Norwegische Sprache

Die norwegische Sprache (Eigenbezeichnung Norsk []), die die beiden Standardvarietäten "Bokmål" [] und "Nynorsk" [] oder [] umfasst, gehört zum nordgermanischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Norwegisch wird von etwa fünf Millionen Norwegern als Muttersprache gesprochen, von denen der größte Teil in Norwegen lebt, wo es Amtssprache ist. Es ist auch Arbeits- und Verkehrssprache im Nordischen Rat. Das Norwegische wurde im Laufe der Zeit in vier Varietäten standardisiert, von denen zwei heute amtlich anerkannt sind:
Bokmål (dt. „Buchsprache“), bis 1929 Riksmål:
Riksmål [] (dt. „Reichssprache“) im "heutigen Sinne" versteht sich als Variante des Bokmål:
Nynorsk (dt. „Neunorwegisch“), bis 1929 Landsmål:
Høgnorsk [] (dt. „Hochnorwegisch“):
"Bokmål" wird von circa 85 bis 90 Prozent der norwegischen Bevölkerung geschrieben. Es handelte sich dabei ursprünglich um eine Varietät des Dänischen, das jahrhundertelang auch in Norwegen Schriftsprache war, die aber – besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – schrittweise auf der Basis der bürgerlich-städtischen Umgangssprache norwegisiert wurde.
Das "Riksmål" ist eine ältere, heute amtlich missbilligte Varietät, die einem moderaten "Bokmål" ähnlich ist. Es ist der dänisch-norwegischen literarischen Tradition verpflichtet und in der Rechtschreibung weniger norwegisiert.
"Nynorsk" hingegen ist eine Synthese aus den autochthonen norwegischen Dialekten. Es wird von etwa 10 bis 15 Prozent der norwegischen Bevölkerung geschrieben. Trotz der Vorsilbe "Ny-" („Neu-“) ist "Nynorsk" („Neunorwegisch“) nicht die jüngere, sondern die ältere der amtlich anerkannten norwegischen Sprachvarietäten.
"Høgnorsk" schließlich wird nur in sehr kleinen Kreisen gepflegt.
Die drei festlandskandinavischen Sprachen sind eng miteinander verwandt. Daher verstehen Norweger, Dänen und Schweden die Sprache der Nachbarn recht gut. Dadurch stellt sich etwa für die dortigen Verlage die Frage, ob sie beispielsweise ein in Dänisch geschriebenes Buch in andere skandinavische Sprachen übersetzen lassen oder ob die Menschen der Nachbarländer das Buch in dessen Originalsprache verstehen.
Dank einer gewissen „Mittelposition“ können die Norweger dem Dänischen und dem Schwedischen besser folgen als Dänen und Schweden untereinander. Norweger – vor allem die Benutzer des Nynorsk – haben auch etwas bessere Voraussetzungen, Färöisch und Isländisch zu erlernen, da diese Sprachen ihren Ursprung in den Dialekten Westnorwegens haben.
Der Ursprung der norwegischen Sprache liegt im Altnordischen, das von Norwegern und Isländern als "Norrønt mál" (nordische Sprache) bezeichnet wurde. Anders als in den meisten anderen mittleren und größeren Sprachen Europas konnten sich die altnorwegischen Schriftvarietäten jedoch nicht über die Jahrhunderte hinweg zu einem einheitlich normierten Standard entwickeln. Gründe sind erstens die besondere Unwegsamkeit Norwegens und die folglich schlechten Verkehrswege, die eine vergleichsweise unbeeinflusst und unabhängig voneinander erfolgte Entwicklung der Dialekte förderte, zweitens das lange Fehlen eines unbestrittenen politischen und wirtschaftlichen Zentrums und drittens die ab dem Spätmittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert andauernde dänische Vorherrschaft, die das Dänische als Amtssprache in Norwegen verankerte.
Im Spätmittelalter und in der älteren Neuzeit wurde Norwegisch stark vom Niederdeutschen und vom Dänischen beeinflusst. In der Hansezeit war Mittelniederdeutsch die Verkehrssprache des Nordens. Viele niederdeutsche Wörter wurden als Lehnwörter integriert. Von 1380 bis 1814 war Norwegen mit Dänemark vereinigt, anfangs noch als dänisch-norwegische Personalunion, später als Realunion. Während dieser Zeit geriet die alte norwegische Schriftsprache zunehmend außer Benutzung und verschwand im Zuge der Reformation gänzlich.
Die ursprünglichen Dialekte wurden auf dem Lande aber weiterhin gesprochen. Nach der Trennung Norwegens von Dänemark im Jahre 1814 entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts, wie auch in anderen jungen Staaten Europas, eine nationalromantische Welle, die hauptsächlich an die norwegische Vergangenheit des Mittelalters (also an die Zeit vor der Vereinigung mit Dänemark) anzuknüpfen suchte. Dies betraf ebenfalls die Sprache: Die Anhänger dieser Bewegung forderten, dass die ursprüngliche norwegische Sprache des Mittelalters erneut zum Leben erweckt werden solle, um der Emanzipation Norwegens ein Zeichen zu setzen. So entzündete sich eine Sprachdebatte um die Frage, ob man die dänischen Einflüsse im Norwegischen weiterhin billigen solle (Welhaven, Anton Martin Schweigaard), oder ob man auf Basis herkömmlicher norwegischer Dialekte eine eigenständige Sprache schaffen solle (Wergeland, P. A. Munch, Rudolf Keyser). Während Wergeland und dessen Anhänger die vergangenen 400 Jahre dänischen Einflusses unbeachtet lassen und dem mittelalterlichen Norwegischen Vorschub gewähren wollten, wies Schweigaard 1832 in der Zeitung "Vidar" jedoch darauf hin, dass man über mehrere Jahrhunderte des Kulturaustausches nicht einfach hinwegsehen könne; es sei unmöglich, das einmal Assimilierte wieder auszugliedern.
Schließlich wurde in den 1850er Jahren von dem Dichter und Sprachwissenschaftler Ivar Aasen das "Landsmål" entwickelt, das seit 1929 offiziell "Nynorsk" heißt. Das Ziel war ausdrücklich, dem – Dialekt sprechenden – Volk seine eigene Schriftsprache zu geben, die neben die dänische Schriftsprache der bürgerlich-städtischen Oberschicht treten sollte; "Nynorsk" wurde damit zu einem zentralen Element der Demokratiebewegung. Seit 1885 ist "Landsmål/Nynorsk" eine amtlicherseits anerkannte Schriftsprache. Die Grundlage für diese neue Sprache bildete nicht eine einzige Mundart, sondern ein gemeinsames System, das Aasen durch die wissenschaftliche Erforschung einer Vielzahl von Mundarten aller Landesteile gefunden hatte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das zuvor eher west- und zentralnorwegisch dominierte "Nynorsk" im Rahmen mehrerer Reformen unter Zurückdrängung der zentralnorwegischen Elemente verstärkt den ostnorwegischen Dialekten einerseits und dem südostnorwegisch geprägten "Bokmål" angenähert. Von einer Plansprache unterscheidet sich "Nynorsk" durch seine Verankerung in engverwandten, lebendigen Dialekten.
Der Gymnasiallehrer Knud Knudsen trat zur gleichen Zeit für eine durchgreifende Sprachreform auf der Grundlage einer von ihm angenommenen „Umgangssprache der Gebildeten“ ein. Seine Reformvorschläge wurden in der Rechtschreibreform von 1862 weitestgehend vom Parlament übernommen und bildeten die Grundlage des "Riksmål," das 1929 vom Parlament in "Bokmål" umbenannt wurde und sich später aufgrund von Kontroversen über die Normierung in "Bokmål" und "Riksmål" mit je eigenen Normen und Traditionen aufteilte.
Aufgrund des erstarkten Nationalbewusstseins konnte "Nynorsk" bis 1944 immer mehr Anhänger gewinnen und hatte seinerzeit knapp ein Drittel der Norweger auf seiner Seite. Inzwischen ist deren Anteil bevölkerungsmäßig auf etwa 10–15 Prozent zurückgegangen. Dies hat mehrere Gründe: In den urbanen Gebieten, also vor allem in der Region Oslo, wird "Nynorsk" als befremdlich empfunden. Das städtische Bürgertum hat das auf ländlichen Mundarten basierende "Nynorsk" ohnehin stets abgelehnt. Folglich fehlt dem "Nynorsk" bis heute eine wirkliche Verankerung in den wirtschaftlichen und politischen Zentren. Zum anderen wird von manchen Landbewohnern, besonders in Ostnorwegen, "Nynorsk" als artifiziell empfunden, da es wie dialektales Flickwerk scheint; und schließlich ist die Grammatik des "Nynorsk" schwieriger als die des "Bokmål," obgleich einzuräumen ist, dass die meisten norwegischen Dialekte dennoch dem "Nynorsk" näher als dem "Bokmål" stehen, das wiederum einige dem autochthonen Norwegisch ziemlich fremde phonologische, morphologische und sonstige grammatische Züge aufweist.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Rechtschreibreformen durchgeführt, mit dem Versuch, beide Schriftsprachen einander anzunähern (Fernziel: "Samnorsk" „Gemeinnorwegisch, Einheitsnorwegisch“). So wurde in der Reform von 1917 auf Druck der "Nynorsk"-Bewegung eine Reihe spezifisch „norwegischer“ Ausdrücke propagiert, die traditionelle dänische Begriffe ersetzen sollten. Da dies nicht in dem Maße geschah, wie man es sich vorgestellt hatte, wurde 1938 eine weitere Reform verabschiedet: Zahlreiche traditionelle dänische Elemente durften nicht mehr gebraucht werden. Diese Sprache wurde aber kaum angenommen. Es kam zu großen Streitigkeiten, Eltern korrigierten beispielsweise die Schulbücher ihrer Kinder, weil der Konflikt sehr stark von Gefühlen geprägt war und auch nach wie vor ist. Gleichzeitig wurde auch "Nynorsk" verstärkt sprachgeschichtlich jüngeren Formen geöffnet. 1959, 1981 (Bokmål), 2005 (Bokmål) und 2012 (Nynorsk) fanden weitere Reformen statt, wobei diejenigen von 2005 im Bokmål wieder eine Reihe traditionell dänischer Formen zuließ. Ergebnis all dieser Reformen ist die Existenz von „moderaten“ und „radikalen“ Formen in der Rechtschreibnorm, zwischen denen man wählen kann. Das komplizierte System von offiziellen Haupt- und Nebenformen wurde im Bokmål 2005 aufgegeben, im Nynorsk 2012. Das Fernziel eines "Samnorsk" wurde gleichzeitig ausdrücklich fallengelassen.
Seitens des Staates sind die beiden Sprachformen "Bokmål" und "Nynorsk" offiziell anerkannt. Gemäß Sprachengesetz darf keine staatliche Behörde eine der beiden zu mehr als 75 % gebrauchen, was in der Praxis allerdings – zu Ungunsten von "Nynorsk" – oft nicht befolgt wird. Die Behörden des Staates und der "Fylker" (Regierungsbezirke) müssen Anfragen in der gleichen Sprachform beantworten, in der sie gestellt werden. Auf der Ebene der Gemeinden (Kommunen) darf die Behörde in derjenigen Sprachform antworten, die sie für ihr Territorium als amtlich erklärt hat. In der Schule werden beide Varianten unterrichtet, wobei diejenige, die nicht die Hauptvariante ist, als "sidemål" (Nebensprache) bezeichnet wird.
"Nynorsk" ist Amtssprache von 27 % der Gemeinden, in denen insgesamt 12 % der Gesamtbevölkerung leben; die übrigen Gemeinden haben rund je zur Hälfte "Bokmål" als Amtssprache oder aber sind „sprachneutral“ (was faktisch meist mit "Bokmål"-Gebrauch gleichzusetzen ist). Auf der Ebene der Schulkreise und Kirchengemeinden geht der amtliche Gebrauch des "Nynorsk" über dieses Gebiet hinaus; so haben auf Grundschulstufe 15 % aller Schüler "Nynorsk" als Schulsprache, und in 31 % der Kirchengemeinden sind Liturgie und Predigt auf "Nynorsk".
Geographisch gesehen ist "Nynorsk" offizielle Sprachform in den meisten Gemeinden des fjordreichen Westnorwegens (ohne die Städte und stadtnahen Gemeinden) sowie in den geographisch anschließenden zentralen Gebirgstälern Ostnorwegens (Hallingdal, Valdres, Gudbrandsdal) und Südnorwegens (Setesdal, Vest-Telemark). "Bokmål" dagegen ist offizielle Sprachform in den meisten Gemeinden Südostnorwegens und an der Südküste einerseits sowie in manchen Gemeinden Nordnorwegens andererseits. Auf regionaler Ebene ist "Nynorsk" Amtssprache von drei Fylker, nämlich Hordaland, Sogn og Fjordane und Møre og Romsdal; "Bokmål" ist Amtssprache von zwei Fylker, nämlich Vestfold und Østfold; die andern vierzehn Fylke sind „sprachneutral“. Von diesen sprachneutralen Fylker weisen Oppland, Telemark und Rogaland allerdings einen relativ großen Anteil an "Nynorsk"-Gemeinden auf.
Das Sprachabkommen im Nordischen Rat garantiert im Übrigen, dass Dänisch und Schwedisch im offiziellen Schriftverkehr erlaubt sind. Das gilt gegenseitig.
Beispiele für den Unterschied zwischen "Bokmål" und "Nynorsk":
Gegner der Sprachreformen, die "Bokmål" näher an "Nynorsk" bringen sollte, benutzen für die von ihnen gepflegte Sprachform den Namen "Riksmål" weiter. Typisch ist hierfür etwa die Verwendung einiger dänischer Zahlwörter, von Wortformen wie "efter" statt "etter" oder "sne" statt "snø", die Vermeidung des femininen Genus (z. B. "boken" statt "boka", „das Buch“) und die Vermeidung von Diphthongen (z. B. "sten" statt "stein", „Stein“). Tatsächlich haben sich einerseits durch die Wiederzulassung vieler danonorwegischer Formen im "Bokmål", andererseits durch die Aufnahme zahlreicher Elemente aus dem "Bokmål" ins "Riksmål" diese beiden Varianten in den letzten dreißig Jahren einander stark angenähert.
Das sog. Høgnorsk (etwa „Hochnorwegisch“) ist eine inoffizielle Variante des "Nynorsk," eine Sprachform, die dem originalen Landsmål von Ivar Aasen sehr ähnlich ist. Die Høgnorsk-Bewegung missachtet die Reformen des "Nynorsk" nach 1917.
Diese Sprachform wird schriftlich nur von einer sehr kleinen Gruppe Norweger verwendet, doch Elemente des Hochnorwegischen finden immer noch bei vielen Raum. Die Schreibweise wirkt oft archaisch auf die Mehrheit der Norweger, im Mündlichen aber lässt sich die Sprache kaum von den traditionellen Mundarten und der darauf gebauten Normalsprache unterscheiden. Nur werden im Hochnorwegischen eher einheimische Wörter als niederdeutsche Lehnwörter verwendet. Ein großer Teil des norwegischen Gesangsschatzes ist, da vor 1917 geschrieben, aus heutiger Sicht hochnorwegisch verfasst.
"Bokmål" und "Nynorsk" sind Schriftsprachen, die Aussprache ist eigentlich nicht festgelegt, denn gesprochen werden vor allem die Dialekte. Die Ausspracheangaben variieren je nach Grammatik, und was man letztendlich zu hören bekommt, klingt wieder ganz anders. Am besten bleibt man mit der eigenen Aussprache so nah wie möglich am Schriftbild. Oft ist zu lesen, welche Konsonanten nicht ausgesprochen werden sollen – im Prinzip genügt es aber, wenn man lediglich das auslautende "t" beim bestimmten Artikel "(det / -et)" und das „g“ der Endsilbe "-ig" nicht mitspricht.
Der ö-Laut hat im Norwegischen den Buchstaben "Ø ø", der ä-Laut hat "Æ æ", der o-Laut hat häufig "Å å", während der Buchstabe "o" oft den u-Laut repräsentiert: "bo" [] „wohnen“, "dør" [] „Tür“, "ærlig" [] „ehrlich“. Norwegisches "u" wird meist , vor einer Nasalverbindung aber gesprochen. Unbetontes "e" ist kurz wie in "Sprache" (). "y" ist ein "ü"-Laut .
Die meisten norwegischen Dialekte besitzen ein gerolltes „r“ ähnlich wie im Italienischen oder im Südostdeutschen (Vorderzungen-R), einige westliche haben aber auch deutsches bzw. dänisches „r“ (Zäpfchen-R). Der r-Laut darf nicht verschluckt werden (also "dager" [], und nicht []).
Das norwegische "s" ist immer stimmlos (wie scharfes S in "außen"), das norwegische "v" (und ebenso die Buchstabenverbindung "hv") wird wie in „Vase“ gesprochen (nicht wie in "Vogel"!).
Folgende Lautverbindungen sind zu berücksichtigen: "sj, skj" werden „sch“ gesprochen: "nasjon" [] „Nation“, "gj, hj, lj" werden „j“ gesprochen, "tj" wird wie in „tja“ gesprochen, "kj" ist der "ich"-Laut : "kjøre" [] „fahren“, "rs" wird in manchen Dialekten „sch“ gesprochen: "vær så god!" „bitte schön!“ ist also [] oder [].
Vor hellen Vokalen "(i, y, ei, øy)" gelten besondere Regeln: "sk" wird hier „sch“, "g" wird hier „j“ und "k" wird hier „ch“ gesprochen: "ski" [], "gi" [] „geben“, "kirke" [] „Kirche“.
Die Buchstaben "c, q, w, x, z" kommen nur in wenigen Fremdwörtern vor. Statt "ck" schreibt man "kk", für "qu" tritt "kv" ein, für "ph/th/kh" treten "f/t/k" ein, "z" (im Deutschen) wird meist durch "s" ersetzt: "sentrum / senter" entspricht „Zentrum“, "sukker" entspricht „Zucker“.
Zu beachten sind vor allem folgende Ausnahmen (Bokmål): "det" [] „das, es, jenes“, "-et" „das“, "de" [] „sie, die (Mehrzahl)“, "og" „und“, "jeg/meg/deg/seg" [] „ich/mich/dich/sich“.
Je nach Sprecher tendiert langes "a" zu einem o-ähnlichen Laut wie in englisch "call", während "æ" Richtung „a“ wie in „Vater“ geht und "y" kaum von unserem „i“ zu unterscheiden ist. Je nach Dialekt wird der Diphthong "ei" wie [] oder [] gesprochen.
Das Norwegische besitzt 19 Monophthonge und sieben Diphthonge.
Die Diphthonge des Norwegischen sind , die es je in einer langen und einer kurzen Variante gibt.
Das Norwegische besitzt 23 Konsonanten, darunter fünf retroflexe Laute, die als Allophone anzusehen sind. Letztere kommen nicht in den Dialekten mit Zäpfchen-R vor.
Das Norwegische hat (wie das Schwedische) zwei bedeutungsunterscheidende Akzente, die oft "Akzent 1" und "Akzent 2" genannt werden.
Siehe dazu: "Akzente in den skandinavischen Sprachen".
Allgemeine Vorbemerkung: Im Folgenden werden von den Nynorsk-Varianten nur diejenigen vermerkt, die gemäß der Rechtschreibreform von 2012 gültig sind. Seltene, fast nur in älteren Texten vorkommende oder im Kreise der Høgnorsk-Anhänger benutzte Lautungen und Formen bleiben ausgespart.
Die norwegische Sprache kennt offiziell die drei Genera: maskulin, feminin und neutrum. Riksmål und konservatives Bokmål kennen aber wie die dänische Sprache nur das männlich-weibliche "(Utrum)" und das sächliche Geschlecht "(Neutrum)". Die Substantive geben in der Regel aber keinen Hinweis darauf, welches Geschlecht sie haben. Häufig stimmt das Geschlecht mit dem des deutschen Substantivs überein (z. B. "sola" „die Sonne“, "månen" „der Mond“, "barnet" „das Kind“).
Auch kennt das Norwegische den unbestimmten Artikel, für jedes Geschlecht existiert eine eigene Form:
Wie im Dänischen wird der bestimmte Artikel bei unbegleiteten Substantiven (d. h. wenn kein Adjektiv vor bzw. kein Personalpronomen hinter dem Substantiv steht) nur als Suffix angehängt, an dem auch das Geschlecht des Substantivs zu erkennen ist:
Beim bestimmten Artikel Neutrum "(-et)" wird das "t" nicht gesprochen! "eple" („Apfel“) und "eplet" („der Apfel“) werden also gleich ausgesprochen.
Weibliche Substantive werden im "Bokmål" aber – dänischer Tradition folgend – oft auch wie männliche behandelt:
In der unbestimmten Mehrzahlform enden männliche, weibliche und (im "Bokmål") mehrsilbige sächliche Substantive auf "-er" (im "Nynorsk" gibt es, vergleichbar mit dem Schwedischen, die Endungen "-ar" und "-er"), einsilbige (im "Nynorsk" auch mehrsilbige) sächliche bleiben in der Regel endungslos:
Unregelmäßige Mehrzahl haben unter anderem:
Gar keine Mehrzahlendung haben alle einsilbigen Neutra, z. B. "hus" „Haus/Häuser“, "barn" „Kind/Kinder“, aber ausnahmsweise auch männliche einsilbige Wörter, z. B. "sko" „Schuh(e)“ oder neutrale mehrsilbige Wörter, z. B. "våpen" „Waffen“.
Um die Mehrzahl der bestimmten Formen zu bilden, wird im "Bokmål" geschlechtsübergreifend "-ene" bzw. "-a" (optional bei einsilbigen Neutra) angefügt.
"Nynorsk" kennt "-ane, -ene, -o" und "-a":
Die unregelmäßigen Substantive haben hier: "fedrene" „die Väter“, "endene" „die Enten“, "bøkene" „die Bücher“ und – mit Erhalt des „r“ vor "æ" – "klærne" „die Kleider“ usw.
Das norwegische Substantiv kennt neben der Grundform eine eigene Form für den Genitiv, indem sowohl im Singular wie im Plural unabhängig vom Genus ein "-s" an das Substantiv (nicht an Artikel und Pronomen!) angehängt wird. Bei mehrgliedrigen Ausdrücken wird diese Genitivregel auf den gesamten Ausdruck angewandt, das heißt, das letzte Wort im Ausdruck erhält die Ergänzung "-s". Enden das Substantiv oder der Ausdruck bereits auf einem "-s", "-x" oder "-ch," wird anstatt des Genitiv-"s" nur ein Apostroph "-'" angehängt:
Weitere Beispiele (Bokmål): "Guds ord" „Gottes Wort“, "de gamle mennenes fortellinger" „Die Erzählungen der alten Männer“
Der Genitiv wird, außer bei Namen und Personen, vorwiegend im geschriebenen "Bokmål" verwendet. Im geschriebenen "Nynorsk" und in der gesprochenen Sprache überhaupt wird er gewöhnlich mit den Präpositionen "av, til, på" usw. oder aber mit einer Dativkonstruktion („garpegenetiv“, einer dem Niederdeutschen entlehnten Konstruktion) umschrieben, etwa "prisen på boka" statt "bokas pris" (der Preis des Buches), "boka til Olav" statt "Olavs bok" (Olavs Buch), "taket på huset" statt "husets tak" (das Dach des Hauses), "Stortinget si sak" statt "Stortingets sak" (die Angelegenheit des Parlaments, wörtlich: „dem Parlament seine Angelegenheit“).
Nach absteigender Priorität verwendet man für ‚die Haustür‘: "husdøra, husets dør, døra på huset". Die Präposition "på" „auf“ steht in diesem Fall, da die Türe nicht mehr als zum Hause selbst gehörig empfunden wird.
"Kein" Artikel steht bei
Wie in allen germanischen Sprachen (mit Ausnahme des Englischen) wird im Norwegischen zwischen starken und schwachen Endungen unterschieden. Sowohl im "Bokmål" als auch im "Nynorsk" hat der Plural aller regelmäßigen Adjektive immer die Endung "-e"; diese Endung haben auch alle veränderlichen schwachen Adjektive für alle Geschlechter.
Maskuline und feminine Formen sind im Singular endungslos: "en gammel" (BM) bzw. " ein gammal" (NN) „ein alter“, "ei gammel" (BM) bzw. " ei gammal" (NN) „eine alte“; das Neutrum hat im Singular die Endung "-t" (oder "-tt"): "et gammelt" (BM) bzw. "eit gammalt" (NN) „ein altes“, "blått lys" „blaues Licht“. Im Plural gilt fast immer die Endung "-e".
Adjektive werden schwach dekliniert, wenn das Substantiv durch den bestimmten Artikel, das Demonstrativpronomen "denne/dette/disse" (dies), ein Possessivpronomen (mein, dein, sein...) oder ein Genitivattribut näher bestimmt ist: "fars store hus" verlangt ein schwach dekliniertes Adjektiv, während es im Deutschen stark dekliniert wird: „Vaters großes Haus“.
Vergleiche:
Nur bei einigen Personalpronomina gibt es im Norwegischen einen Unterschied zwischen Nominativ und Akkusativ. Nur im Singular der 3. Personen gibt es geschlechtige Formen.
"han – ham/han" und "hun – henne" werden nur für Personen verwendet, wenn das grammatische Geschlecht des betreffenden Wortes männlich oder weiblich ist.
Mit "den" dagegen bezeichnet man Dinge männlichen oder weiblichen Geschlechts.
"det" wird bei Personen und Dingen verwendet, wenn das grammatische Geschlecht sächlich ist.
Beispiele: "mannen – han er her" „der Mann – er ist hier“, "kvinna – hun er her" „die Frau – sie ist hier“, "døra – den er her" „die Tür – "sie" ist hier“, "barnet – det er her" „das Kind – es ist hier“.
Die Objektivformen "ham" und "han" sind gleichbedeutend und gleichberechtigt; in der gesprochenen Sprache überwiegt "han".
"den, det" und "de" haben auch die Bedeutung „jener/jene, jenes“ und „jene“. Außerdem werden sie als bestimmter Artikel vor Adjektiven verwendet.
"han" und "ho" werden (wie im Deutschen, aber anders als im "Bokmål") nicht nur für Personen, sondern auch für männliche bzw. weibliche Dinge verwendet.
Die Objektformen "henne" und "ho" in der 3. Person Singular feminin sowie die Formen "de" und "dokker" in der 2. Person Plural sind gleichbedeutend und gleichberechtigt. "Dokker" wurde anlässlich der Rechtschreibreform von 2012 eingeführt, während gleichzeitig die bis dahin neben "han" gültige Objektsform "honom" (3. Person Singular maskulin) wegfiel.
"den, det" und "dei" haben auch die Bedeutung „jener/jene, jenes“ und „jene“. Außerdem werden sie als bestimmter Artikel vor Adjektiven verwendet.
Possessivpronomina werden ähnlich wie Adjektive gebeugt, jedoch gibt es keine schwachen Formen. Im Norwegischen werden die Personalpronomen oft nachgestellt; das zugehörige Substantiv erhält in diesem Fall den bestimmten Artikel angehängt: "mitt hus" = "huset mitt" „mein Haus“.
Das Norwegische hat die ursprünglich differenzierten Personalendungen vereinfacht, so dass heute jedes Verb in allen Personen die gleiche Endung hat – dasselbe gilt für alle skandinavischen Sprachen außer Isländisch, Färöisch sowie einigen norwegischen und schwedischen Dialekten. Noch bis etwa um 1900 waren Personalendungen in beiden schriftlichen Sprachen üblich. "Bokmål" benutzte das gleiche System, wie es im älteren Dänischen verwendet wurde. Auf "Nynorsk" sah die Konjugation folgendermaßen aus; man beachte die mit dem älteren Schwedisch übereinstimmenden Pluralendungen:
starkes Verb Einzahl: "å ganga" (heute "å gå") "– eg gjeng – eg gjekk – eg hev gjenge" ([zu] gehen – ich gehe – ich ging – ich bin gegangen)
starkes Verb Mehrzahl: "å ganga – dei ganga – dei gingo – dei hava gjenge" ([zu] gehen – sie gehen – sie gingen – sie sind gegangen)
Verben, deren Wortstamm auf einen Konsonanten endet und die damit mehrsilbig sind, haben als Infinitivendung im "Bokmål" die Endung "-e," im "Nynorsk" wahlweise die Endung "-e" oder "-a:"
Verben, deren Stamm vokalisch endet, sind im Infinitiv endungslos:
Einige im Infinitiv normalerweise einsilbige Verben kennen auch eine (freilich nur sehr selten benutzte) Langform, wozu detaillierter weiter unten mehr.
Es gibt nur eine Imperativform für die 2. Person Singular/Plural. Sie wird gebildet, indem die Infinitivendung weggelassen wird. Nach gewissen Konsonantenverbindungen kann das auslautende "-e" erhalten bleiben, damit die Form leichter auszusprechen wird (3. Beispiel); diese Form gilt jedoch als dialektal, standardsprachlich sagt man "åpn!". Ein auslautendes "mm" wird vereinfacht (2. Beispiel):
Der Imperativ wird durch "ikke" (Bokmål) / "ikkje" (Nynorsk) verneint:
"drikk ikke så mye!" (BM) / "drikk ikkje so mykje!" (NN) „trink nicht so viel!“
Im "Bokmål" wird das einfache Präsens gebildet, indem man an den Infinitiv ein "-r" anhängt:
Im "Nynorsk" hängt man an den Wortstamm je nach Konjugation gar keine Endung (teilweise zugleich mit Umlaut; bei der starken und der rückumlautenden schwachen Konjugation), "-r" (bei einsilbigen starken oder schwachen Verben), "-ar" (bei der ersten schwachen Konjugation) oder "-er" (bei der zweiten schwachen Konjugation):
Im "Nynorsk" korrespondieren diese Präsensendungen mit den verschiedenen Endungen des Präteritums (siehe unten).
Die einzigen Ausnahmen sind folgende Verben (vor dem Schrägstrich steht die Form des "Bokmål", danach diejenige des "Nynorsk"):
sowie die Modalverben:
Im Norwegischen gibt es zwei Arten, das Passiv zu bilden. Die eine funktioniert genau wie im Deutschen mit dem Hilfsverb "å bli" „werden, bleiben“ und dem Partizip Perfekt; im "Nynorsk" kann statt "å bli" auch "å verte/verta" gebraucht werden (BM = Bokmål, NN = Nynorsk):
Es gibt im "Bokmål" noch eine weitere Möglichkeit zur Bildung des Passivs im Infinitiv, im Präsens sowie in der einfachen Vergangenheit bei schwachen Verben der 2. und 3. Konjugation (siehe unten):
Im s-Passiv wird die Präsens-Endung "-r" ersetzt durch "-s" bzw. "-s" wird an die Form der einfachen Vergangenheit angehängt:
Beispiele:
Im "Nynorsk" ist die Verwendung des s-Passivs viel eingeschränkter; sie findet sich fast nur nach Modalverben (siehe unten) und bei Deponentien (das sind Verben, die nur in der Passiv- bzw. Mediumform vorkommen). Die Passiv- bzw. Mediumendung im "Nynorsk" lautet "-st:"
Die Passivform wird im "Bokmål" wie im "Nynorsk" oft in Bedienungsanleitungen als unpersönliche Aufforderung verwendet. Zusammen mit Modalverben kann diese Form auch als Infinitiv verwendet werden:
Im Norwegischen kann man ebenso viele Zeiten wie im Deutschen bilden ("kom" „kam“ [Präteritum // Imperfekt], "har kommet" „bin gekommen“ [Perfekt], "hadde kommet" „war gekommen“ [Plusquamperfekt], "skal/vil komme" „werde kommen“ [Futur I], "skal/vil ha kommet" „werde gekommen sein“ [Futur II // Perfekt-Futur]).
Für die Perfekt-Zeiten verwendet man in der Regel das Hilfsverb "ha" „haben“. "være" (BM) bzw. "vere" (NN) „sein“ kann man verwenden, um einen Zustand oder ein Ergebnis auszudrücken: "hun er gått" = „sie ist gegangen“ → „sie ist weg“. Im "Bokmål" ändert der Gebrauch von "ha" oder "være" an der Verbform nichts, im "Nynorsk" dagegen bleibt das Verb nach "ha" unflektiert, wogegen es nach "vere" in der Regel flektiert wird; vgl. Bokmål "han/hun/det/de har kommet, han/hun/det/de er kommet" versus Nynorsk "han/ho/det/dei har kom(m)e", aber "han/ho er kom(m)en, det er kom(m)e, dei er komne". Das Futur wird mit den Hilfsverben "skulle" oder "ville" gebildet oder auch mit der Konstruktion "komme til å".
"vil" und "skal" können auch modale Bedeutung haben („will“ und „soll“). Aus dem Kontext muss man erschließen, ob sie lediglich als Zukunfts-Marker verwendet werden.
Das Norwegische kennt für das Präteritum drei schwache Konjugationen.
Im "Nynorsk" korrespondieren diese verschiedenen Präteritumsendungen mit den verschiedenen Endungen im Präsens, vgl.:
Am häufigsten verwendet das Norwegische (wie auch das Englische) das Präteritum. Das Perfekt wird u. a. verwendet, wenn es keine Zeitangabe gibt oder es um andauernde Zustände geht.
Das Norwegische kennt zwischen hundertfünfzig und zweihundert starke und unregelmäßige Verben. Zum Beispiel: "dra, dro, dratt" (Bokmål) = "dra, drog, drege" (Nynorsk) „ziehen, zog, gezogen“ = englisch "draw, drew, drawn" = „ziehen, zog, gezogen“ ("dra" ist etymologisch verwandt mit „tragen“, vgl. also „tragen, trug, getragen“).
Das Partizip (Perfekt) der Vergangenheit endet im "Bokmål" immer auf "-t", nie auf "-en": "drikke, drakk, drukket", im Deutschen aber: „trinken, trank, getrunk"en"“. Im "Nynorsk" hingegen wird das Partizip Perfekt hinter dem Hilfsverb "vere" flektiert: "han/ho er kommen, det er komme, dei er komne" „er ist, es ist, sie sind gekommen“, nach "ha" jedoch nicht: "han/ho/det/dei har lese" „er hat, es hat, sie haben gelesen“.
Während die Gesamtheit der Beugungsformen des "Nynorsk" im Allgemeinen komplexer ist als diejenige des "Bokmål", gilt bei den starken Verben der umgekehrte Fall: So gibt es in der I. starken Klasse des "Bokmål" unter anderem folgende Verbtypen: "gripe – gre(i)p – grepet, skri(de) – skred/skrei – skredet, bite – be(i)t – bitt, drite – dre(i)t – dritet, klive – kleiv – klevet/klivd, ri(de) – red/rei(d) – ridd, li(de) – led/lei(d) – lidt"... Im "Nynorsk" hingegen werden in dieser Klasse alle Verben nach lediglich zwei Typen flektiert: 1) "gripe – greip – gripe, bite – beit – bite, drite – dreit – drite, klive – kleiv – klive" und 2) "ri(de) – reid – ride/ridd/ridt, li(de) – leid – lide/lidd/lidt, skri(de) – skreid – skride/skridd/skridt".
Die meisten starken Verben des "Nynorsk" werden nach folgenden Haupttypen konjugiert:
Eine ähnliche Zusammenfassung für "Bokmål" zu machen, ist fast ausweglos, da in dieser Varietät die den obigen Reihen 1–4 entsprechenden Gruppen sehr stark zersplittert sind. Der Hauptgrund hierzu liegt in einer inkonsequent vorgenommenen Standardisierung, in der dänische Tradition, südostnorwegische Dialekte und weitere Kriterien bunt gemischt sind. Eine Liste der wichtigeren unregelmäßigen Verben des "Bokmål" findet sich bei den externen Links.
Der Bedeutungsumfang der norwegischen Präpositionen lässt sich nicht ohne Weiteres auf ihre deutsche Entsprechung übertragen. So heißt es norwegisch "å klatre i et tre" mit der Präposition "i" „in“, während es im deutschen „"auf" einen Baum klettern“ heißt. Im Folgenden werden deshalb nur die wichtigsten Präpositionen mit einer allgemeinen Übersetzung aufgeführt (bei Doppelformen vor dem Bruchstrich Bokmål, danach Nynorsk):
Häufig sind Kombinationen "ved siden/sida av" „an der Seite von = neben“, "frem til" „bis“.
Die wichtigsten Konjunktionen sind (bei Doppelformen vor dem Bruchstrich Bokmål, danach Nynorsk):
Beiordnend:
Unterordnend:
Kombinationen: "selv om" „selbst wenn, obwohl“, "så at" „sodass“.
Das Relativpronomen im Nominativ und Akkusativ ist "som" – im Akkusativ kann es entfallen. Präpositionen werden ans Satzende gestellt, das Relativpronomen entfällt (die Beispiele in "Bokmål"): "huset som er hvitt" „das Haus, das weiß ist“, "huset (som) jeg ser er hvitt" „das Haus, das ich sehe, ist weiß“, "huset hun bor i" „das Haus, in dem sie wohnt“.
Im Norwegischen gibt es (fast) keinen Konjunktiv, bei der indirekten Rede muss die Zeit deshalb an die des einleitenden Verbs angeglichen werden.
Steht eine unterordnende Konjunktion am Satzanfang, ändert sich die grundlegende Satzstellung nicht, wohl aber die Positionen von Adverbien wie "ikke/ikkje".
Die nach schwedischem und englischem Muster gebildeten Zahlen des Typs Zehner + Einer, also etwa 51 – "femtién/femtiéin," 52 – "femtito," 53 – "femtitre," 54 – "femtifire," 55 – "femtifem," 56 – "femtiseks," 57 – "femtisju," 58 – "femtiåtte," 59 – "femtini," wurden 1951 per Parlamentsbeschluss offiziell eingeführt. Zuvor bildete man diese Zahlen offiziell wie im Dänischen und Deutschen, also Einer + "og" („und“) + Zehner: 51 – "énogfemti/éinogfemti," 52 – "toogfemti," 53 – "treogfemti," 54 – "fireogfemti," 55 – "femogfemti," 56 – "seksogfemti," 57 – "sjuogfemti," 58 – "åtteogfemti," 59 – "niogfemti". In der gesprochenen Alltagssprache ist diese letztere Zählweise allerdings auch heute noch weit verbreitet; die meisten Menschen gebrauchen wechselweise das eine oder das andere System – nur bei den Telefonnummern hat sich das neue System vollständig durchgesetzt. Ebenfalls inoffiziell und dennoch verbreitet sind die dem Riksmål angehörigen "tyve" statt "tjue" für 20 und "tredve" statt "tretti" für 30.
Der norwegische Satz hat als Grundwortstellung Subjekt – Prädikat (Verb) – Objekt. Die Satzstellung wird auch nach unterordnenden Konjunktionen weitgehend beibehalten, außer dass sich die Position der Negationspartikel vor das infinite Verb verschiebt: "fordi han ikke ville betale" „weil er nicht bezahlen wollte“.
Inversion (Vertauschung des finitiven Prädikates und des Subjektes) tritt auf, wenn am Satzanfang statt des Subjektes ein Adverb, das Objekt oder ein untergeordneter Nebensatz steht: "i morgen skal jeg komme" „"morgen" werde ich kommen“, "takk skal du ha!" „"Dank" sollst du haben!“, "hvis det regner, blir jeg hjemme" = "regner det, blir jeg hjemme" „falls es regnet, bleibe ich zuhause“ = „regnet es, bleibe ich zuhause“.
Unter Anwendung des Feldschemas von Paul Diderichsen ist ein Hauptsatz wie folgt aufgebaut:
Im Vorfeld können außer dem gebeugten Verb prinzipiell alle Satzteile stehen, am häufigsten aber das Subjekt. Steht ein anderer Satzteil als das Subjekt im Vorfeld, so bleibt dessen eigentlicher Platz unbesetzt.
Im Nebensatz steht das Satzadverbial immer vor dem Verb bzw. den Verben und unmittelbar nach dem Subjekt:
Im Vergleich zum heutigen Isländischen und Färöischen fehlen dem Norwegischen folgende grammatikalische Strukturen: Kasus (mit Ausnahmen einer Art Genitiv), Substantivklassen, Personalendungen (es gilt pro Zeit je eine flektierte Einheitsform), Konjunktive (die erhaltenen Reste sind lexikalisiert), besondere Formen für den Plural der Präteritopräsentia und der starken Verben im Präteritum. Die Struktur des Norwegischen/Dänischen/Schwedischen entspricht also etwa derjenigen des Neuenglischen, während die des Isländischen/Färöischen etwa der des Althochdeutschen nahekommt. Differenzierter liegen die Verhältnisse in der Morphologie: Im Bereich der Pluralbildung der Substantive sowie der Ablautungen des starken Verbs steht "Nynorsk" dem Isländischen, Färöischen und Schwedischen näher, "Bokmål" hingegen dem Dänischen.
Lautlich steht das Norwegische in gewisser Hinsicht dem Deutschen nahe: Abschwächung der Auslautvokale im "Bokmål" zu Schwa, Verlust der altnordischen th-Laute (þ, ð), Zäpfchen-R in einigen westlichen Dialekten. "Nynorsk" ähnelt dem Deutschen sodann in Bezug auf seinen Reichtum an Diphthongen. Im Gegensatz zum Deutschen haben aber alle skandinavischen Sprachen die hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb es viele Unterschiede bei den Konsonanten gibt ("t" = "z/ss/ß", "k" = "ch", "p" = "pf/ff/f", "d" = "t"). Ein grundlegender Unterschied zwischen Norwegisch und Deutsch besteht im Weiteren darin, dass Norwegisch (wie Schwedisch) neben dem Druckakzent auch einen musikalischen Akzent kennt; siehe Akzente in den skandinavischen Sprachen.
Die festlandskandinavischen Sprachen wurden zur Zeit der Hanse sehr stark von niederdeutschen Fremdwörtern geprägt. Nahezu ganze Sätze können ohne ursprünglich im Nordgermanischen vorhandene Wörter gebildet werden. Dies stellt einen erheblichen Unterschied zu Isländisch und Färöisch dar, die erfolgreich bestrebt sind, ihre Sprachen von Fremdwörtern aller Art rein zu halten (Sprachpurismus).
Die festlandskandinavischen Sprachen (d. h. die meisten dänischen, schwedischen und norwegischen Dialekte sowie die jeweiligen Hochsprachen) haben das altnordische Kasussystem (von genetivischem "-s" sowie einem Teil der Personalpronomen abgesehen) nicht bewahrt (vgl. isländisch "hundur, hunds, hundi, hund" „ein Hund, eines Hundes, einem Hunde, einen Hund“). Im Altnordischen verlangten einige Präpositionen den Genitiv, andere den Dativ, weshalb diese Kasus in bestimmten festen Redewendungen immer noch vorkommen, etwa: "gå til bords" (Genitiv mit der Endung "-s") „zu Tische gehen“ gegenüber "gå til stasjonen" „zum Bahnhof gehen“, "være/vere på tide" (Dativ mit der Endung "-e") „an der Zeit sein“ gegenüber "være/vere på taket" „auf dem Dach sein“.
Lebendige Dativformen kommen noch in den innernorwegischen Mundarten vor, etwa "båten" „das Boot“, Dativ Singular "båté, båta" „dem Boot“, Plural "båta(r)ne" „die Boote“, Dativ Plural "båtå(m)" „den Booten“.
Das norwegische Suffix "-s", das an jedes Substantiv angehängt werden kann (s. o.), geht historisch auf den Genitiv der a-Deklination zurück, wurde aber im Laufe der Sprachgeschichte verallgemeinert. Im Altnordischen hatten i- und u-Stämme, schwach deklinierte Wörter sowie Feminina niemals diese Endung (vgl. neuisländisch "hunds" „eines Hundes“ – ggü. "vallar" „eines Feldes“ / "afa" „Großvaters“ / "ömmu" „Großmutters“, im Plural "valla, afa, amma").
Schon im Altnordischen war "-n" am Wortende weggefallen, daher endet der Infinitiv im Norwegischen auf "-e" oder "-a" (vgl. neuhochdeutsch „-en“, althochdeutsch und gotisch „-an“). Auf dialektaler Ebene hat in Südwestnorwegen der Infinitiv die Endung "-a" (z. B. "lesa" „lesen“, "finna" „finden“), in Nordwestnorwegen "-e" ("lese", "finne);" in Ostnorwegen gilt dann "-a," wenn der Wortstamm im Altnordischen leicht war, und "-e," wenn der Wortstamm im Altnordischen schwer war (z. B. "lesa" gegenüber "finne"). Im Dialekt von Trøndelag tritt Apokope auf, d. h. der Infinitiv kann ohne Endung auftreten (z. B. "les", "finn"). Das "Nynorsk" spiegelt diese Verhältnisse wider, indem der Infinitiv wahlweise sowohl auf "-e" als auch auf "-a" enden kann.
Die Verbendungen "-ar" und "-er" der schwachen Verben entsprechen den Endungen der 2. und 3. Person Singular im Altnordischen; vgl. alt- und neuisländisch "talar, segir" „[du] sprichst, sagst, [er] spricht, sagt“. Die Nullendung der starken Verben im "Nynorsk", z. B. ohne Umlaut "han bit" „er beißt“ zu Inf. "bite", "han skyt" „er schießt“ zu Inf. "skyte", mit Umlaut "han tek" „er nimmt“ zu Inf. "ta(ke)", "han kjem" „er kommt“ zu Inf. "kom(m)e", entspricht ebenfalls der ursprünglichen 2. und 3. Person Singular, vgl. altnorwegisch/altisländisch "han bítr" „er beißt“, "han skytr" „er schießt“, "han tekr" „er nimmt“, "han kømr" „er kommt“, denn viele Dialekte stoßen hier in lautgesetzlicher Übereinstimmung etwa mit dem Vorgang altnorwegisch/altisländisch "hestr" > neunorwegisch "hest" „Pferd“ die eigentliche Flexionsendung "-r" ab, und die entsprechenden Formen wurden deshalb auch in die Standardvarietät übernommen. Daneben gibt es allerdings Dialekte, wo die altnorwegische Endung "-r" als "-er" oder aber "-e" erhalten geblieben ist; dialektal gibt es somit neben standardisiertem "han bit, han skyt, han tek, han kjem" auch "han bite(r), han skyte(r), han teke(r), han kjeme(r)". Die umlautlose "Bokmål"-Form "kommer" entspricht sowohl der dialektalen Lautung Südostnorwegens als auch der dänischen Form.
Heute gelten diese standardsprachlichen Formen Bokmål "kommer" = Nynorsk "kjem" für alle Personen im Singular und Plural. In einigen innernorwegischen Mundarten gibt es jedoch immer noch eine Numerusbeugung, allerdings jeweils nur eine Form für Singular und Plural: Präsens "eg/du/han/ho drikk" > "vi/de/dei drikka", Präteritum "eg/du/han/ho drakk" > "vi/de/dei drukko" – gleich dem älteren Schwedisch.
Ein Teil der norwegischen Mundarten kennt auch noch einen Konjunktiv im Präteritum, etwa "eg vore" oder "eg vøre", deutsch „ich wäre“.
Ursprünglich waren alle Verben im Infinitiv zwei- oder mehrsilbig; bei einigen Verben ist allerdings der stammschließende Konsonant und infolgedessen auch die Infinitivendung geschwunden: vgl. englisch "give" „geben“ gegenüber "Bokmål" "gi;" im Präteritum "gav" (Nebenform: "ga") „gab“ ist das "v" aber (wie bei englisch "gave") erhalten geblieben.
"Nynorsk" kennt bei diesen Verben zumeist sowohl lange als auch kurze Formen, im genannten Fall also die Infinitivvarianten "gje" und "gjeve/gjeva" „geben“, wobei in der Praxis die kurze Variante "gje" im Infinitiv, hingegen die von der Langform abgeleitet Variante "gjev" im Präsens bevorzugt wird. Im Präteritum gilt jedoch allein von der Langform hergeleitetes "gav", im Partizip Perfekt stehen "gjeve" und "gitt" wiederum nebeneinander. Ein ähnlicher Fall ist etwa Infinitiv "ta" (selten "take/taka") „nehmen“, Präsens "tek" oder "tar", Präteritum allein "tok", Partizip Perfekt "teke" oder "tatt". Etwas abweichend, indem auch im Präteritum die von der Kurzform hergeleitete Form stehen kann, geht beispielsweise "ri" „reiten“ mit Präsens "rid" oder "rir", Präteritum "reid" oder "rei", Partizip Perfekt "ride" oder "ridd/ridt".
Der Sprachcode nach ISO 639 ist für "bokmål" codice_1 beziehungsweise codice_2 (früher codice_3) und für "nynorsk" codice_4 beziehungsweise codice_5. Für die norwegische Sprache insgesamt gibt es die Codes codice_3 beziehungsweise codice_7.
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