperre mit Senfgas (Lost) vergiftet, zwei davon starben.
Am 8. Oktober teilten das Deutsche Reich und die Sowjetunion im Abkommen von Brest-Litowsk das polnische Gebiet durch eine Demarkationslinie unter sich auf. Die bis zu dieser Linie eroberten Gebiete Ost- und Südpolens wurden deutsches Generalgouvernement, die in Versailles 1919 aberkannten ehemaligen deutschen Ostgebiete und große Teile Mittelpolens wurden im Sinne der von Hitler angestrebten „Arrondierung“ annektiert. Damit war die sowjetische Seite einverstanden.
Mit der Abschaffung aller bestehenden polnischen Verwaltungsbehörden, Bezirksregierungen, politischen Organisationen und Errichtung neuer Verwaltungsbezirke, für die Hitler dem OKH unterstellte Verwaltungschefs ernannte, löste das Besatzungsregime den Nationalstaat Polen komplett auf. Dabei überließ es die Exekutive im Generalgouvernement formal der Heeresführung, deren Truppen sie sicherten. Faktisch aber war der Chef des Generalstabs fast nur mit der Operationsführung beschäftigt, während die Verwaltung von Berlin aus, großenteils mit einfachen Verordnungen, gelenkt wurde.
Die deutsche Besatzungspolitik zielte auf möglichst rasche „Germanisierung“. Etwa 200.000 Juden flohen vor den Deutschen in das sowjetisch besetzte Ostpolen, was deren Zahl dort von 1,2 auf 1,4 Millionen erhöhte. Bis Ende 1939 wurden etwa 90.000 Juden und Polen aus den annektierten Gebieten in das Generalgouvernement vertrieben, bis 1945 insgesamt 900.000. Die übrigen Juden wurden im Holocaust ermordet. An ihrer Stelle wurden insgesamt etwa 400.000 Reichsdeutsche aus dem „Altreich“ und 600.000 Volksdeutsche aus ganz Osteuropa im besetzten Polen angesiedelt. Diese Gewaltmaßnahmen waren wiederum vielerorts von willkürlichen Massenerschießungen begleitet.
Insgesamt flohen rund 140.000 polnische Militärangehörige nach Rumänien, Ungarn oder Litauen, wo sie jedoch auf deutschen Druck hin vielfach interniert wurden. In Rumänien wurde die polnische Regierung nach ihrer Flucht am 17. September 1939 interniert. Daraufhin trat Staatspräsident Ignacy Mościcki zurück. Sein Amt übernahm der im französischen Exil lebende Władysław Raczkiewicz, der im folgenden Jahr einen Nationalrat anstelle des aufgelösten Sejm bildete und eine neue Truppe aufstellen ließ. Vielen geflohenen Polen gelang es in der Folgezeit, weiter nach Frankreich zu fliehen und die Exil-Armee zu verstärken. Die von Polens Exilregierung aufgestellten Truppenverbände nahmen an allen wichtigen Operationen des Zweiten Weltkrieges teil.
Infolge ihrer brutalen Unterdrückungspolitik bildete sich auch in Polen selbst ein breiter Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht. Ein regelrechter „Untergrundstaat“ wurde geschaffen, der mit geheim hergestellter Presse und einem konspirativen System für höhere Bildung der rassistischen Besatzungspolitik der Deutschen entgegentrat. Die militärischen Bemühungen des polnischen Widerstandes gipfelten 1944 unter der Ägide der Exilregierung im Versuch, die Hauptstadt Warschau noch vor den heranrückenden sowjetischen Truppen durch polnische Kräfte zu befreien. Dieser Warschauer Aufstand vom 1. August endete kurz nach einem am 1. Oktober vereinbarten Waffenstillstand. Es folgte die Deportation der noch lebenden Bevölkerung und die weitgehende Zerstörung der Stadt durch die deutsche Wehrmacht.
Ein Teil der Kriegsgefangenen von 1939, die die sowjetischen Gulags überlebten, bildete 1941 während der zeitweiligen Zusammenarbeit mit Josef Stalin, die auf Drängen Großbritanniens zustande kam, die Armee des Generals Władysław Anders. Auf dem Umweg über Persien und Palästina nahm diese Armee den Kampf gegen die Deutschen wieder auf. Sie wurde in Nordafrika und in Italien eingesetzt. Weitere Polen wurden ab 1943 in die von den Sowjets aufgestellte Armee des Generals Zygmunt Berling integriert und kämpften ab 1944 an der Ostfront.
Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vom 15. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 wurde der Polenfeldzug wegen der Anklagepunkte 1) Verschwörung gegen den Weltfrieden und 2) Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges berücksichtigt. Die Angeklagten Karl Dönitz (2), Wilhelm Frick (2), Walter Funk (2), Hermann Göring (1+2), Rudolf Heß (1+2), Alfred Jodl (1+2), Wilhelm Keitel (1+2), Konstantin von Neurath (1+2), Erich Raeder (1+2), Joachim von Ribbentrop (1+2), Alfred Rosenberg (1+2) und Arthur Seyß-Inquart (2) wurden verurteilt.