Noam Chomsky

Avram Noam Chomsky [] (* 7. Dezember 1928 in Philadelphia, Pennsylvania, USA) ist emeritierter Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der weltweit bekanntesten linken Intellektuellen und seit den 1960er Jahren einer der prominentesten Kritiker verschiedener Aspekte der US-amerikanischen Politik.
Chomsky ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Sprachwissenschaftler (Linguisten) der Gegenwart, der – durch die Verbindung der Wissenschaftsdisziplinen Linguistik, Kognitionswissenschaften und Informatik – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts starken Einfluss auf deren Entwicklung ausübte. Seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft sowie seine Modelle der generativen Transformationsgrammatik veränderten den bis dahin vorherrschenden US-amerikanischen Strukturalismus. Seine Kritik am Behaviorismus förderte den Aufstieg der Kognitionswissenschaft.
Chomsky war ab den 1960er und 1970er Jahren oft im politischen und wissenschaftlichen Diskurs öffentlich präsent. Zu seinen bedeutendsten medientheoretischen Arbeiten gehörte die Entwicklung der Theorie des "Propagandamodells" zusammen mit Edward S. Herman, das manipulative Einflüsse wirtschaftlicher Interessengruppen mit Hilfe der Massenmedien auf demokratische Gesellschaften erklärt. Seit Chomskys Kritik am Vietnamkrieg trat er immer wieder als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik in Erscheinung und wurde als Kapitalismus- und Globalisierungskritiker weltweit bekannt. Er bezeichnet sich als Libertären Sozialisten (synonym mit Anarchismus) mit Sympathien für den Anarchosyndikalismus und ist Mitglied der Industrial Workers of the World und der Internationalen Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft (IOPC).
Dem Arts and Humanities Citation Index von 1992 zufolge ist Chomsky im Zeitraum zwischen 1980 und 1992 die am häufigsten zitierte lebende Person der Welt gewesen.
Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) als Sohn jüdischer Eltern geboren; seine Mutter war Elsie Simonofsky, 
sein Vater war der Hebraist William Chomsky. Im Jahr 1945 begann er, an der University of Pennsylvania Philosophie und Linguistik zu studieren. Zu seinen Lehrern zählten der Sprachwissenschaftler Zellig S. Harris und der Philosoph Nelson Goodman. Chomskys anarchistische Überzeugungen bildeten sich schon in den 1940er Jahren heraus. Von Bedeutung war dabei die Auseinandersetzung mit dem Anarchismus in Spanien während des Bürgerkrieges.
Anfang der 1950er Jahre studierte Chomsky einige Jahre an der Harvard University. 1955 wurde er an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promoviert. Seine Dissertation "Transformational Analysis" war Teil eines groß angelegten Frühwerks, in welchem er bereits einige jener Ideen zu entwickeln begann, die er 1957 in seinem Buch "Syntactic Structures", einem der bekanntesten Werke der Linguistik, ausarbeitete.
Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, seit 1961 als ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären linguistischen Arbeiten weltweit anerkannt, seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.
Noam Chomsky war seit 1949 mit der Linguistin Carol Chomsky (1930–2008) verheiratet. Seine älteste Tochter ist die Lateinamerikawissenschaftlerin Aviva Chomsky. Chomsky ist in zweiter Ehe mit Valeria Wasserman verheiratet.
Noam Chomsky hat die Darstellung natürlicher Sprachen formalisiert: Die Neuerung war, die einzelsprachlichen Ausdrücke mit Hilfe einer Metasprache rekursiv zu definieren. Die aus der Metasprache abgeleiteten Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchie eingeteilt werden, die heute Chomsky-Hierarchie genannt wird. Seine Arbeit stellt einen Meilenstein für die Linguistik dar.
Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und im Compilerbau.
Zusammen mit den Arbeiten Alan Turings begründen sie einen eigenen Bereich in der Mathematik und machen strukturelle Bereiche und Formalismen natürlicher Sprachen einer mathematischen Betrachtung zugänglich, unter anderem mit dem Ergebnis, dass maschinelle Übersetzungen prinzipiell möglich sind.
Die mathematische Formalisierung natürlicher Sprachen legte Grundlagen für die Computerlinguistik und das Projekt maschineller Sprachübersetzung. Chomskys Theorien selbst gelangten dabei aber schnell in die Kritik, nachdem bewiesen wurde, dass die generative Transformationsgrammatik Turing-vollständig und damit nicht endlich bearbeitbar ist. Als Reaktion beschränkte Chomsky daraufhin die Eigenschaften seiner Grammatik durch sogenannte Barriers. Diese und spätere Grammatiktheorien, wie Government and Binding und Minimalistisches Programm sind allerdings nicht mathematisch formalisiert und spielen damit für die Computerlinguistik nur noch eine untergeordnete Rolle neben unifikationsbasierten Grammatiken wie die Lexikalisch-funktionale Grammatik (LFG) und die Head-driven Phrase Structure Grammar (HPSG).
Noam Chomsky ist seit 1965 ein führender linker Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik. Seine Vorträge werden nicht nur in Büchern, sondern einige auch auf CDs veröffentlicht, die beispielsweise auf dem Label "Alternative Tentacles" von Jello Biafra erscheinen.
Zusammen mit Edward S. Herman hat Chomsky im Propagandamodell zu erklären versucht, wie Massenmedien im kapitalistischen Umfeld die Berichterstattung so gestalten, dass die Interessen der Regierung und der Oberschicht gewahrt bleiben.
Chomskys erstes Buch "Syntactic Structures" ist ein gekürzter, umgearbeiteter Auszug aus einer bereits in den frühen 1950er Jahren während seiner Zeit in Harvard entstandenen, weit umfänglicheren Arbeit mit dem Titel "The Logical Structure of Linguistic Theory", in der er die Transformationsgrammatik einführte.
Noam Chomsky trat als Gegner der behavioristischen Theorie des Spracherwerbs auf (siehe das Poverty-of-the-Stimulus-Argument), welche annimmt, dass die Aneignung von Sprache ausschließlich über einen Lernprozess erfolgt. Im Gegensatz hierzu zeigte seine Theorie, dass man eine Sprache vermittels der Entfaltung angeborener Fähigkeiten erlernt. Diesen angeborenen Spracherwerbsmechanismus nennt er Language Acquisition Device (LAD), (siehe hierzu auch die Theorie von Ferdinand de Saussure mit dem Begriff Langage). Dazu führte Chomsky den Begriff der Universalgrammatik ein, die auf der Annahme beruht, dass allen Sprachen eine Universalgrammatik gemein sei, über die jeder Mensch verfügt, da sie angeboren ist. Damit weist sich Chomsky als Vertreter des philosophischen Mentalismus auf, deren Tradition auf René Descartes zurückgeht.
Diese Theorie nimmt Äußerungen (Worte, Phrasen, Sätze) und setzt sie mit „Oberflächenstrukturen“ in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakteren Tiefenstrukturen korrespondieren. (Eine steife und klare Unterscheidung zwischen Oberflächen- und Tiefenstrukturen wird heute in gegenwärtigen Versionen der Theorie nicht mehr vorgenommen.) Umformungsregeln bestimmen zusammen mit den Regeln für die Struktur von Phrasen und anderen Strukturprinzipien sowohl die Erzeugung als auch die Interpretation von Äußerungen. Mit einem begrenzten Instrumentarium von grammatikalischen Regeln und einer endlichen Anzahl von Wörtern kann eine unbegrenzte Menge von Sätzen gebildet werden, darunter solche, die noch nie zuvor gesagt wurden. Die Fähigkeit, unsere Äußerungen auf diese Weise zu strukturieren, ist angeboren und somit ein Teil des genetischen Programms des Menschen. Dieses wird Universalgrammatik genannt und von Chomsky aus der hergeleitet . Wir sind uns dieser Strukturprinzipien im Allgemeinen genauso wenig bewusst, wie wir es uns der meisten unserer biologischen und kognitiven Eigenschaften sind.
Chomskys linguistische Theorien durchliefen verschiedene Stadien, die in der Fachliteratur üblicherweise nach den paradigmasetzenden Veröffentlichungen Chomskys benannt werden:
Aktuelle Theorien Chomskys (seit dem "MP" Anfang der 1990er Jahre) stellen strenge Anforderungen an die Universalgrammatik. Die grammatikalischen Prinzipien, denen Sprachen unterliegen, sind festgelegt und angeboren; der Unterschied zwischen den Weltsprachen kann durch das Setzen von Parametern im Gehirn charakterisiert werden, was oft mit Schaltern verglichen wird (beispielsweise der "prodrop"-Parameter, der anzeigt, ob ein explizites Subjekt wie im Englischen oder Deutschen immer benötigt wird -prodrop, oder es wie im Spanischen oder Italienischen wegfallen kann +prodrop). In Abhängigkeit von diesen Parametern weisen Sprachen grammatische Eigenschaften auf, die nicht mehr zusätzlich gelernt werden müssen. Ein Kind, das eine Sprache lernt, müsse nur die notwendigen lexikalischen Einheiten (Wörter) und Morpheme erwerben und die Parameter auf passende Werte festlegen, was bereits anhand weniger Beispiele erfolgen könne.
Chomskys Herangehensweise ist durch mehrere Beobachtungen motiviert. Ihn erstaunte zunächst das Tempo, mit dem Kinder Sprachen lernen. Weiterhin stellte er fest, dass Kinder auf der ganzen Welt auf eine ähnliche Weise sprechen lernen. Schließlich bemerkte er, dass Kinder bestimmte typische Fehler machen, wenn sie ihre erste Sprache erlernen, wohingegen andere offensichtlich logische Fehler nicht auftreten.
Chomskys Ideen hatten einen starken Einfluss auf die Untersuchung des kindlichen Spracherwerbs (s. Chomskys und Fodors Vorstellung der angeborenen Modularität des Geistes). Die meisten in diesem Bereich arbeitenden Wissenschaftler lehnen Chomskys Theorien jedoch ab und bevorzugen Emergenz- oder Konnektionismustheorien, die auf allgemeinen Verarbeitungsmechanismen im Gehirn aufbauen. Letztlich bleiben aber praktisch alle linguistischen Theorien kontrovers, und so wird auch die Untersuchung des Spracherwerbs aus der Chomsky’schen Perspektive fortgeführt.
Chomskys syntaktische Analysen sind oft hochgradig abstrakt. Sie beruhen auf der sorgfältigen Untersuchung der Grenze zwischen grammatikalischen und ungrammatikalischen Mustern in konkreten Sprachen (vergleiche den sogenannten pathologischen Fall, der in der Mathematik eine ähnlich bedeutende Rolle spielt). Derartige grammatikalische Entscheidungen können genaugenommen jedoch nur durch Muttersprachler getroffen werden. Deshalb konzentrieren sich Linguisten meist auf die eigene Muttersprache, sodass vor allem in frühen Stadien der Theorie von Seiten der Sprachtypologie der Vorwurf erhoben wurde, das Modell sei zu sehr auf die Struktur des Englischen und anderer europäischer Sprachen abgestellt.
Chomsky ist, unabhängig davon, inwieweit seine Ergebnisse Schlüssel zum Verständnis menschlicher Sprache darstellen, berühmt für seine Untersuchungen formaler Sprachen. Seine Chomsky-Hierarchie teilt die formale Grammatik in Klassen wachsender Ausdruckskraft. Jede folgende Klasse kann zu einem breiteren Satz formaler Sprachen als die vorhergehende führen. Er vertritt die Auffassung, dass die Beschreibung einiger Aspekte der Sprache eine im Sinne der Chomsky-Hierarchie komplexere formale Grammatik benötige als die Beschreibung anderer Aspekte. Beispielsweise reiche eine reguläre Sprache aus, die englische Morphologie zu beschreiben, sei aber nicht stark genug, um auch die englische Syntax zu beschreiben. Die Chomsky-Hierarchie ist über ihre Bedeutung für die Linguistik hinaus zu einem wichtigen Element der theoretischen Informatik, speziell des Compilerbaus geworden, da sie über bedeutende Verbindungen und Isomorphismen mit der Automatentheorie verfügt.
Chomskys Auffassungen zur Linguistik sind berühmt geworden, sie blieben aber nicht ohne Kritik: Die alternativ zur Interpretativen Semantik von seinem Schüler George Lakoff entwickelte Generative Semantik gab den Anstoß zu der als "The Linguistics Wars" bekannt gewordenen öffentlichen Auseinandersetzung zwischen dem Chomsky- und dem Lakoff-Lager in den 1960er und 1970er Jahren, die sich zu einem Streit um Theorien der Kognitionswissenschaften und Informatik ausweitete. In Folge konzipierten – in Spannung zu Chomskys Standpunkt – Lakoff, Mark Johnson u. a. die Kognitive Linguistik. Insbesondere bestreiten Lakoff und Johnson die Richtigkeit der neocartesianischen Ansätze, die Chomsky in seiner Theorie nutzt und meinen, dass er nicht in der Lage sei, darüber Rechenschaft abzulegen, inwieweit Wahrnehmung repräsentiert werden könne.
Innerhalb der Linguistik wird Chomskys "Transformationsgrammatik " (wie auch George Lakoffs "Generative Semantik") vor allem von Seiten der Pragmatik – mit Berufung auf Ludwig Wittgensteins Auffassung, die Bedeutung eines Wortes sei gleich seinem Gebrauch – kritisiert, weil sie variable kontext- und sprechsituationsabhängige Bedeutungen von Wörtern und Sätzen nicht mathematisch adäquat modellieren will bzw. kann. Hier berührt man die grundlegende Frage nach dem Wesen der Sprache und der Aufgabe einer Grammatik. So bestreiten z. B. Referenzsemantiker, Sozio- und Psycho-Linguisten die Hypothese einer universellen Basissprache mit einem idealen Sprecher/Hörer und wählen die alltägliche Sprachverwendung als Ausgangspunkt.
Das Postulat Chomskys (in Verbindung mit Jerry Fodors repräsentationaler "Theorie des Geistes"), mit seinem Modell nicht nur das "Basis-System" abzubilden, sondern mit den "Transformationsregeln" sowohl das Erzeugen als auch das Erkennen der Sprache zu erklären, wird durch neue Forschungen im Bereich der Kybernetik und der Kognitionswissenschaft in Frage gestellt. In der Künstliche-Intelligenz-Forschung wurde ein Modell entwickelt, welches nicht mehr vom Regelsystem eines herkömmlichen Computers ausgeht, sondern kognitive Fähigkeiten als System der Wechselwirkung vieler vernetzter Bausteine – unabhängig von einer konkreten Realisierung einer Syntax – simuliert. Da demnach das Gehirn die Fähigkeit zur intensiven Parallelverarbeitung hat, verliert aus dieser Perspektive der Ansatz einer "Generativen Transformationsgrammatik" sein Fundament. Abgesehen davon verzichten weiterentwickelte strukturelle Modelle wie die Head-driven Phrase Structure Grammar ganz auf Transformationsregeln.
Wie die Position der Konnektivisten widersprechen auch einige neuere Strömungen in der Psychologie wie zum Beispiel die Diskurspsychologie oder die "situated cognition" der konstruktivistischen Kognitionswissenschaft Chomskys Ansichten.
Spätestens seit der Entwicklung konstruktivistischer Konzepte auf der Basis neuer kognitiver/neurologischer Erkenntnisse weiß man, dass es eine Sprecher-Hörer Idealisierung in der Realität nicht gibt, sondern dass jeder einzelne Sprecher/Hörer seine Kompetenzen in einem kybernetischen Prozess von Kindheit an im Rahmen seiner Sozialisation entwickelt und Sprechen/Hören individuell gefiltert sind. Neben gelungener Kommunikation gibt es ungewollte und bewusste Irreführung (Lügen, Verschleierung durch Vagheit der Ausdrucksweise, Überredung und andere Manipulationen). Diese Phänomene, dass missverständliche oder mehrdeutige Äußerungen von verschiedenen Hörern unterschiedlich verstanden werden, können mit Methoden der generativen Grammatiken nicht erfasst werden.
Philosophen in der Tradition Ludwig Wittgensteins, wie etwa Saul Kripke, kritisieren, dass Chomskianer die Rolle von regelbasierter menschlicher Wahrnehmung grundsätzlich falsch einschätzen. Ähnlich widersprechen Philosophen phänomenologischer, existentialistischer und hermeneutischer Traditionen dem abstrakten, rationalistischen Aspekt von Chomskys Gedankengebäude. Am bekanntesten repräsentiert diese Kritik Hubert Dreyfus, der auch durch seine beständige Polemik gegen das Konzept der Künstlichen Intelligenz bekannt ist.
Chomskys linguistisches Werk beeinflusste auch die Entwicklung der Psychologie im 20. Jahrhundert. Seine Theorie einer Universalgrammatik war ein direkter Angriff auf die etablierten behavioristischen Theorien seiner Zeit und hatte erhebliche Auswirkungen auf das wissenschaftliche Verständnis des kindlichen Spracherwerbs und der menschlichen Fähigkeit zur Interpretation von Sprache.
1959 veröffentlichte Chomsky seine Kritik an B. F. Skinners "Verbal Behavior". In diesem Buch behandelte einer der führenden Behavioristen das Phänomen Sprache als sprachliches Verhalten (engl. "verbal behavior"). Dieses Verhalten, so Skinner weiter, könne wie jedes andere Verhalten – vom Schwanzwedeln eines Hundes bis zur Vorstellung eines Klaviervirtuosen – durch Verstärkung geformt werden.
Chomskys Kritik an Skinners Arbeit war einer der Auslöser der sogenannten kognitiven Wende in der Psychologie. In seinem Buch "Cartesianische Linguistik" von 1967 und anderen weiterführenden Arbeiten entwickelte Chomsky eine Erklärung der menschlichen Sprachfähigkeit, die auch für Untersuchungen in anderen Bereichen der Psychologie Modellcharakter entfaltete. Viele Aspekte des gegenwärtigen Konzepts von der Funktionsweise des Geistes entspringen unmittelbar Ideen, die in Chomsky ihren ersten Autor fanden.
Hier sind vor allem drei Kerngedanken festzuhalten. Erstens, behauptete er, ist der Geist kognitiv. Das bedeutet, dass er tatsächlich mentale Zustände, Überzeugungen, Zweifel usw. enthält. Frühere Ansichten haben das mit dem Argument abgelehnt, dass es sich lediglich um Ursache-Wirkung-Beziehungen – beispielsweise der Art „Wenn Du mich fragst, ob ich X will, werde ich Y sagen“ – handle. Im Widerspruch hierzu zeigte Chomsky, dass es besser sei, den Geist so zu verstehen, als ob man es mit Gegenständlichem wie Überzeugungen oder Unbewusstem zu tun hätte.
Zweitens behauptete er, dass ein Großteil dessen, was der erwachsene Geist könne, bereits angeboren sei. Es käme zwar kein Kind auf die Welt, das bereits eine Sprache spreche, aber alle werden mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren, die es sogar gestatte, in wenigen Jahren gleich mehrere Sprachen geradezu aufzusaugen. In der Linguistik wird diese These Chomskys auch als linguistischer Mentalismus bezeichnet. Psychologen erweiterten diese These weit über das Feld der Sprache hinaus. Marc Hauser etwa, ehemals Psychologe an der Harvard University, nimmt auf Basis der Forschungen von Chomsky an, dass der Mensch auch, ähnlich dem Sprachinstinkt, bereits mit gewissen Moralinstinkten geboren wird. Der Geist des Neugeborenen wird heute nicht mehr als unbeschriebenes Blatt betrachtet. Damit widersprechen Chomsky und seine Nachfolger der lange Zeit unter anderem in der Philosophie durch die Empiristen vertretenen These, dass „nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war“, die also den Menschen bei seiner Geburt als Tabula rasa ansehen.
Schließlich entwickelte Chomsky aus dem Konzept der Modularität ein entscheidendes Merkmal der kognitiven Architektur des Geistes. Der Geist sei aus einer Ansammlung zusammenwirkender spezialisierter Subsysteme zusammengesetzt, die nur eingeschränkt miteinander kommunizierten. Diese Vorstellung unterscheidet sich stark von der alten Idee, dass jedes Stückchen Information im Geist durch jeden anderen kognitiven Prozess abgerufen werden könne. (Optische Täuschungen zum Beispiel lassen sich nicht abschalten, sogar dann nicht, wenn man wisse, dass es sich um Illusionen handle.)
In den 1960er Jahren begann Chomsky, sich in der Öffentlichkeit deutlicher politisch zu artikulieren. Seit 1964 protestierte er gegen den von ihm als „Angriff auf Südvietnam“ bezeichneten Vietnamkrieg und kritisierte, dass dieser in den USA "Krieg in Vietnam" genannt wurde. 1969 veröffentlichte er "Amerika und die neuen Mandarine", eine Sammlung von Aufsätzen über den Vietnamkrieg, die Einfluss auf die Antikriegsbewegung ausübte. Ebenso deutlich bezog Chomsky Stellung gegen die US-amerikanische Politik und die Rolle der Medien in Bezug auf Kuba, Haiti, Osttimor, Nicaragua, den Nahostkonflikt und gegenüber den „Schurkenstaaten“ sowie zum zweiten Golf- und zum Kosovokrieg, zur Frage der Menschenrechte, zu Globalisierung und neoliberaler Weltordnung. Heute ist er, neben seiner weiter unbestrittenen Bedeutung für die Linguistik, zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der politischen Weltordnung und der Macht der Massenmedien geworden. Chomsky äußerte, dass seine „persönlichen Visionen traditionell anarchistisch sind, mit Herkunft aus der Aufklärung und dem klassischen Liberalismus“. Er tendiert zum Anarchosyndikalismus und ist Mitglied der Industrial Workers of the World und der Internationalen Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft. Chomsky wird vorgeworfen, die Massenmorde unter Pol Pot in Kambodscha abgestritten zu haben.
Im New York Times Book Review wurde Chomsky einmal als der "„wichtigste Intellektuelle der Gegenwart“" bezeichnet. Noam Chomsky hierzu: "„Das Zitat wurde von einem Verlagshaus veröffentlicht. Doch da sollte man immer sehr genau lesen: Wenn man nämlich das Original nachschaut, dann heißt es weiter: „wenn dies der Fall ist, wie kann er dann solchen Unsinn über die amerikanische Außenpolitik schreiben?“ Diesen Zusatz zitiert man nie. Aber um ehrlich zu sein: Gäbe es ihn nicht, würde ich glauben, ich mache etwas falsch.“"
Noam Chomsky gilt in Hinblick auf sein politisches Schrifttum als der „meistzitierte Außenseiter der Welt“. Er gilt als einer der Vorsprecher und Vordenker der Globalisierungskritik.
Im Jahr 2001 gab Chomsky der für ihr politisches Engagement bekannten Band Rage Against the Machine ein Interview zum Thema Politik in Mexiko, welches auf deren DVD und VHS zum Konzert "The Battle of Mexico City" veröffentlicht wurde.
2008 unterstützte Chomsky den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader, rief jedoch die wahlberechtigte Bevölkerung in den "Swing States" auf, für Barack Obama und gegen John McCain zu stimmen. Dies brachte ihm Kritik von Anarchisten ein.
Seit 2008 unterstützte Chomsky das Free Gaza Movement, welche er als „mutiges und notwendiges Unterfangen“ bezeichnet. Im Mai 2010 wollte er zu einem Vortrag an der Universität Bir Zait über die Allenby-Brücke in das israelisch besetzte Westjordanland einreisen. Nach einem vierstündigen Verhör wurde ihm die Einreise von den israelischen Grenzbehörden verweigert. Später erklärte ein Regierungssprecher, dass das Einreiseverbot ein Missverständnis gewesen sei. Chomsky hatte zuvor schon zahlreiche Vorträge an israelischen Universitäten gehalten. Im Jahr 2013 war Chomsky einer der Akademiker, die Stephen Hawking dazu aufriefen, seine Teilnahme an einer Konferenz in Israel abzusagen.
Im August 2013 wurde Chomsky mit dem Werk "10 Strategien der Manipulation", einer Auflistung von Möglichkeiten zur Steuerung von Gesellschaften, in Verbindung gebracht. Als alternativer Autor wird der Franzose Sylvain Timsit genannt.
Noam Chomsky unterstützte Bernie Sanders bei den Vorwahlen um die amerikanische Präsidentschaft 2016. Während des eigentlichen Wahlkampfes sprach er sich sehr deutlich gegen Donald Trump aus und empfahl, Hillary Clinton zu wählen. Auch nach dessen Wahlsieg positionierte er sich sehr deutlich und bezeichnete ihn als "greater evil (dt. schlimmeres Übel)". Er warnte in einem Interview im November 2016, die Partei der Republikaner unter Trump sei zur "most dangerous organization in world history (dt. gefährlichsten Organisation der Welt)" geworden und würde die Zerstörung organisierten menschlichen Lebens betreiben. 
Anfang der 1980er Jahre entstand vor allem in Frankreich eine Kontroverse, weil Chomsky im Herbst 1979 auf Bitte von Serge Thion, einem seit 1978 aktiven Holocaustleugner, eine Petition zur Verteidigung der Redefreiheit des französischen Literaturprofessors Robert Faurisson unterzeichnet hatte. Faurisson hatte in zwei 1978 und 1979 in Le Monde veröffentlichten Artikeln die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich bestritten, und wurde daraufhin wegen Verleumdung und Aufruf zum Rassenhass zu einer dreimonatigen, zur Bewährung ausgesetzten Gefängnisstrafe und einer Geldbuße in Höhe von 21.000 Franc (3.200 Euro) verurteilt. Chomsky wies darauf hin, dass er sich, obwohl seine eigenen Schlüsse bezüglich des Holocaust denen Faurissons entgegengesetzt seien, und selbst wenn es stimme, dass Faurisson ein Antisemit und Neonazi sei, dennoch für dessen Redefreiheit einsetze. Des Weiteren bemerkte Chomsky, der selbst jüdischer Abstammung ist, dass es eine jahrhundertealte Binsenweisheit sei, dass man sich "gerade" in Fällen „abscheulicher Gedanken“ am stärksten für das Recht zu deren freier Äußerung einsetzen müsse – denn es sei zu einfach, dieses Recht nur für diejenigen einzufordern, die ohnehin keine solche Verteidigung benötigten:
Chomsky veröffentlichte dieses in einem Essay über die Redefreiheit und erlaubte jedem dessen freie Verwendung, woraufhin Faurisson diesen als Vorwort für sein Buch benutzte. Dies erregte erneutes Aufsehen und den Vorwurf, die Verwendung seines Essays durch Faurisson zugelassen zu haben. Der Historiker Pierre Vidal-Naquet warf allerdings Chomsky zusätzlich vor, auch mit Faurisson entgegen seiner (Chomskys) eigenen Beteuerungen „freundschaftlich korrespondiert“ ("correspondance amicale") zu haben; und auch sich nicht der Abfassung eines Vorworts zu seinem eigenen Text durch den einschlägig bekannten Holocaustleugner Pierre Guillaume widersetzt zu haben.
Im September 2010 trat Chomsky in Paris vor einem 1800 Personen starken Auditorium auf, um weiterhin für die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit von Robert Faurisson einzutreten. Zu diesem Zeitpunkt unterzeichnete er auch eine Solidaritätserklärung mit einem weiteren, damals inhaftierten, Holocaustleugner, Vincent Reynouard, wobei er bekannte, dessen Schriften nicht zu kennen, grundsätzlich aber gegen das Prinzip der Loi Gayssot zu sein.
Obwohl der Investigativreporter John Hudson im Februar 2013 am Ende seiner zweijährigen Nachforschung zu dem Ergebnis kam, der Auslandsgeheimdienst CIA habe keinerlei Akte zu Chomsky, enthüllte das Magazin Foreign Policy im August durch eine Anfrage über den Freedom of Information Act, dass die CIA in Bezug auf Chomsky auch im US-amerikanischen Inland aktiv wurde. Eine Aktennotiz an das zu dem Zeitpunkt noch von Hoover geführte FBI belegt die Nachforschungen, die 1970 auf Grund einer Reise nach Nordkorea betrieben wurden.
Chomskys politische Schriften erschienen in Deutschland zunächst prominent im Suhrkamp-Verlag; im Berliner Oberbaum Verlag erschien 1975 ein kritischer Sammelband von Chomsky und Edward S. Herman über den Imperialismus, 1981 bei Ullstein die Übersetzung eines französischen Buches mit Interviews von Mitsou Ronat unter dem Titel "Sprache und Verantwortung". Suhrkamp beschränkte sich nun auf die anthropologischen und sprachwissenschaftlichen Arbeiten. Der politische Chomsky wurde, durchaus vergleichbar mit seiner Rezeption in den USA, von kleineren linken Verlagshäusern wie dem Argument Verlag, Berlin, zu Klampen in Lüneburg, Pendo (Zürich), Mink (Berlin) und vor allem dem Trotzdem-Verlag und dessen Zeitschriften (Schwarzer Faden, Dinge Der Zeit) vertreten, bis die globalisierungskritische Bewegung ihn gegen Ende der 1990er Jahre wieder breiteren Medien zuführte (z.B. Europa Verlag).
Chomskys linguistische Arbeiten hatten große Konjunktur in der Pädagogik der 1970er Jahre, an ihnen polarisierte sich die Schulgrammatik und die aufklärerische bzw. wissenschaftliche Linguistik. Andererseits lag er mit seinen affirmativen Positionen zu Descartes einerseits und mit seiner Berufung auf Wilhelm von Humboldt andererseits mannigfach in weltanschaulich und fachgebietsspezifisch umkämpften Traditionen. Ähnlich zwischen den Lagern wurden seine Positionen zur Künstlichen Intelligenz empfunden, wo er sowohl als Vater der Computerlinguistik eingeschätzt wurde, als eben auch als quasi-idealistischer Gegner der Informatisierung. Seine herausragende Rolle für die Linguistik des 20. Jahrhunderts ist auch im deutschen Sprachraum unbestritten.
Chomsky ist mit Ehrendoktor-Würden einer Vielzahl von Universitäten ausgezeichnet:
Darüber hinaus wurde er mit folgenden Auszeichnungen mit Ehrenmitgliedschaften bedacht:
Die 1986 entwickelte Programmiersprache Comskee wurde nach ihm benannt.
Eine vollständige Liste der wissenschaftlichen Publikationen findet sich auf Chomskys Website am MIT.
Auszüge aus einigen seiner Bücher stehen auf Chomskys unten verlinkter Website.
Bücher
Aufsätze
Vorträge:
Gesprächsrunden / Interviews