Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (* um 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova; auch "Thomas Aquinas" oder "der Aquinat"; ) war Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte. Er gehört zu den bedeutendsten Kirchenlehrern der römisch-katholischen Kirche und ist als solcher unter verschiedenen Beinamen wie etwa "Doctor Angelicus" bekannt. Seiner Wirkungsgeschichte in der Philosophie des hohen Mittelalters nach zählt er zu den Hauptvertretern der Scholastik. Er hinterließ ein sehr umfangreiches Werk, das etwa im Neuthomismus und der Neuscholastik bis in die heutige Zeit nachwirkt. In der römisch-katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt.
Thomas von Aquin, auch „der Aquinat“ bzw. nur „Thomas“ genannt, wurde kurz vor oder kurz nach Neujahr 1225 im Schloss Roccasecca, von Aquino 9 km entfernt, als siebtes Kind des Grafen Landulf von Aquino und Donna Theodora, Gräfin von Teate, geboren. Mit fünf Jahren wurde er als Oblate in das Benediktinerkloster Montecassino geschickt, wo Sinibald, der Bruder seines Vaters, als Abt wirkte. Thomas’ Familie folgte damit der Tradition, den jüngsten Sohn der Familie in ein geistliches Amt zu geben. Es lag im Interesse der Familie, dass Thomas seinem Onkel nachfolgte. Von 1239 bis 1244 studierte er im "Studium Generale" der Universität Neapel. 1244 trat er gegen den Willen seiner Verwandten bei den Dominikanern ein, die 1215 als Bettelorden gegründet worden waren. Um Thomas dem Einfluss seiner Eltern zu entziehen, sandte der Orden ihn zunächst nach Rom und dann nach Bologna. Auf dem Weg dorthin wurde er jedoch von seinen im Auftrag der Mutter handelnden Brüdern überfallen und für kurze Zeit auf die Burg Monte San Giovanni Campano und anschließend nach Roccasecca gebracht. Von Mai 1244 bis Herbst 1245 hielt ihn seine Familie fest. Da Thomas fest in seinem Entschluss blieb, Dominikaner zu bleiben, gab die Familie nach und ließ ihn in den Dominikanerkonvent von Neapel zurückkehren.
An der Universität Paris studierte er von 1245 bis 1248 bei Albertus Magnus, dem er dann nach Köln folgte. Von 1248 bis 1252 war er dort Student und Assistent des Albertus. Ab 1252 war er wieder in Paris, wo er von 1252 bis 1256 als "Sentenzenbakkalareus" erste eigene Lehrveranstaltungen über die "Sentenzen" des Petrus Lombardus hielt. Von 1256 bis 1259 lehrte er in Paris als Magister der Theologie. 1259 kehrte er nach Italien zurück und lehrte zunächst in Neapel (was allerdings nicht gesichert ist) und dann 1261 bis 1265 als Konventslektor des Dominikanerkonvents in Orvieto. Von 1265 bis 1268 war er Magister in Rom, wo er mit der Abfassung der "Summa Theologiae" begann. Von 1268 bis 1272 lehrte er zum zweiten Mal als Magister in Paris. In dieser Zeit entstanden besonders viele seiner Schriften, unter anderem der größte Teil der "Summa Theologiae" und die meisten seiner Aristoteles-Kommentare. Im Frühjahr 1272 verließ er Paris. Von Mitte 1272 bis Ende 1273 unterrichtete er als Magister in Neapel.
Der schier unglaublichen Menge seiner Schriften nach zu urteilen liegt es nahe, dem Zeugnis seines Hauptsekretärs zu glauben: Demnach hat der Aquinat drei oder vier Sekretären gleichzeitig diktiert.
Thomas starb am 7. März 1274 auf der Reise zum Zweiten Konzil von Lyon im Kloster Fossanova. Dante deutet an, dass Karl I. von Anjou für seinen Tod verantwortlich gewesen sei. Villani (IX 218) teilt ein Gerücht mit („si dice“: „man sagt“), dem zufolge Thomas von einem Arzt des Königs mit vergiftetem Konfekt ermordet wurde. Nach dieser Darstellung handelte der Arzt zwar nicht im Auftrag des Königs, aber in der Absicht, ihm einen Gefallen zu erweisen, weil er befürchtete, dass ein Mitglied aus dem Geschlecht der gegen Karl rebellierenden Grafen von Aquino in den Kardinalsrang erhoben werden sollte. In unterschiedlichen Versionen, die meist Karl die Verantwortung zuschreiben, wurde das Gerücht vom Giftmord auch in den frühen lateinischen und volkssprachlichen Dantekommentaren kolportiert, die in der Zeit nach Dantes Tod entstanden. Tolomeo da Lucca, ein ehemaliger Schüler und Beichtvater des Aquinaten, spricht in seiner "Historia ecclesiastica" nur von einer schweren Erkrankung auf der Reise bei der Ankunft in Kampanien, bietet jedoch keinen Hinweis auf eine unnatürliche Todesursache.
Papst Johannes XXII. sprach Thomas 1323 heilig. 1567 wurde er in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben. Seine Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt, wo sie seit 1974 wieder in der Kirche des Dominikanerklosters "Les Jacobins" ruhen. Von 1792 bis 1974 waren sie in der Basilika Saint-Sernin bestattet.
Die Argumentationen des Aquinaten stützen sich zu einem großen Teil auf die sich im Hochmittelalter wieder ausbreitenden Gedanken des Aristoteles, die er – selbst Schüler des Begründers der mittelalterlichen Aristotelik, Albertus Magnus, – in seinem universitären Wirken weitergibt und in seinen Werken mit der christlichen Theologie verbindet. So identifiziert er den Unbewegten Beweger aus der Physik des Aristoteles mit dem christlichen Gott. Gleichwohl arbeitet er in seiner Gotteslehre die Bedeutung der Offenbarung heraus, die für philosophische Überlegungen allein unerreichbar bleibe.
Thomas von Aquin und Albertus Magnus waren nicht die ersten katholischen Aristoteliker. Schon der Kirchenvater Johann Damaszenus begründete seine Dogmatik ausdrücklich mit Aristoteles und seiner Methode; dies geschah 100 Jahre vor der ersten arabischen Aristotelesübersetzung. Papst Eugen III. ließ die Werke von Damaszenus ins Lateinische übersetzen. Struktur und Inhalt der damaszenischen Dogmatik sind – neben anderen Werken wie dem des Hilarius – auch Grundlage für die Zusammenstellung autoritativer Lehraussagen durch Petrus Lombardus. Dessen sog. "libri sententiarum" wurden dem theologischen Grundstudium zugrunde gelegt und durch den Magister kommentiert; viele hunderte dieser "Sentenzenkommentare" zum Werk des Lombarden sind erhalten, darunter auch derjenige des Thomas. Auch in der thomasischen Summe der Theologie wird Damaszenus sehr häufig zitiert.
Thomas von Aquin zitiert zudem häufig die Schrift "De natura hominis" ("Über die Natur des Menschen") des Bischofs Nemesius, welche er, dem Übersetzer Burgundio von Pisa (1110–1193) folgend, für ein Werk des Kirchenvaters Gregor von Nyssa hält.
Ein Kernelement der thomistischen Ontologie ist die Lehre von der Analogia entis. Sie besagt, dass der Begriff des Seins nicht eindeutig, sondern analog ist, also das Wort „Sein“ einen unterschiedlichen Sinn besitzt, je nachdem, auf welche Gegenstände es bezogen wird. Danach hat alles, was ist, das Sein und ist durch das Sein, aber es hat das Sein in verschiedener Weise. In höchster und eigentlicher Weise kommt es nur Gott zu: Nur er "ist" Sein. Alles andere Sein hat nur Teil am Sein und zwar entsprechend seinem Wesen. In allen geschaffenen Dingen muss also "Wesen" ("essentia") und "Existenz" ("esse") unterschieden werden; einzig bei Gott fallen diese zusammen.
Auch die Unterscheidung von "Substanz" und "Akzidenz" ist für das System des Thomas bedeutend. Er folgt dabei der aristotelischen Lehre, wonach dem Akzidens kein eigenes Sein zukommt, sondern nur ein Sein an der Substanz. Hierzu findet sich bei zahlreichen Scholastikern die Wendung „accidens (…) non est ens, sed entis“. Viele Kompendien zur thomasischen Summe der Theologie führen in ihrem Index ebenfalls diese Wendung und verweisen auf ähnlich lautende Stellen im thomasischen Werk. Thomas nennt allerdings durchaus Akzidentien "ens" (secundum quid), auch wenn "ens" im Vollsinn und am Treffendsten die Substanz beschreibt.
Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die von "Materie" und "Form". Einzeldinge entstehen dadurch, dass die Materie durch die Form bestimmt wird (siehe Hylemorphismus). Die Grundformen "Raum" und "Zeit" haften untrennbar an der Materie. Die höchste Form ist Gott als Verursacher ("causa efficiens") und als Endzweck ("causa finalis") der Welt. Die ungeformte Urmaterie, d. h. der erste Stoff, ist die "materia prima".
Um die mit dem Werden der Dinge zusammenhängenden Probleme zu lösen, greift Thomas auf die von Aristoteles geprägten Begriffe Akt und Potenz zurück. Weil es in Gott keine (substanzielle) Veränderung gibt, ist er actus purus, also reine Wirklichkeit.
Zu den besonders bedeutenden Aussagen der thomistischen Erkenntnistheorie gehört ihre Wahrheitsdefinition der "adaequatio rei et intellectus", d. h. der Übereinstimmung von Gegenstand und Verstand.
Thomas unterscheidet zwischen dem „tätigen Verstand“ ("intellectus agens") und dem „rezeptiven oder möglichen Verstand“ ("intellectus possibilis"). Der tätige Verstand zeichnet sich vor allem durch die Fähigkeit aus, aus Sinneserfahrungen (sowie bereits geistig Erkanntem) universale Ideen bzw. allgemeingültige (Wesens-)Erkenntnisse zu abstrahieren. Dagegen ist es der rezeptive Verstand, der diese Erkenntnisse aufnimmt und speichert.
Hintergrund ist die auf Platon zurückgehende Ideenlehre, der zufolge die sinnlich wahrnehmbaren Einzeldinge ihre Existenz und ihr Wesen den Ideen ("ideae") verdanken, durch die sie bestimmt werden. Dieser Hintergrund ist aber kaum mehr sichtbar. Während Thomas an Aristoteles wenig Kritik übt, zitiert er Platon ausschließlich, um ihn zu kritisieren. Selbst zu dem sonst von ihm hochgeschätzten Kirchenvater Augustinus zeigt Thomas Distanz, insoweit dieser „platonismo imbutus“ („vom Platonismus benetzt“) ist.
Die Erkenntnislehre des Thomas von Aquin unterscheidet sich fundamental von der Platons. Für Platon ist die Welt der sinnlich wahrnehmbaren Objekte nur ein sehr unvollkommenes Abbild der eigentlichen Realität hinter den Dingen, was er in seinem Höhlengleichnis veranschaulicht. Für Aristoteles und Thomas ist aber die physische Existenz eine Vollkommenheit und nicht bloßes Abbild von etwas Höherem. Daraus ergibt sich, dass sich die platonische Ideenlehre, wenn überhaupt, nur sehr beschränkt auf die thomistische Erkenntnislehre anwenden lässt.
Der tätige Verstand kann durch Abstraktion (wörtl.: das Abziehen) der Formen ("formae") aus den einzelbestimmten Dingen, deren Wesen- bzw. „Was“-heit („quidditas“) sowie in weiteren Schritten die Akzidenzien erkennen. Als letzte bzw. erste Ursache des Seins und Soseins der Dinge erkennt der menschliche Geist Gott (siehe unten), in dessen Geist die ewigen Ideen die Vorbilder für die Formen ("formae") der Dinge sind.
Thomas’ Anthropologie weist dem Menschen als leib-geistiges Vernunftwesen einen Platz zwischen den Engeln und den Tieren zu. Gestützt auf Aristoteles’ "De Anima" zeigt Thomas, dass die Seele den Geist als Kraft besitzt, oder besser gesagt, dass das Erkennen die Form der Seele ist ("scientia forma animae"), während die Seele wiederum die Form des Leibes ist: Dies zeigt sich in der Formulierung "anima forma corporis". Weil der Geist („intellectus“) eine einfache, also nicht zusammengesetzte Substanz ist, kann er auch nicht zerstört werden und ist somit unsterblich. Der Geist kann auch nach der Trennung vom Leib seinen Haupttätigkeiten, dem Denken und Wollen, nachkommen. Die nach der Auferstehung zu erwartende Wiedervereinigung mit einem Leib kann zwar nicht philosophisch, wohl aber theologisch erwiesen werden.
In der Ethik verbindet Thomas die aristotelische Tugendlehre mit christlich-augustinischen Erkenntnissen. Die Tugenden bestehen demnach im rechten Maß bzw. dem Ausgleich vernunftwidriger Gegensätze. Das ethische Verhalten zeichnet sich durch das Einhalten der Vernunftordnung aus (Naturrecht) und entspricht damit auch dem göttlichen Gesetzeswillen. Als Kardinaltugenden werden von Thomas prudentia (Klugheit), iustitia (Gerechtigkeit), temperantia (Mäßigung) und fortitudo (Tapferkeit) bezeichnet. Unabhängig davon zu sehen seien die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. (Für Glaube, Hoffnung und Liebe ist der Oberbegriff "christliche Tugenden" zwar gebräuchlich, aber richtiger sind es die "göttlichen" Tugenden, nicht in dem Sinn, als seien sie Tugenden Gottes, sondern dies meint, dass Gott das "Objekt" dieser Tugenden ist: Glaube "an" Gott, Hoffnung "auf" Gott, Liebe "zu" Gott.)
Das höchste Gut ist die ewige Glückseligkeit, die – im jenseitigen Leben – durch die unmittelbare Anschauung Gottes erreicht werden kann. Es zeigt sich daran der Primat der Erkenntnis vor dem Wollen.
Thomas von Aquin war einer der einflussreichsten Theoretiker für das mittelalterliche Staatsdenken. Dabei sah er den Menschen als ein soziales Wesen, das in einer Gemeinschaft leben muss. In dieser Gemeinschaft tauscht er sich mit seinen Artgenossen aus, und es kommt zu einer Arbeitsteilung.
Für den Staat empfiehlt er die Monarchie als beste Regierungsform, denn ein Alleinherrscher, der mit sich selbst eins ist, kann mehr Einheit bewirken als eine aristokratische Elite. Hier müssen sich mehrere einigen, was immer nur zu einem Kompromiss, also einer Angleichung, einer Anpassung, einer Aufgabe seiner eigenen Meinung und Überzeugung führt. Außerdem ist immer dasjenige am besten, was der Natur entspricht, und in der Natur haben alle Dinge nur "ein" Höchstes.
Thomas stellt der Monarchie als der besten die Tyrannis als die schlechteste aller denkbaren Regierungsformen gegenüber. Dabei merkt er an, dass aus der Aristokratie leichter eine Tyrannis entstehen kann als aus einer Monarchie.
Um die Tyrannei zu verhindern, muss die Gewalt des Alleinherrschers eingeschränkt sein. Eine Tyrannei ist dennoch zunächst zu ertragen, da die Gefahr einer Verschlimmerung bestehe (z. B. durch Anomie) . Der Tyrannenmord ist laut der Lehre der Apostel keine Heldentat .
So schlussfolgert Thomas, dass es besser ist, gegen eine Bedrückung nur nach allgemeinem Beschluss vorzugehen.
Wie viele Staatsdenker des Mittelalters zieht auch Thomas von Aquin den organischen Vergleich zum Staatsgebilde heran. Hierbei sieht er den König, als Vertreter Gottes im Staat, analog der Vernunft bzw. Seele für den menschlichen Körper, dessen Glieder und Organe die Bevölkerung darstellen. Seine Erfüllung findet, angelehnt an Aristoteles, jedes einzelne Glied in der Tugendhaftigkeit.
Dennoch sieht Thomas das Priestertum über dem Königtum; der Papst als Oberhaupt der Kirche steht also in Glaubens- und Sittenfragen über dem König. Deshalb sind die weltlichen Herrscher verpflichtet, ihre Gesetze entsprechend den dogmatischen und ethischen Vorgaben der Kirche zu gestalten und durchzusetzen. Beispielsweise müssen sie die Todesstrafe für Menschen, die die Kirche wegen Häresie verurteilt hat, vollstrecken und gegen Gruppen von Häretikern wie die Albigenser oder Waldenser militärisch vorgehen. Die Trennung von Staat und Kirche ist von dieser Position aus nicht möglich.
Den Gedankengängen des Aristoteles folgend, legitimiert Thomas die Sklaverei aus dem Naturrecht als sittlich und rechtmäßig.
Thomas beansprucht, der Theologie den Charakter einer Wissenschaft zu geben (siehe unten). Dies wird kirchlicherseits als eines seiner wesentlichen Verdienste gesehen. Zur Klärung der Glaubensgeheimnisse zieht er dabei die natürliche Vernunft heran, insbesondere das philosophische Denken des Aristoteles. Thomas hat die Gegensätze aufgelöst, die zu seiner Zeit zwischen den Anhängern zweier Philosophen bestanden: denen des Augustinus (der das Prinzip des menschlichen Glaubens betont) und des wiederentdeckten Aristoteles (der von der Erfahrungswelt und der darauf aufbauenden Erkenntnis ausgeht). Thomas versucht zu zeigen, dass sich diese beiden Lehren nicht widersprechen, sondern ergänzen, dass also einiges nur durch Glauben und Offenbarung, anderes auch oder nur durch Vernunft erklärt werden kann. Vor allem in dieser Synthese der antiken Philosophie mit der christlichen Dogmatik, die gerade auch für die Moderne von unabschätzbarer Bedeutung sei, wird seine Leistung gesehen. Thomas konnte aber 1270 die Verurteilung des Aristotelismus durch den Bischof von Paris Étienne Tempier nicht verhindern.
Thomas von Aquin legte im Rahmen der Philosophischen bzw. Natürlichen Theologie Argumente dafür dar, dass der Glaube an die Existenz Gottes nicht vernunftwidrig ist, sich also Glaube und Vernunft nicht widersprechen. Seine "Quinque viae" („Fünf Wege“), dargestellt in seinem Hauptwerk, der "Summa Theologica" (auch "Summa Theologiae"), hat Thomas zunächst nicht als „Gottesbeweise“ bezeichnet, sie können jedoch als solche aufgefasst werden, da sie rationale Gründe für Gottes Existenz darlegen. Die Argumentationskette endet jeweils mit der Feststellung „das ist es, was alle Gott nennen.“
Prägend wurde Thomas‘ Theologie auch für die katholische Eucharistielehre. Er wandte die Begriffe der Substanz und der Akzidenzien auf das Geschehen in der heiligen Messe an: Während die Akzidenzien, d. h. die Eigenschaften von Brot und Wein erhalten bleiben, ändert bzw. verwandelt sich demnach die Substanz der eucharistischen Gaben in Leib und Blut des auferstandenen Christus, der ebenfalls aus Seele und Leib besteht (Transsubstantiation). Charakteristisch für die thomistische Eucharistielehre ist seine strenge Beobachtung metaphysischer Prinzipien. So lehnt er die Multilokation ab. Christus ist in den heiligen Gestalten an mehreren Orten präsent. Der Ort ist aber nicht der Ort Christi (sein Ort ist jetzt im Himmel). Die örtliche und zeitliche Bestimmung der heiligen Gestalten ist laut Thomas weiterhin die des ehemaligen Brotes oder Weines.
In seiner "Summa contra gentiles" geht Thomas u. a. auch auf die Hölle ein und übernimmt dabei die Sicht von Augustinus. Er verwirft die Apokatastasis:
Allerdings führt er eine neue Begründung für die angenommene Endlosigkeit und Grauenhaftigkeit solch einer Strafe ein, die aufgrund einer einzigen falschen Entscheidung über den Menschen kommen soll:
Er argumentiert auch, dass die Strafen, die die Gottlosen erleiden müssen, sowohl eine psychische oder seelische Seite (Gottesferne) als auch eine physische Seite (körperliche Schmerzen) haben, so dass die Gottlosen also zweifach gestraft seien.
Thomas ist in erster Linie wegen seiner Verdienste um die Theologie und die Philosophie in die Geschichte eingegangen. Darüber hinaus wird sein Werk aber auch wegen einer tiefen Frömmigkeit geschätzt.
Am Nikolaustag 1273 soll Thomas laut einem Bericht des Bartholomäus von Capua während einer Feier der heiligen Messe von etwas ihn zutiefst Berührendem betroffen worden sein und anschließend jegliche Arbeit an seinen Schriften eingestellt haben. Auf die Aufforderung zur Weiterarbeit soll er mit den Worten reagiert haben:
In der Hagiographie wird dieser Ausspruch als Reaktion auf eine Gotteserfahrung gedeutet.
Von ihm stammen unter anderem die Sequenz zu Fronleichnam "Lauda Sion" sowie die eucharistischen Hymnen "Pange Lingua", dessen letzten beiden Strophen als "Tantum ergo" oft selbständig gesungen werden, und "Adoro te devote". Er wurde mit der gesamten Verfassung des Fronleichnamsoffiziums (den Texten für Messe und Brevier) betraut.
Das "Tantum ergo" wird in der katholischen Kirche häufig bei der eucharistischen Anbetung gesungen.
Die Dreieinigkeit bzw. Dreifaltigkeit oder Trinität Gottes sieht Thomas zwar als ein Geheimnis (Mysterium), sie kann jedoch unter Zuhilfenahme der göttlichen, d. h. biblischen Offenbarung teilweise „verstanden“ werden. Demnach ist der eine Gott in drei Personen (Subsistenzen) die "eine" göttliche Natur und darum gleich ewig und allmächtig. Weder der Begriff der „Zeugung“ beim Sohn (Jesus) noch derjenige der „Hauchung“ beim Heiligen Geist darf Thomas zufolge im wörtlichen bzw. weltlichen Sinne verstanden werden. Vielmehr ist die zweite und dritte Person Gottes die ewige Selbsterkenntnis und Selbstbejahung der ersten Person Gottes, d. h. Gott Vaters. Weil bei Gott Erkenntnis bzw. Wille und (sein) Wesen mit seinem Sein zusammenfallen, ist seine vollkommene Selbsterkenntnis und Selbstliebe von seiner Natur, also göttlich.
Zu den heute schwer nachvollziehbaren Teilen von Thomas‘ Lehre gehört es, dass er neben der Exkommunikation die Hinrichtung von Häretikern für legitim gehalten hat, da er deren Vergehen im Vergleich zu Falschmünzern, welche damals dem Tode überliefert wurden, als schwerwiegender ansieht. (Falschmünzer-Vergleich) ("Summa theologiae", II-II, q. 11, art. 3). Mit dem Satz lieferte er den theoretischen Unterbau für die mittelalterliche Inquisition.
Auch war er gegen das Verleihen gegen Zins, musste jedoch im Laufe seiner ökonomischen Beschäftigung mit dem Thema von einem vollständigen Zinsverbot zurückstehen.
Thomas von Aquin wurde am 18. Juli 1323 von Papst Johannes XXII. heiliggesprochen. Sein Orden bemühte sich mit einigem Erfolg, seinen Lehren Verbindlichkeit zu schaffen. Die Schule von Salamanca machte seine Summa theologica zum Unterrichtsmaterial und sorgte für eine Thomas-Renaissance im 16. Jahrhundert. Sein Werk und seine Ideen wurden 1879 durch die Enzyklika "Aeterni Patris" von Papst Leo XIII. zur Grundlage der katholischen akademischen Ausbildung erhoben. Über Jahrzehnte stabilisierte diese Engführung die römisch-katholische Lehre. Auch das Zweite Vatikanische Konzil empfiehlt Thomas ausdrücklich als den Lehrer, nach dessen Lehre sich die Theologie sowie die Philosophie im Studium der zukünftigen Priester zu richten haben ("Optatam totius"). Die Enzyklika "Fides et ratio" von Papst Johannes Paul II. und das neue Kirchenrecht haben diese Empfehlung erneut bestätigt.
Schon um 1300 trat der Franziskaner Johannes Duns Scotus gegen Thomas auf und gründete die philosophisch-theologische Schule der Scotisten, mit der die Thomisten an den Universitäten in Fehde lebten. Thomas‘ Anhänger verteidigten die strenge Lehre des Augustinus von der Gnade und bestritten die Unbefleckte Empfängnis Mariens, der Mutter Jesu. In der Frage der Freiheit der Gottesmutter von Erbsünde hat sich die spätere Kirche von den Zweifeln, die in der thomistischen Schule häufig anzutreffen sind, abgegrenzt, wobei umstritten bleibt, inwieweit Thomas tatsächlich ein Gegner des Dogmas war.
Auch Ramon Llull hat sich gegen die thomististische Scholastik ausgesprochen und damit indirekt die jahrelange Indizierung der Werke und die Verfolgung der Lullisten bewirkt.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es einerseits ein verstärktes Interesse an der philosophiegeschichtlichen Erforschung der Werke des Thomas (z. B. Martin Grabmann), und andererseits wurde im Thomismus, Neuthomismus und der Neuscholastik auf Grundlage seines Werkes eine philosophische Weiterentwicklung vorgenommen (z. B. Konstantin von Schaezler). In neuerer Zeit hat Josef Pieper sowohl die Tugendlehre als auch die Philosophie und Theologie des Thomas in zahlreichen Büchern und Vorträgen behandelt. Karl Rahner interpretierte Thomas von Aquin auf dem Hintergrund seiner Transzendentaltheologie.
Im Gegensatz zu anderen großen Philosophen wie etwa Albertus Magnus, der verschiedene Ämter innehatte, gab sich Thomas ganz der Wissenschaft hin. Er schuf ein monumentales Werk, das in sechs Kategorien eingeteilt wird:
Die "Summa contra gentiles" und insbesondere die "Summa theologica" bilden einen Höhepunkt thomanischen Schaffens. Sein Werk wurde im 19. Jahrhundert von der römisch-katholischen Kirche zur Grundlage der christlichen Philosophie erklärt.
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