Das Lied von Eis und Feuer

Das Lied von Eis und Feuer (gewöhnlich abgekürzt mit DLvEuF), im Englischen "A Song of Ice and Fire", ist eine Fantasy-Saga des US-amerikanischen Autors George R. R. Martin. Zwischen 1996 und 2011 sind fünf Bände in der englischen Originalfassung erschienen, zwei weitere sind geplant. In Deutschland existieren verschiedene Ausgaben. Neben einer bisher fünf Bände umfassenden 1:1-Übersetzung ist vor allem die Fassung verbreitet, in der die ursprünglichen fünf Werke in jeweils zwei Bände aufgeteilt wurden, so dass die deutsche Ausgabe in diesem Fall zehn Bände umfasst. Hinzu kommen bislang fünf Novellen, die ca. 100 Jahre vor der Romanhandlung spielen. 2014 erschien ein Handbuch zur Geschichte von Martins Welt.
Sein fiktives Universum ähnelt dem europäischen Mittelalter, gemischt mit Fantasy-Elementen. Martin legt einen Fokus auf die „dunklere Seite“ von Menschen und Gesellschaft und die moralischen Schattierungen der Charaktere, im Gegensatz zur – in der Fantasyliteratur traditionell deutlichen – Zuschreibung von Gut und Böse.
Die auf den Büchern beruhende und seit 2011 laufende Serienverfilmung trägt den Titel "Game of Thrones". Die englischsprachige Graphic-Novel-Serie wird seit 2012 unter dem Titel "A Game of Thrones: The Graphic Novel" veröffentlicht.
Die Handlung spielt in einer Welt, in der sich Jahreszeiten über mehrere Jahre hinziehen können, die Dauer von Sommer und Winter ist nicht vorhersehbar, während die Übergänge im Herbst und Frühling verhältnismäßig kurz sind. Mit Beginn der Handlung neigt sich gerade ein ungewöhnlich langer Sommer seinem Ende entgegen.
Der häufigste Handlungsort ist der Kontinent Westeros. Über den Großteil von Westeros erstrecken sich die Sieben Königslande, die seit beinahe 300 Jahren ein Königreich bilden. Das Königreich ist stark feudalistisch geprägt, die einzelnen Teile des Reichs unterscheiden sich teilweise deutlich in ihrer Kultur, Religion, ihren klimatischen Bedingungen und ihrer Gesellschaftsordnung. Eine zentrale Rolle spielen die großen Adelshäuser, die je eines der sieben Königslande relativ autonom beherrschen. Das Reich wurde seit seiner Gründung durch das Haus Targaryen regiert, bis durch einen Bürgerkrieg rund 15 Jahre vor Beginn der Romanhandlung die Macht auf das Haus Baratheon unter Führung von Robert Baratheon überging.
Die Handlung setzt im letzten Regierungsjahr Robert Baratheons ein. Zwischen den mächtigsten Adelshäusern bauen sich zunehmend Spannungen auf, die nach Roberts Tod zum offenen Thronkampf führen. Insbesondere die ehemaligen Berater des Königs, die Brüder des verstorbenen Herrschers und die einflussreichen Häuser Lannister (in der neueren deutschen Übersetzung „Lennister“) und Stark spielen eine tragende Rolle in dem folgenden jahrelangen und von zahlreichen Intrigen geprägten Konflikt. Der Thronkampf ist in den ersten drei Originalbänden ein zentrales Leitthema der Handlung in den Sieben Königslanden, die Folgen des Bürgerkriegs spielen auch im vierten und fünften Band noch eine wichtige Rolle.
Diese Handlung wird durch zwei zusätzliche Handlungsstränge erweitert und ergänzt: Die Nachtwache, Bewacher der abgelegenen Nordgrenze des Reiches, sieht sich der Bedrohung durch Wildlinge und Untote gegenüber, zudem wird laut Prophezeiungen mit dem Einbruch des bevorstehenden, mehrjährigen Winters eine Invasion der im Norden lebenden mysteriösen „Anderen“ befürchtet. Währenddessen versuchen auf dem Nachbarkontinent Essos die überlebenden Mitglieder des ehemaligen Herrschergeschlechts Targaryen und deren Gefolgsleute einen Weg zu finden, den Thron von Westeros zurückzuerobern.
Bisher jedes Kapitel – mit Ausnahme des Prologs im ersten Band – hat eine zentrale Hauptfigur, aus deren Sichtweise die Handlung des Kapitels beschrieben wird. Der erste Band begann mit acht zentralen Figuren, nach Abschluss des fünften Bandes gibt es derzeit 30 "Personae". Neue Reflektorfiguren sind dem Leser meist bereits aus vorangegangenen Kapiteln bekannt, so dass sich die Meinung des Lesers über den Charakter wiederholt ändern kann. Die Geschichte gewinnt zunehmend an Komplexität: Die Gesamtzahl der in den Büchern namentlich erwähnten Figuren beträgt mittlerweile über 1000 Personen, darunter dutzende Hauptcharaktere.
Martin legt großen Wert auf die detaillierte Charakterzeichnung seiner Figuren, dementsprechend findet man im "Lied von Eis und Feuer" keine stereotypen Bösewichte oder Helden. Eine weitere Besonderheit der Serie ist, dass Martin sich nicht an gängige Klischees hält und daher nicht davor zurückschreckt, auch bedeutende Hauptcharaktere seiner Geschichte unerwartet sterben zu lassen. Dadurch gelingt es Martin, ein hohes Maß an Spannung aufzubauen, da keiner der Charaktere sicher ist. In einem TV-Interview mit Conan O’Brien sagte Martin dazu:
Martin hat wiederholt geäußert, dass für ihn das zentrale Leitthema jeder Erzählung das „menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst“ sei ("the human heart in conflict with itself"), nur darüber lohne es sich zu schreiben, wie es William Faulkner bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur ausgedrückt habe. Ansonsten spiele etwa das Genre der Erzählung keine Rolle. Martin nennt als wichtigsten künstlerischen Einfluss die Bücher seiner Kindheit, insbesondere "Der Herr der Ringe". Sein größter Kritikpunkt an Imitatoren von J. R. R. Tolkiens Werk war, dass deren Handlung häufig in einer Art utopischem „Disneyland-Mittelalter“ stattfinde. Um diesen Mangel an Ernsthaftigkeit und Realismus zu vermeiden, ließ er sich zusätzlich von historischen Romanen sowie von wahren Begebenheiten des europäischen Mittelalters beeinflussen. Dazu zählen die Rosenkriege, die Kreuzzüge, der Kampf Wilhelms des Eroberers um den englischen Thron sowie der Hundertjährige Krieg. Aus diesem Grund werden auch Magie und fantastische Kreaturen lediglich sporadisch und sehr subtil eingesetzt. Den Schwerpunkt der Handlung bilden die Intrigen und Machtkämpfe der herrschenden Klasse.
"Das Lied von Eis und Feuer" soll unter anderem von der siebenbändigen französischen Buchreihe "Les Rois Maudits" (englischer Titel "The Accursed Kings") des französischen Romanautors Maurice Druon inspiriert worden sein, die den Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich thematisiert.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb im Juli 2012:
Ursprünglich sollte die gesamte Saga drei Bände umfassen. Da die Geschichte während des Schreibprozesses immer weiter anwuchs, wuchs die Zahl der geplanten Nachfolgewerke sukzessive an. Mittlerweile plant Martin, die Handlung in sieben Bänden abzuschließen.
Nachdem die ersten drei Bände der Serie in kürzeren Abständen erschienen waren, benötigte Martin für den vierten Band, "A Feast for Crows", ungefähr fünf Jahre. Trotz seiner Versicherung im Jahr 2005, der fünfte Band der Buchreihe sei schon fast fertiggestellt, erschien "A Dance with Dragons" erst am 12. Juli 2011. Martin erklärte die lange Verzögerung mit Komplikationen bei der Zusammenführung der zunehmend komplexen Handlungsstränge.
Nachdem Martin das Skript für den sechsten Band, "The Winds of Winter", ursprünglich im Oktober 2015 hatte einreichen sollen, dies dann aber auf den 31. Dezember 2015 verschoben worden war, erklärte er am 2. Januar 2016 in seinem Blog, dass er die Arbeiten am Manuskript nicht rechtzeitig habe abschließen können. Stattdessen sei er noch Monate entfernt von einer Fertigstellung, wenn er auch schon hunderte von Seiten geschrieben habe.
Folgende Bände sind geplant:
Dazu erscheint das Werk als Graphic Novel:
In Deutschland sind verschiedene Varianten des englischsprachigen Originals erschienen.
Der Verlag Ulisses Medien und Spiel Distribution verlegt eine dem Original entsprechende 1:1-Auflage der Bände in deutscher Sprache. Die Anzahl ist auf 1000 Stück limitiert. 200 Exemplare davon sind durchnummeriert und vom Autor handsigniert.
Der Verlag blanvalet, ab Buch neun Penhaligon, teilte für die deutsche Taschenbuchausgabe die ersten fünf Bände in jeweils zwei Bücher auf. Seit Ende 2010 erscheint eine neue Übersetzung. Eine der auffälligsten Änderungen ist dabei die Verdeutschung einiger Namen.
Die bisher 20 von Audible produzierten Hörbücher werden von Reinhard Kuhnert gelesen, dabei entsprechen je zwei Hörbuchteile einem deutschen Taschenbuch; seit 2012 erschienen sie auch auf MP3-CDs entsprechend der deutschen Bucheinteilung.
Bislang wurden fünf Novellen zur Serie veröffentlicht. Die ersten drei Geschichten beziehen sich auf den Heckenritter "Dunk" und seinen Knappen "Ei" (im Original "Egg") und sind etwa ein Jahrhundert vor den Ereignissen im "Lied von Eis und Feuer" angesiedelt. Die ersten beiden Novellen erschienen in den Anthologien "Legends" (dt. "Der 7. Schrein") und "Legends II" (dt. "Legenden. Lord John, der magische Pakt") des Autors und Herausgebers Robert Silverberg. Die dritte Novelle erschien in der Anthologie "Warriors" von Martin und Gardner Dozois. Auf Deutsch wurde sie zusammen mit den ersten beiden im Sammelband "Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben" (2013) veröffentlicht.
Ende 2013 ist mit "The Princess and the Queen, or, the Blacks and the Greens" eine vierte Novelle in dem von Martin und Dozois herausgegebenen Band "Dangerous Women" erschienen. Die Geschichte behandelt den Thronkampf zwischen den Targaryen, der bekannt ist als der „Tanz der Drachen“. 2014 erschien die fünfte Novelle "The Rogue Prince, or, A King’s Brother" in dem von Martin und Dozois herausgegebenen Band "Rogues". Dort wird die Vorgeschichte zum besagten Bürgerkrieg behandelt.
Die Geschichten "The Hedge Knight" und "The Sworn Sword" wurden später auch als Graphic Novel umgesetzt und erschienen in einer deutschen Version unter dem Titel "Der Heckenritter" und "Der Heckenritter II – Das verschworene Schwert" im Panini Verlag.
Bisher erschienen:
Novellen:
Comics:
Hörbuch (mp3-CD):
Ende Oktober 2014 erschien mit "The World of Ice  Fire: the Untold History of Westeros and the Game of Thrones" ein von Martin mit Hilfe von Elio Garcia und Linda Antonsson verfasstes Handbuch. Es bietet in Form eines fiktiven Geschichtswerks eine „historische Darstellung“ von Martins Welt.
Der Sender HBO begann 2007 mit der Produktion der Fernsehserie "Game of Thrones" nach Vorlage des "Liedes von Eis und Feuer". Nach dem Casting, den Vorarbeiten und der Erstellung eines Pilotfilms begannen die eigentlichen Dreharbeiten zur Serie am 26. Juli 2010.
Wenngleich sich die Serie zuerst allgemein eng an die Buchvorlage hält, existieren mit fortgeschrittener Handlung zahlreiche Änderungen. Die Produzenten David Benioff und D. B. Weiss betonten, dass ab der zweiten Staffel keine 1:1-Verfilmung der Bücher vorgesehen sei, sondern vielmehr der gesamte Stoff des "Liedes von Eis und Feuer" adaptiert werde, wobei Teile aus anderen Büchern in die jeweilige Staffel einflössen.
Mit den Jahren und den steigenden Leserzahlen wurde "Das Lied von Eis und Feuer" von einer reinen Fantasy-Saga immer mehr zu einer Marke. So erschienen im Lauf der Zeit zahlreiche Nebenprodukte, teilweise ebenfalls mit großem Erfolg.