Roma

Roma (Mehrzahl männlich, mitunter auch rom; Einzahl männlich: rom, Einzahl weiblich: romni, Mehrzahl weiblich: romnija) ist der Oberbegriff für eine Reihe von Bevölkerungsgruppen, denen ihre Sprache, das indoarische Romanes, und mutmaßlich auch eine historisch-geographische Herkunft (indischer Subkontinent) gemeinsam sind. Ganz überwiegend sind sie seit mindestens 700 Jahren in Europa beheimatet. Sie sind in ihren jeweiligen Heimatländern bei unterschiedlicher Größenordnung stets Minderheiten. Sie bilden insgesamt keine geschlossene Gemeinschaft, sondern teilen sich in zahlreiche unterschiedliche Gruppen mit vielfältigen, von der Sprache, Kultur und Geschichte der jeweiligen Dominanzgesellschaft geprägten Besonderheiten.
Roma bilden die größte „ethnische“ Minderheit Europas. Viele Angehörige der Roma werden sowohl aufgrund ethnischer Zuschreibungen als auch aufgrund ihrer sozialen Situation marginalisiert und stehen so im Schnittfeld zweier Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung, die sich wechselseitig verstärken. In manchen europäischen Staaten sind sie über eine gesellschaftliche Randstellung hinaus noch in jüngster Zeit offener Verfolgung ausgesetzt gewesen oder noch ausgesetzt.
"Roma" wird im Deutschen etwa im Wortpaar "Sinti und Roma" abgrenzend von der Teilgruppe der Sinti auch als Bezeichnung für osteuropäische Roma oder mit diffusem Inhalt benutzt.
Im allgemeinen Verständnis und in weitgefasster Definition bezeichnet „roma“ (Sg. m. "rom", Pl. m. neben "roma" auch "rom"; Sg. f. "romni", Pl. f. "romnija"; "rom"; ein von dem Romanes-Nomen abgeleitetes deutsches Adjektiv gibt es nicht) gruppenübergreifend ausgehend von der Eigenbezeichnung in der Sprache Romanes die Angehörigen der Gesamtminderheit.
Historisch belegt sind „rom“ und „romni“ im deutschen Sprachraum ein erstes Mal 1726 im "Waldheimer Lexikon" der „rothwelschen“ und der „zigeunerischen Sprache“ eines unbekannten Verfassers mit der Übersetzung „Manns-Person“ und „Frau“. In einer Darstellung von „Zigeunern“ in Preußisch-Litauen von 1793 stellt der Verfasser die Frage „Wie also nennen sich die Zigeuner?“ Er beantwortet sie mit „Rom oder Romma in der mehrern Zahl; Rom in der einfachen.“ Er schreibt, dass das Wissen seines Gewährsmanns mehrere Jahrzehnte zurückreiche; es dürfte mithin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Das Roma-Projekt der Universität Graz geht davon aus, "Roma" stelle „ein grundlegendes – wahrscheinlich das ursprünglichste – und alles mit einbeziehende Autonym“ der Angehörigen der Minderheit dar. Roma hätten diesen Namen aus Indien mitgebracht.
Auf Empfehlung seiner Sprachkommission tritt der von den Vereinten Nationen anerkannte Weltdachverband, die International Roma Union (IRU), für „Roma“ (bzw. englisch auch: Romani) als Bezeichnung aller Menschen mit Roma-Herkunft ein. Der erste Weltkongress der internationalen Bürgerrechtsbewegung der Roma in London 1971 legte die Bezeichnung „Roma“ als Gesamtkategorie für die unterschiedlichen Teilgruppen offiziell fest. Auch der zweite internationale Dachverband von Roma-Organisationen, der Roma National Congress (RNC), verwendet den Begriff „Roma“ als Überbegriff.
Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) empfahl 1998 den Mitgliedsstaaten des Europarats mit ihrer Allgemeinen politischen Empfehlung Nr. 3 („Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz gegen Roma/Sinti“), dafür zu sorgen, dass der für die verschiedenen partikularen Gruppen der Roma verwendete Name der ist, „mit dem die jeweilige Gemeinschaft bezeichnet werden möchte“.
Die Durchsetzung von "Roma", partikularer Eigenbezeichnungen ("Ashkali", "Beasch", "Burgenland-Roma", "Lalleri", "Kalderasch", "Lovara", "Manouches", "Sinti", "Xoraxane", ...) bzw. regional üblicher Doppelbezeichnungen ("Sinti und Roma" bzw. "Roma und Sinti") im medialen, halbamtlichen und amtlichen Sprachgebrauch geht wesentlich zurück auf die Anstrengungen der seit den 1970er Jahren entstandenen Selbstorganisationen der Roma und der Bürgerrechtsbewegung für die gesellschaftliche Anerkennung und Integration der Minderheit. Die Romanes-Eigenbezeichnungen sollen dazu beitragen, den abschätzigen mehrheitsgesellschaftlichen Blick in Frage zu stellen, wie er diskriminierend in "Zigeuner" Ausdruck findet. Sie sollen die gesellschaftliche Anerkennung und Eingliederung der Minderheit fördern.
Inzwischen beginnt sich die Feststellung von einer „in zahlreiche Untergruppen gegliederten Minderheit“ gegen ältere essentialistische und oft erbbiologisch-rassistische oder kulturrassistische Konzepte durchzusetzen. Es gibt demnach keine in sich geschlossene Kultur "der" Roma, sondern eine Vielfalt von Roma-Kulturen. Die verschiedenen Gruppen seien geprägt von den – ebenfalls jeweils im Vergleich miteinander wie in sich vielfältigen – Mehrheitsgesellschaften, in denen sie beheimatet sind oder es im Zuge von Migrationsbewegungen waren. Diese Sichtweise geht einher mit einer verstärkten Hervorhebung der Einzelgruppen mit ihren jeweiligen Eigenbezeichnungen. Dennoch vertritt der Sinto Romani Rose als Vorsitzender des Dachverbands Deutscher Sinti und Roma mit Blick auf die von seinem Verband gewählte, Einzelgruppen betonende Doppelbezeichnung „Sinti und Roma“ den Standpunkt, „der Oberbegriff ist eigentlich Roma, weil die 10 bis 12 Millionen Angehörigen unserer Minderheit sich als Roma bezeichnen.“
Wichtige Kategorien der Selbstdefinition einer Teilgruppenzugehörigkeit, der Abgrenzung von anderen Gruppen und der Selbstbenennung sind (historische) Berufsgruppen ("Kalderasch", "Lovara"), die Sprache (z. B. Türkisch in Südosteuropa), die Religionszugehörigkeit (z. B. Moslem in christlichem Umfeld: "Xoraxane") oder geografische Herkunftszuschreibungen ("Ägypter", "Sinti Extraixaria" [="österreichische Sinti"]).
Neben dem systematischen Gebrauch von "Roma" als übergeordneter Bezeichnung der romanessprachigen Gesamtminderheit tritt der Begriff in einigen Anwendungen mit diffusem Inhalt in unterschiedlichen, oft disparaten Reihungen auf:
Beispiele für die ersten beiden Fälle wären z. B.: „Roma, Sinti und Kále“, „Sinti, Roma, Lalleri, Lowara oder Manusch“, „Roma“ und „the Sinti groups, which includes the Romanichals, the Cale of Spain, and other such“, „Roma, Sinti, Manuš, Kalé, Gitanos, Cinganos, ...“. "Roma and their conational Sinti, Kale, Manouches and Romanichals".
Ein Beispiel für den dritten Fall wäre: „Roma, Gypsies, Manouches, Kalderash, Machavaya, Lovari, Churari, Romanichal, Gitanoes[so!], Kalo, Sinti, Rudari, Boyash, Travellers, Ungaritza[so!], Luri, Bashalde, Romungro, Yenish, Xoraxai, and other groups“.
Das schließt jeweils nicht aus, dass „Roma“ daneben zugleich als Dachbezeichnung für die genannten Gruppen gesehen und verwendet wird. Es handelt sich jeweils um individuelle, singuläre Verwendungsweisen eines Autors, von Bezeichnungskonventionen lässt sich in diesen Fällen nicht sprechen.
Eine hybride Form verwendet der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal mit dem von der Selbstbezeichnung abgeleiteten Gesamttitel „Romvölker“. Es handle sich – so eine Kritik unter Verweis auf das 19. Jahrhundert – um einen „Neologismus“, der in der Tradition der Konstruktion von „Völkern“ stehe.
Abseits der europäischen Konvention bewegt sich die Sammelbezeichnung "Sinti und Roma" bzw. "Roma und Sinti". Sie entspricht der Terminologie der Mitgliedsverbände des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bzw. in umgekehrter Rangfolge der Terminologie österreichischer Selbstorganisationen wie des Kulturvereins österreichischer Roma. Außerhalb des deutschen Sprachraums ist die Doppelbezeichnung weitgehend unüblich.
Mit dem Wortpaar gemeint sind
Daneben existiert eine enge Auslegung von "Sinti und Roma" durch deutsche, mehrheitlich von Sinti bestimmte Selbstorganisationen, die von „deutschen Sinti und Roma“ sprechen. Zusammengeführt werden hier nach Staatsbürgerschaft als Teil eines deutschen Staatsvolks erstens „autochthone“ Sinti und zweitens in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland migrierte osteuropäische Roma. Darin nicht aufgenommen sind die im 20. Jahrhundert in mehreren Schüben nach Deutschland migrierten osteuropäischen Roma, von denen freilich viele z. B. als „Gastarbeiter-Roma“ ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit haben.
In Deutschland bzw. in Österreich ist das Wortpaar im öffentlichen Sprachgebrauch neben „Roma“ etabliert, wiewohl es
„Sinti“ tritt 1787 in der Variante „Sende“ in der "Sulzer Zigeunerliste" auf, dann mit „Sinte heißt also dieses Volk“ ein weiteres Mal in der oben genannten Quelle von 1793. Wiederum ist es auf die Gesamtheit der Angehörigen der Minderheit bezogen, wenngleich nachrangig zu "Roma".
Eine ebenfalls europaweit verbreitete, bei Nicht-Roma kaum bekannte alte Gesamtbezeichnung ist "Kale". Das Wort ist abzuleiten von "kalo", Romanes für „schwarz“, und gehört ebenfalls zu den aus dem 18. Jahrhundert bekannten Eigenbezeichnungen für die Gesamtheit der Angehörigen der Minderheit, wenngleich nachrangig zu "Roma". Es findet sich im weiten europäischen Raum für albanische "Aschkali", finnische "Kale", iberische "Calé" der unterschiedlichen regionalen Zuordnung, böhmische "Lalere Kale" oder walisische Kaale ("Welsh Kaale"/"Volsenenge Kale").
Das bevorzugte Romanes-Wort für die Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung ist gadzo (f. gadzi). Die Transkription des gesprochenen Worts fällt aufgrund unterschiedlicher Aussprache und unterschiedlicher Normierung unterschiedlich aus. Wörtlich übersetzt heißt es „Bauer“. Es erklärt sich aus der Lebenswelt der Vormoderne sowie aus einem Abgrenzungsbedürfnis gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und hat oft eine negative Konnotation.
Ein weiterer weniger an dem Stereotyp eines Gegensatzes von „nicht sesshafter“ und ortsansässiger Lebenswelt orientierter, zwar abgrenzender, aber nicht abwertend gemeinter Begriff ist im Romanes der Sinti "raklo" (f. "rakli").
Soweit sich Migration von Roma oder ihrer historischen Vorgängergruppen feststellen lässt, ordnet sie sich ein als eine Normalität, wie sie generell in der Geschichte von Bevölkerungsgruppen zu beobachten ist. Migration ist kein Spezifikum von Roma oder von einzelnen Roma-Gruppen.
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts legen sprachwissenschaftliche Untersuchungen die Annahme nahe, dass die frühen Vorfahren der europäischen Roma auf vormals im Nordwesten des indischen Subkontinents lebende Bevölkerungsgruppen zurückgeführt werden können. Die heutige Romanes-Linguistik präzisiert diese Hypothese zu „Zentralindien, Auswanderung nach dem Nordwesten und längerem Aufenthalt dort“. Populationsgenetische Annahmen, wie sie gelegentlich in den Tagesmedien in Erscheinung treten, sind für die fachliche Diskussion nicht von Bedeutung.
„Herkunft, Zeitpunkt und Ursachen der Abwanderung der Vorfahren der Roma ... [sind] nach wie vor strittig.“ Zu den jeweiligen Kulturen könnten mangels Belegen keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Lebendige Verbindungen zu den Herkunftsräumen des indischen Subkontinents gibt es seit Jahrhunderten nicht mehr, zu damals dort lebenden Bevölkerungsgruppen kann es sie nicht geben. Eine gemeinsame Herkunftsgruppe der heutigen Roma und der heutigen nahöstlichen Dom mit ebenfalls einer Sprache indoarischer Herkunft und mit „nomadischer“ Lebensweise (wie sie real für Roma untypisch ist) gilt als spekulativ. Den Versuchen, die Herkunft der Roma auf die Herkunft von einzelnen heutigen indischen Bevölkerungsgruppen zu beziehen, so auf Dom, Jat, Zott oder Luri, fehlen jeweils überzeugende Belege.
Der Bezug zu Indien hat demnach Bedeutung vor allem als Herkunftsmythos. Er hat eine feste Position in der Minderheit, im mehrheitsgesellschaftlichen Alltagsdenken wie im wissenschaftlichen Fachdiskurs. Er ist von Analogien zum mehrheitsgesellschaftlichen Konstrukt von „Zigeunern“ bzw. „Gypsies“ („Nomadenvolk“, Marginalisierung und Diskriminierung als „Paria“, ambulanter Erwerb, häufiges Musizieren usw.) geprägt. Daher gelten entsprechende Verweise manchen Fachwissenschaftlern auch als fragwürdig. Auch auf die Frage, was "Deutschsein" heiße, würde niemand "auf eine mehr als eintausend Jahre ... zurückliegende Zeit verweisen, als die germanische Ursprache entstand".
Hypothetisch sind auch die Angaben zur Migration der Vorgänger der heutigen Roma nach Europa. Einen Konsens gibt es in etwa darüber, dass sie jedenfalls spätestens seit dem 14. Jahrhundert aus Kleinasien kommend in Südosteuropa leben. Annahmen zu mehreren, unterschiedlichen Zugangsrouten gelten inzwischen als durch den sprachlichen Befund widerlegt. Dass der Erbwortschatz des Romanes keine arabischen Wörter enthält, belegt nach der Historikerin Karola Fings (2016), dass diese Menschen "mit einer einzigen Migrationsbewegung" nach Europa kamen und nicht zusätzlich über eine durch arabischsprachige Gebiete führende "Südroute". Bereits die Ethnologin Katrin Reemtsma nannte zwanzig Jahre zuvor in ihrer Übersichtsdarstellung diese mitunter erwogene an einen "ägyptischen" und "orientalischen" Herkunftsmythos anknüpfende zweite Route nicht mehr.
Die Rekonstruktion der Geschichte der Roma in der Frühzeit ist insgesamt nach wie vor „hypothetisch und lückenhaft“. „Linguisten“, so ein niederländischer Migrationsforscher, "werden nie in der Lage sein, schlüssig auf all jene Fragen zu antworten, die die Rekonstruktion der Geschichte der Zigeuner [im Orig.: „Gypsies“] betreffen."
Da die Vorgänger der europäischen Roma in sehr unterschiedliche geografische und kulturelle Räume migrierten und sie dort jeweils Minderheit waren, ist ihre Geschichte seit Jahrhunderten geprägt von den jeweiligen Umgebungsgesellschaften, das heißt, dass es eine geschlossene einheitliche "Geschichte der europäischen Roma" nicht gibt, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Geschichten. Insbesondere die ältere Geschichte der jeweiligen Gruppen ist bis heute kaum ein Gegenstand der Historiografie gewesen.
Die Sprache der Roma – das "Romanes" – wird nach zurückhaltender Schätzung von weit mehr als 3,5 Millionen Menschen gesprochen. Seit dem 19. Jahrhundert wird in der englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur der Terminus „Romani“ verwendet, der wie „Romanes“ inzwischen mitunter auch im deutschsprachigen Raum das dort lange übliche Wort von der „Zigeunersprache“, ablöst. Die Linguistik rechnet das Romanes zu den neuindischen Sprachen innerhalb der indoarischen Sprachengruppe und weist es Zentralindien zu, nicht aber dem Nordwesten des indischen Subkontinents als dem lange angenommenen ursprünglichen Herkunftsraum der Gruppe vor ihrer weiteren Westmigration. Ihre Sprache hat sich seither unabhängig von den übrigen indischen Sprachen, aber unter starkem Einfluss der Umgebungs- und Kontaktsprachen entwickelt und auf diesem Weg sehr unterschiedliche Dialektvarianten ausgebildet.
Die Dokumentation des Romanes begann im 16. Jahrhundert mit der Publikation von Wortlisten und von einzelnen Sätzen vor allem in Westeuropa, später dann auch in Südosteuropa.
Einen ersten Hinweis auf die indische Herkunft des Romanes und damit der Roma lieferte die sprachvergleichenden Arbeit "Sprache und Herkunft der Zigeuner aus Indien" von Johann Christian Christoph Rüdiger aus dem Jahr 1782.
Das Romanes hat nirgendwo den Status einer Amtssprache, es ist nicht standardisiert, verfügt also auch nicht über eine normierte Schriftform und wird vor allem in der gruppeninternen Kommunikation – Familienverband, Nachbarschaft – gesprochen. In einigen Teilgruppen der Roma – so in der der Sinti – hat die Sprache aus der Sicht traditionalistischer Sprecher Schutzaufgabe und soll Nicht-Roma nicht mitgeteilt werden.
Bis in das 20. Jahrhundert hinein war das Romanes weitgehend nichtschriftlich. Seit den 1970er Jahren und mit der Entstehung einer minderheitspolitischen Bewegung bemühten sich vor allem Roma-Intellektuelle um die Verschriftlichung ihrer Sprache, nicht zuletzt, um damit die Emanzipation der Gesamtminderheit sprachpolitisch zu unterstützen. In der Folge der staatlichen Zerfallsprozesse in Osteuropa verlor diese Bestrebung an Einfluss. Normierung geschieht seither verstärkt im begrenzten regionalen Rahmen.
Erwachsene Romanessprecher sind immer mehrsprachig. Sie verfügen über die Sprache mindestens der Umgebungsbevölkerung und kommunizieren mit ihr in deren Sprache. Darauf sind sie auch deshalb verwiesen, weil Nicht-Roma nicht zuletzt aufgrund des sozialen Status der Romanessprecher das Romanes nur selten lernen, teils gilt aber auch - vor allem bei Sinti stark ausgeprägt - ein "Sprachtabu", das es untersagt, Romanes an Angehörige der Mehrheitsgesellschaft (Gadsche) weiterzugeben. Die Verfügung über das Romanes ist innerhalb der Gesamtminderheit unterschiedlich ausgebildet. Sie reicht vom literarischen Umgang mit der Sprache durch Roma-Schriftsteller über eine als Para-Romani bezeichnete Varietät, die nur mehr über ein Romanes-Teillexikon verfügt, bis hin zum völligen Sprachverlust.
Das Romanes der verschiedenen Sprechergruppen ist – wie generell die jeweilige Kultur – von der jeweiligen regionalen Umgebungsgesellschaft geprägt. Es gibt einen von den Kontaktsprachen entlehnten umfangreichen nichtindischen Wortschatz und eine in gleicher Weise beeinflusste Syntax. Lexeme des mittelalterlichen Griechisch haben unter nur geringem lautlichen Wandel das Romanes bereichert, wie etwa "drom" (Straße), "foro" (Stadt), "okto" (acht) und andere Lehnwörter, die sich bis heute erhalten haben. Armenischen Ursprungs sind Lexeme wie "grast" (Pferd) oder "bov" (Ofen).
Als Belege von Alltagskontakten der mitteleuropäischen Sinti mit der deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung sind Entlehnungen aus dem Romanes ins umgangssprachliche Deutsch zu sehen. Aufgrund der geringen Größe der Minderheit im mitteleuropäischen Raum ist es eine kleine Zahl. Dazu gehören: "Bock" (im Sinne von "auf etwas Bock haben") als Entlehnung von "bok" für "Hunger"; "Kaff" als Entlehnung von "gab" oder "gaw" für "Dorf"; "Kohle" (im Sinne von "Geld") als Entlehnung von "kalo" für "schwarz" über das Rotwelsche "abgebrannt sein", "schwarz sein"; "Kaschemme" als Entlehnung von "katčima" für "Wirtshaus"; "Schund" als Entlehnung von "skunt" für "Schmutz", "Dreck",; "Zaster" als Entlehnung von "sáster" für "Eisen."
Die methodische Erfassung der Lehnwörter diente dazu, die Migrationsbewegungen der Roma zu rekonstruieren, was jedoch nur bedingt möglich ist. Immerhin hat die Linguistik inzwischen zu einer brauchbaren Einteilung der verschiedenen Dialekte des Romanes gefunden. Aufgrund der starken Differenzierung der Gesamtethnie in zahlreiche partikulare Subgruppen gibt es etwa 60 Dialekte. Die regionalspezifischen "Sinti-Dialekte" des Romanes bzw. vereinheitlichend "das deutsche Romanes" werden auch als Sintikanes ("sintengheri tschib") bezeichnet.
In einer folklorisierenden und exotisierenden Perspektive nahmen und nehmen Betrachter aus der Mehrheitsgesellschaft die Ethnie als homogene nomadisierende „Stammesgesellschaft“ wahr. „Zigeuner“ seien insgesamt unfähig zur Anpassung an sich verändernde sozioökonomische und politische Bedingungen. Ein kollektives und unbeeinflussbares entweder genetisches oder archaisches kulturelles Erbe mache sie grundsätzlich entwicklungsunfähig und zwinge sie zur ewigen „Wanderung“. Dieser Blick geht darüber hinweg,
Im Alltagsdenken ist das polarisierende Klischee von einer „nomadisierenden Minderheit“ hier und einer angeblich immobilen „sesshaften Mehrheitsbevölkerung“ dort nach wie vor lebendig.
Das antiziganistische Stereotyp von ewig wandernden "Zigeunern" korrespondiert in Inhalt und Popularität mit dem antisemitischen Stereotyp vom „ewigen Juden“.
Die meisten Roma in Europa (vor allem Osteuropa und Spanien) leben seit vielen Generationen – zum Teil, wie in der Slowakei oder im Burgenland, schon seit Jahrhunderten – ebenso ortsgebunden wie die Mehrheitsbevölkerung. Ein kleiner, kaum zu beziffernder Anteil vor allem in West- und Mitteleuropa lebt, wie es in gleicher Weise auf Teile der Mehrheitsbevölkerung immer zutraf und auch heute zutrifft, in unterschiedlichen Mischformen der Ortsfestigkeit und einer in der Regel temporären Abwesenheit von einem Bezugsdomizil. So ergaben staatliche Zählungen bereits 1893 für Ungarn und die Slowakei einen im Vergleich der Bevölkerungsgruppen demografisch unauffälligen Anteil von 3,3 % sogenannter „Wanderzigeuner“ ohne längeren festen Aufenthalt an der Gesamtzahl der als "Zigeuner" Eingestuften. Ähnlich geringe Zahlen zeigen sich aus den 1960er und 1970er Jahren etwa für die Slowakei und die CSSR.
Der ohnehin minderheitliche Anteil der traditionell „Reisenden“ und die Dauer der „Reise“ nehmen weiter ab. Heute wird der Anteil der saisonweise oder dauerhaft migrierenden Roma an der weltweiten Roma-Gesamtpopulation auf maximal fünf Prozent geschätzt, was angesichts einer hohen Mobilität auch in der Umgebungsgesellschaft nicht bemerkenswert ist.
Im Rahmen der innereuropäischen Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren kam eine große Zahl von Roma aus südosteuropäischen und südeuropäischen Staaten nach West-, Mittel- und Nordeuropa. Diese Form der Migration blieb deshalb unauffällig, weil die Roma-Migranten nicht als solche, sondern als Angehörige ihrer jeweiligen Staaten in Erscheinung traten.
Im Kontext von zunehmender Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg in den südosteuropäischen Staaten nach dem Systemumbruch migrierten seit den 1990er Jahren zahlreiche Roma-Familien als Bürgerkriegsflüchtlinge und Arbeitsmigranten nach Süd-, West-, Mittel- und Nordeuropa.
In der etwa 700-jährigen Geschichte der Roma in Europa war die Minderheit spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts zahlreichen Formen von Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer eines Völkermords (siehe Abschnitt unter Porajmos) vergleichbar der Vernichtung der europäischen Juden (Shoah).
Auch heute noch sind Roma Diffamierung, Diskriminierung und sozialer, ökonomischer und politischer Marginalisierung ausgesetzt und in vielen Staaten eine von der Mehrheitsbevölkerung nicht erwünschte Minderheit.
In einigen südosteuropäischen Ländern waren Roma in den vergangenen zwei Jahrzehnten mitunter offener Verfolgung ausgesetzt. So wurden während des Kosovo-Krieges ganze Siedlungen von Roma, Aschkali und Ägyptern (diese beiden sind ebenfalls der Romaethnie zuzuordnen) von Angehörigen der albanischen Mehrheitsbevölkerung geplündert und niedergebrannt und die Bewohner vertrieben. Aus Bosnien wurden im Zuge „ethnischer Säuberungen“, die alle Ethnien betrafen, die meisten Roma vertrieben. Viele fanden während des Bürgerkriegs als Opfer von Übergriffen den Tod.
Bis heute wird von europäischen Politikern unter Verwendung tradierter antiziganistischer Stereotype und Schlagworte („Überschwemmung“, „Völkerwanderung“) die Forderung nach Ausschluss und Abschiebung von Roma erhoben. Gemeint sind in aller Regel Roma aus Osteuropa, vornehmlich aus Bulgarien, Rumänien, Serbien und Mazedonien. Weit über die Grenzen der jeweiligen Länder hinaus wurden derartige Erscheinungen im westlichen Europa aus der Schweiz, Italien, Österreich und Frankreich bekannt.
Gesellschaftlicher Benachteiligung und einer erheblichen Repression bis hin zu offener Verfolgung unterliegen die osteuropäischen Roma auch in ihren Heimatländern, in denen antiziganistische Haltungen in der Mehrheitsbevölkerung weit verbreitet sind.
Der die Erinnerung der Minderheit am stärksten prägende Abschnitt ihrer Geschichte, die stets auch eine Verfolgungsgeschichte war, ist die Zeit der äußersten Verfolgung, des Nationalsozialismus. Die mehrheitsgesellschaftliche Kultur der Erinnerung aber ist anders als zur Geschichte der jüdischen Minderheit oder zur Verfolgung politischer oder kirchlicher Gegner der Nationalsozialisten wenig entwickelt. Nur sehr selten widmen sich Straßenbenennungen, Denkmäler, Gedenktafeln oder andere Zeichen oder Orte der Erinnerung oder auch öffentliche Veranstaltungen dem Thema. 
Es waren Initiativen der Betroffenen selbst, die nach Jahrzehnten des Schweigens über die Verbrechen und einer von den Ereignissen im Nationalsozialismus unbeeindruckt fortgeführten Diffamierungs- und Diskriminierungspraxis seit Ende der 1970er Jahre eine gewisse Veränderung zumindest im politisch-offiziellen Raum und in den Medien bewirkten. 1979 fand eine erste internationale Gedenkkundgebung von Roma und Unterstützern aus der Mehrheitsbevölkerung im KZ Bergen-Belsen statt. Ostern 1980 führte eine Sinti-Gruppe einen weltweit beachteten Hungerstreik im KZ Dachau durch. Diese und folgende Aktionen zunächst kleinerer Gruppen veränderten nicht nur die mediale und die politische Perspektive auf die Minderheit, sie trugen zugleich wesentlich zur Sammlung eines großen Teils der in Teilgruppen und Familienverbände zersplitterten Minderheit in den Landesverbänden und Mitgliedsorganisationen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg) sowie in kleineren Interessensorganisationen mit regionaler Bedeutung bei.
Daneben gibt es selbstorganisierte Aktivitäten, die auf die Situation der osteuropäischen Roma-Migranten aufmerksam machen sollen, ein Bleiberecht einfordern und sich dabei auf die europaweite Verfolgung von Roma im Nationalsozialismus beziehen. So protestierten 1989 Roma mit einer Besetzung auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Neuengamme, in dem auch Roma inhaftiert waren, gegen die Ausweisung von Asylsuchenden. 1993 gab es einen „Marsch“ südwestdeutscher Roma nach Baden-Baden und zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Diese und andere bleiberechtliche Aktivitäten wurden jeweils von der Hamburger Rom und Cinti Union angeleitet und begleitet.
Bekannt sind künstlerische und dokumentierende Hinweise im öffentlichen Raum aus Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen), Bergen-Belsen, Bremen, Dreihausen (Hessen), Düsseldorf, Flensburg, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Hildesheim, Kiel, Koblenz, Köln, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, Marburg, Merseburg, Mulfingen, Nürtingen, Ravensburg, Magdeburg, Wiesbaden und Würzburg.
Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg richtete in den 1990er Jahren die einzig vorhandene Dauerausstellung zum „nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma“ ein. Eine entsprechende Wanderausstellung konnte in vielen Orten Orten der Bundesrepublik gezeigt werden.
1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines Mahnmals in Berlin zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die als „Zigeuner“ verfolgt, inhaftiert und getötet wurden und im Porajmos, der Entsprechung zur Shoah, kollektiver Vernichtung anheimfielen (siehe Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas). Der israelische Künstler Dani Karavan legte einen Entwurf vor. Die Realisierung verzögerte sich jedoch jahrelang, da sich die Verbände der Betroffenen über den Inhalt des Widmungstextes zunächst nicht einig wurden. Ende 2007 hat der Bundesrat beschlossen, dass er auf der Grundlage von Vorschlägen der Verbände und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin) und dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln erarbeitet und entschieden werden soll. Der symbolische Baubeginn erfolgte im Februar 2008. Am 24. Oktober 2012 erfolgte die Einweihung in Berlin mit einem feierlichen Festakt.
Roma stellen in keinem Land der Welt die Bevölkerungsmehrheit. Die größten Gemeinschaften leben in Europa, vor allem in Südosteuropa, Ostmitteleuropa, Südwesteuropa und Russland, sowie außerhalb davon: in den USA, Brasilien und der Türkei.
In Deutschland leben nach übereinstimmenden Angaben sowohl der staatlichen Verwaltung als auch des Zentralrats ungefähr 70.000 Angehörige der Minderheit mit deutscher Staatsbürgerschaft als Nachfahren der historischen Zuwanderer der letzten 600 Jahre.
Es gibt aber auch die Schätzung der renommierten Fachwissenschaftlerin Katrin Reemtsma, die 1998 von „etwa 40–60.000 Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit“ sprach. Die „Anzahl an ehemaligen Arbeitsmigranten in der dritten Generation in Deutschland und Flüchtlinge[n] mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht aus dem ehemaligen Jugoslawien“ setzte sie ebenso hoch wie die der lange Eingesessenen an, also ebenfalls auf zwischen 40.000 und 50.000. Daneben gibt es aus dem Umfeld des Zentralrats 2011 wiederum die Angabe von 80.000 bis 120.000 „Sinti und Roma“ – in der Zentralratsdefinition also lange eingesessene deutsche Staatsbürger – sowie unter Verweis auf eine Uno-Schätzung von 2006 50.000 davon zu unterscheidende als „Flüchtlinge und so genannte Arbeitsmigranten“ bezeichnete Roma.
Abweichend vom oben genannten Sonderfall einer ausnahmsweise übereinstimmenden Angabe zwischen Staat und Selbstorganisation ist allgemein festzustellen, dass staatliche Verwaltungen zu niedrigen Angaben tendieren, während Roma-Organisationen zu hohen Angaben neigen. Es handelt sich jeweils um „politische Zahlen“. Staatliche Zählungen sind durchweg nicht zuverlässiger als die Angaben von Selbstorganisationen oder von NGOs,
Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze und der besonderen Bedingungen demografischer Erhebungen zu Roma und angesichts der in aller Regel großen Differenzen nach Zeitpunkt und nach amtlicher oder nichtamtlicher Trägerschaft in den Ergebnissen sind Zahlen zu Bevölkerungsanteilen der Minderheit meist ohne ernsthafte Aussagekraft. Dazu die folgenden Beispiele:
Für die weltweite Zahl der Roma ergibt sich daher, dass sie nicht seriös beziffert werden kann. Die existierenden Schätzungen veranschaulichen das Problem: Sie reichen von zwei bis zwölf Millionen. Zuverlässige Angaben zum Bevölkerungsanteil – sei es regional, sei es europaweit oder universal – sind somit ebenfalls in aller Regel unmöglich.
Als internationaler Zusammenschluss der Roma wurde 1978 auf dem zweiten World Romani Congress (WRC) in Genf die International Romani Union (IRU), auf Romanes "Romano Internacionalno Jekhetanipe", als Dachverband regionaler und nationaler Interessenvertretungen gegründet.
Heute (2014) ist die Situation unübersichtlich. Sowohl eine in International Roma Union umbenannte Institution als auch eine weiterhin den ursprünglichen Namen tragende International Romani Union erheben den Anspruch globaler Vertretung.
Seit 1979 ist die IRU als nichtstaatliche Organisation (NGO) Mitglied im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und hat beratenden Status in der UNESCO. Seit 1986 ist sie Mitglied von UNICEF. Eine zweite internationale Vereinigung ist der Roma National Congress (RNC). Ehrenpräsident der IRU war in der Gründungsphase der bekannte Schauspieler Yul Brynner. Er spielte in den 1970er Jahren eine aktive Rolle bei den Bestrebungen der Roma, sich international zusammenzuschließen und internationale Anerkennung zu finden.
Für Europa gibt es seit 2005 das "European Roma and Travellers Forum (ERTF)", dessen Sprecher beide Zusammenschlüsse repräsentieren. Es ist durch ein Partnerschaftsabkommen mit dem Europarat verbunden. Es setzt sich nicht nur für Roma, sondern zugleich für Nichtromagruppen wie Pavee oder Jenische in ähnlichen sozialen, ökonomischen und bildungsmäßigen Problemlagen ein.
1972 wurde in Heidelberg der Sinto Anton Lehmann von einem Polizisten erschossen, es kam zu einer Demonstration zahlreicher Sinti, und es konstituierte sich daraufhin der Verband deutscher Sinti. 1982 schlossen dessen Landesverbände und unabhängige Ortsverbände sich zum Dachverband Zentralrat deutscher Sinti und Roma zusammen, dessen Sitz Heidelberg ist. Er ist die staatlich anerkannte Spitzenvertretung der Roma deutscher Staatsbürgerschaft und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Jugend, Frauen und Familie finanziert. Seine Landesverbände werden als Projekte der Landesministerien gefördert. Der langjährige Vorsitzende des Zentralrats, der deutsche Sinto Romani Rose, war einer der führenden Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung der 1970er und 1980er Jahre. 
Anders als der Zentralrat organisieren die Rom und Cinti Union (Hamburg) und die Roma-Union-Frankfurt auch in den letzten Jahrzehnten in die Bundesrepublik migrierte Roma und vertreten deren bleibe- und asylrechtliche Interessen. Rudko Kawczynski, staatenloser Hamburger Rom und bekannter Vertreter der Rom und Cinti Union, gehörte zu den führenden Köpfen der Bürgerrechtsbewegung, wie sie im norddeutschen Raum durch öffentliche Aktivitäten hervortrat. Seit einigen Jahren existiert ein "Bundes Roma Verband", der die Absicht hat, "möglichst viele bestehende Roma-Vereine, – Initiativen und -Gruppen unter ein Dach zu bringen". Er wendet sich auch an Roma, die aus Osteuropa in die Bundesrepublik migrierten.
Kleinere Selbstorganisationen mit regionaler Bedeutung und ohne Herkunft aus der sozialen und Bürgerrechtsbewegung sind die Sinti Allianz Deutschland (Göttingen), die eine Homepage unterhält, oder die Roma Union Grenzland (Aachen). Wichtige gemeinsam von Roma und von Menschen aus der Mehrheitsbevölkerung getragene Zusammenschlüsse mit sozialpolitischem und sozialarbeiterischem Schwerpunkt, die sich unter Einschluss von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen allen Romagruppen zuwenden, sind regional der Rom e. V. (Köln) und der Förderverein Roma (Frankfurt am Main). Als Interessenvertreterin der als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Deutschland zugewanderten Roma versteht sich auch das Centre of Integration, Affirmation and Emanzipation of the Roma in Germany – Roma-Union e. V. (Essen).
Seit Ende der 1990er Jahre sind vier nationale Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt, nachdem die Bundesrepublik 1997 das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten und 1998 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ratifizierte: Dänen, Friesen, Sorben und „die deutschen Sinti und Roma“. Der Schutz als nationale Minderheit erstreckt sich demnach nur auf Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit. Er ist zudem nach dem Abstammungsprinzip eingeschränkt auf die „Alteingesessenen“, schließt also die Roma deutscher Staatsangehörigkeit mit familiärer Herkunft aus Südosteuropa oder Spanien nicht ein.
Am 14. November 2012 hat Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die deutschen Sinti und Roma neben den Dänen und Friesen als Minderheit in die Landesverfassung aufgenommen. 22 Jahre kämpfte der Verband Deutscher Sinti und Roma e. V. – Landesverband Schleswig-Holstein mit seinem Landesvorsitzenden Matthäus Weiß um die Anerkennung als Minderheit. In dieser Zeit wurden sechs Anträge zur Verfassungsänderung in das Landesparlament eingebracht. Fünfmal scheiterten sie an der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Am 23. August 2012 brachten die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, die Abgeordneten des SSW und die Fraktionen von Piraten und FDP erneut einen Gesetzentwurf zur Änderung der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein ein. Der Landtag überwies diesen durch Plenarbeschluss an den Innen- und Rechtsausschuss und mitberatend an den Europaausschuss. Nachdem der Ausschuss dem Landtag bei Enthaltung der Stimmen der Fraktion der CDU die unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs empfahl, wurde der Beschluss über die Änderung der Landesverfassung am 14. November 2012 in der Plenarsitzung des Landtages Schleswig-Holstein einstimmig gefasst. Nach vorhergehenden Bedenken stimmte schließlich auch die CDU-Fraktion zu.
In Artikel 5 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein heißt es nun: „Die nationale dänische Minderheit, die Minderheit der deutschen Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe haben Anspruch auf Schutz und Förderung.“
In Baden-Württemberg unterzeichneten 2013 Daniel Strauß in Vertretung des Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg und Ministerpräsident Winfried Kretschmann für das Land Baden-Württemberg einen Staatsvertrag, der unter anderem die Kooperation zwischen Land und Minderheit stärken, den Dialog mit Sinti und Roma Baden-Württembergs auf eine verlässliche gesellschaftspolitische Grundlage stellen, diese verbreitern, sowie gemeinsames Vorgehen gegen Antiziganismus begründen soll. Er legt dazu eine verbindliche Förderung fest. Dieser Staatsvertrag wurde vom Landtag im selben Jahr verabschiedet.
In der Republik Österreich ist seit 1993 neben den „Volksgruppen“ der Burgenlandkroaten, Slowaken, Slowenen, Ungarn und Tschechen die Minderheit der österreichischen Roma anerkannt. Romanes gilt dort als Minderheitensprache im Sinne der Europäischen Charta der Minderheitensprachen.
In den südosteuropäischen Ländern und den sogenannten Visegrád-Staaten lebt die große Mehrheit der europäischen Roma-Bevölkerung. In der sozialistischen Phase eröffneten sich für Roma eine Reihe von individuellen Möglichkeiten der Qualifizierung und des sozialen Aufstiegs. Es entwickelten sich „Roma-Eliten mit hoher Qualifikation, wie sie in Westeuropa nicht zu finden sind.“ Inzwischen hat sich die Lebenssituation der südosteuropäischen Roma durch die politischen und sozioökonomischen Auflösungs- und Neuformierungsprozesse der 1990er Jahre und durch die damit einhergehenden, durch Ethnisierung und neue Nationalismen ausgelösten Konflikte und Verdrängungen grundlegend verschlechtert.
Allgemein hatten die Rekapitalisierung der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion, die Massenentlassungen und die Entstehung eines unregulierten Arbeitsmarktes eine hohe Arbeitslosigkeit und allgemeine Verarmung und Verelendung der Roma zur Folge. Die Entlassungen auf dem Land und in den kleineren Orten bewirkten eine erhöhte Landflucht in die bereits ohnehin übervölkerten und schlecht ausgestatteten Romaquartiere („Mahala“) der großen Städte. Die südosteuropäischen Mahala haben Ghetto-Charakter. So werden z. B. die Schulen der bulgarischen Romaviertel als „heute in höchstem Maße vernachlässigt“ beschrieben. Der Analphabetismus unter jungen Roma nehme rapide zu. Die aus der produktiven Sphäre Ausgeschlossenen versuchen ihrer Verelendung vor allem mit kombinierten Noterwerbsweisen zu entrinnen: kleiner Handel, Sammeln und Aufarbeiten von Resten, Gelegenheitstätigkeiten. Damit einher gehen die typischen sozialen Konsequenzen solcher Prozesse, wie drastisch sinkende Bildungschancen, Alkoholismus- und Drogenrisiken.
Die im mehrheitsgesellschaftlichen Alltagsdenken verbreitete Vorstellung einer minderheitstypischen Delinquenz, die ein traditionelles Element des mehrheitsgesellschaftlichen Zigeunerbilds ist, lässt sich mit Zahlen nicht belegen.
Ähnliche Lebensbedingungen bestehen in südafrikanischen oder südamerikanischen Elendsvierteln. Die Kriminalitätsgefahr liege in jeder Hinsicht in den südosteuropäischen Roma-Quartieren weit darunter, bemerkt der Südosteuropaexperte Norbert Mappes-Niediek. „In den großen Vierteln der Roma, in Shuto Orizari in Skopje, Ferentari in Bukarest, Stoliponowo in Plowdiw oder Fakulteta in Sofia, kann sich jeder Besucher frei und unbehelligt bewegen.“
Auch in Jugoslawien gab es bis zum Staatszerfall eine relative Integration der Roma und damit vergleichsweise gute Bildungschancen. Viele Roma konnten höhere Schulabschlüsse und mancher einen Hochschulabschluss erwerben. Inzwischen ist die Minderheit auf den vorsozialistischen Stand der Bildungsdiskriminierung zurückgefallen. Im Zuge des staatlichen Niedergangs und der damit aufbrechenden ethnisch und nationalistisch inspirierten bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen richteten sich massive Aggressionen auch gegen die jeweilige Romabevölkerung. Sie war kollektiven Angriffen durch Angehörige der Mehrheitsbevölkerung, Zerstörungen und Plünderungen ihrer Wohnstätten mit dem Ziel ihrer Vertreibung ausgesetzt. Ein Beispiel ist die 1999 von albanischen Nationalisten geplünderte und niedergebrannte Romska Mahala von Mitrovica (Kosovo), die von 5000 Roma, Ashkali und Ägyptern („RAE“) bewohnt wurde. Viele südosteuropäische Roma flüchteten vor diesem Hintergrund nach West- und Mitteleuropa oder auch nach Nordamerika.
Die kulturellen Überlieferungen, die kulturelle Vergangenheit und Gegenwart der europäischen Roma weisen überaus gewichtige regionale Unterschiede auf, und „auch der Blick der "Gadje" auf die Sinti und Roma ist jeweils ein anderer, was u. a. eng mit deren Anteil an der jeweiligen Gesamtgesellschaft und mit der An- oder Abwesenheit weiterer kultureller Minderheiten zusammenhängt.“ Der mehrheitsgesellschaftliche Einfluss auf die Entwicklung der Minderheitskultur brachte insofern historisch und regional unterschiedliche Ergebnisse hervor. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen, wobei die Frage offenbleiben muss, inwieweit sie einem gemeinsamen ethnischen „Erbe“ oder aber ähnlichen oder gemeinsamen strukturellen Bedingungen geschuldet sind.
Der Zusammenhalt der Roma-Gemeinschaft wird traditionell durch großfamiliäre verwandtschaftliche Beziehungen gestiftet, wie sie bis vor wenigen Generationen auch in den europäischen Umgebungsgesellschaften mehrheitlich noch existierten. Ob bzw. inwieweit das heute noch in den vor Jahrzehnten beschriebenen Formen gilt, ist unbekannt.
Noch zu Beginn der 1980er Jahre bezeichnete der Ethnologe Rüdiger Vossen die lose strukturierte "kumpania" als romatypischen wirtschaftlichen, sozialen und auch politischen Zusammenschluss „mit gruppenbezogener wirtschaftlicher und moralischer Kontrollfunktion“. Inwieweit diese Aussage heute noch zutreffend ist, muss offenbleiben. Das weithin anerkannte Informationsangebot der Seite "rombase" der Universität Graz reduziert die Bedeutung dieser Organisationsform inzwischen auf die Teilgruppe der Kalderasch und betont den Aspekt der Vielfalt. Die Ethnologin Katrin Reemtsma spricht die "kumpania" gar nicht an und verweist auf den allgemeinen Wandel der Erwerbsstrukturen, der auch im Falle der Kalderasch die Aufgabe des traditionellen, oft noch ambulant ausgeübten Schmiedehandwerks und den Wechsel in ortsfest ausgeübte andere Berufe zur Folge gehabt habe. Die bereits seit dem 12. Jahrhundert im Kosovo ortsfest lebenden Roma gründeten laut "rombase" bereits früh anerkannte Gewerbevereinigungen, vergleichbar mit den mittel- und westeuropäischen Handwerkszünften. Dabei hebt die Seite die Bedeutung der Arlije-Roma für die wirtschaftliche und soziale Selbstorganisation hervor.
Nur wenige Roma welcher Teilgruppe auch immer üben als Marktbeschicker, Schausteller, Artist, Zirkusfachkraft oder -unternehmer usw. einen Reiseberuf aus. Diese Eigenschaft teilen sie jeweils mit einer Mehrheit von Menschen anderer „ethnischer“ Zuschreibung, wie sie meist aus der Mehrheitsbevölkerung kommen. Im einen wie im anderen Fall schließt das in aller Regel einen ortsfesten Lebensmittelpunkt nicht aus, sondern ein.
Manche traditionalistischen Roma legen Wert auf die Unterscheidung zwischen rein und unrein in übertragener Bedeutung. So unterliegen zum Beispiel Frauen in solchen Fällen eigenen Reinheitsvorstellungen. Menstruation und Geburt gelten dann als „unrein“ mit der Folge besonderer Umgangsweisen. Ähnliche Reinheits- und Unreinheitsvorstellungen finden sich auch in traditionalistischen Ausprägungen von Hinduismus, Islam, Judentum und Christentum, so etwa im Katholizismus bei der aus dem Alten Testament abgeleiteten bis mindestens in die 1970er Jahre hinein im deutschsprachigen Raum gepflegten „Aussegnung der Wöchnerin“ oder bei Mariä Lichtmess.
Die Religionszugehörigkeit von Roma korrespondiert in hohem Maße mit der umgebenden Mehrheitsreligion. Stets gibt es aber Ausnahmen von der Regel und synkretistische Überschneidungen. Die Ethnologin Katrin Reemtsma belegte in den 1990er Jahren diese Feststellung mit folgenden Fällen: