Amazonas

Der Amazonas (auch "Amazonenstrom", , im brasilianischen Oberlauf , früher ) ist ein Strom im nördlichen Südamerika. Etwa 300 km südlich des Äquators durchquert er das im Westen von den Anden umrahmte, von tropischem Regenwald geprägte Amazonasbecken ostwärts bis zum Atlantik. Der Amazonas ist mit einer mittleren Wasserführung von 206.000 m³/s der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und führt an der Mündung mehr Wasser als die sieben nächstkleineren Flüsse zusammen und ca. 70 mal mehr als der Rhein.
Seinen Namen führt der Strom erst ab dem Zusammentreffen seiner beiden Quellflüsse Marañón und Ucayali in Peru, unterbrochen allerdings durch den brasilianischen Abschnitt oberhalb der Stadt Manaus mit dem Namen "Rio Solimões".
Der längste Hauptstrang des Amazonas hat, gemessen über den kürzesten Fließweg ab dem Quellgebiet des Ucayali, eine Gesamtlänge von 6448 km. Die den Namen "Amazonas" führenden Abschnitte sind aber deutlich kürzer. Angaben, nach denen der Amazonas der längste Fluss der Erde wäre, sind strittig und beziehen die benachbarten Meeresbuchten Rio Pará und Baía de Marajó ein (der dort dargestellte Messweg folgt im Mündungsbereich erst dem Canal do Sur und anschließend dem Schifffahrtsweg nach Pará, welcher vom südlichen Mündungsarm abzweigend tideaufwärts die Verbindungskanäle zu den benachbarten Ästuaren Rio Pará und der Tocantins-Mündung nutzt, und endet an deren Austritt in den offenen Atlantik).
Der in Brasilien meist mehrere Kilometer breite Fluss hat eine relativ ausgeglichene Wasserführung, da die Hochwasserphasen der Nebenflüsse jahreszeitlich verschoben auf den äquatornahen Hauptstrom treffen. Dennoch kann er die angrenzenden bewaldeten Alluvialflächen ("Várzea") auf einer Breite von bis zu 60 km überschwemmen.
In zwei Hauptarmen durchströmt er die Inselwelt des fast 200 km breiten Mündungsbereichs, der zudem über Tidegewässer mit dem Pará-Ästuar verbunden ist und so die große Insel Marajó abtrennt.
Ursprünglich hatte der Fluss abschnittweise wechselnde Bezeichnungen, die von den jeweiligen indigenen Anrainern verwendet wurden. Ein solcher ursprünglicher Name hat sich in der portugiesischen Bezeichnung "Solimões" bis heute erhalten, die offiziell für den brasilianischen Oberlauf bis zum Zusammenfluss mit dem Rio Negro verwendet wird. Der Spanier Vicente Yáñez Pinzón, der den Fluss als erster europäischer Entdecker erkundete, nannte ihn wegen des im offenen Meer vor der Mündung anzutreffenden Süßwassers "Río Santa María de la Mar Dulce", kurz "Mar Dulce" („Süßwassermeer“). Später, nach 1502, war der Fluss den Portugiesen als "Rio Grande" („Großer Fluss“) bekannt, ein auch für mehrere andere Flüsse Brasiliens verwendeter Name. Die Spanier nannten ihn seit 1513 "Río Marañón", eine Bezeichnung, von der nicht völlig klar ist, ob sie aus einer Indio-Sprache stammt oder auf das spanische Wort "maraña" zurückgeht, was svw. „Gewirr“ bedeutet und vielleicht als Hinweis auf die unübersichtliche Vielfalt der Wasserwege zu verstehen ist. Dieser Name war in der spanischsprachigen Geografie über längere Zeit vorherrschend und hat sich im Namen des nördlichen Quellflusses und der gleichnamigen peruanischen Provinz Marañón sowie am Unterlauf im Namen des brasilianischen Bundesstaates Maranhão erhalten. Möglicherweise leitet sich auch der Name der Mündungsinsel Marajó aus derselben sprachlichen Wurzel ab.
Die Herkunft des Namens "Amazonas" ist nicht vollständig geklärt. Meist wird er darauf zurückgeführt, auf der Reise des Francisco de Orellana (der 1540 mit der Gonzalo-Pizarro-Expedition von Ecuador her aufgebrochen war und im Januar 1542 den heutigen Amazonasstrom erreichte und als Erster bis zur Atlantikmündung durchfuhr) hätten die spanischen Entdecker indianische Kriegerinnen gesehen und den Fluss daher nach den sagenhaften Amazonen benannt. Der Chronist der Expedition, der Dominikaner Gaspar de Carvajal, schildert in seinem Reisetagebuch die angeblich im Juni 1542 stattgefundene Begegnung mit „sehr hellhäutigen und groß gewachsenen Frauen, die ihr sehr langes Haar zu Zöpfen geflochten um den Kopf gewickelt tragen und sehr stämmig gebaut sind.“ Sie kämpften wild und entschlossen „wie Anführer an der Spitze der Indios“ und „zielten nur auf die Augen.“ Später verhörten die Spanier einen gefangenen Indio, der von den eigentümlichen Lebensgewohnheiten dieser Kämpferinnen berichtet haben soll. Daraufhin habe Orellana sich entschlossen, den Fluss „Strom der Amazonen“ zu nennen. Diese möglicherweise legendarische Erklärung für die Namensgebung, die den damals gängigen Vorstellungen der Europäer entsprach, wonach in Amerika Amazonen und andere außergewöhnliche Wesen und Monster lebten, war bereits wenige Jahrzehnte nach der Entdeckungsfahrt Orellanas unter Seeleuten und Entdeckern bekannt und wurde zuerst von Gonzalo Fernández de Oviedo († 1557, der persönlich mit Gaspar de Carvajal über die Erlebnisse sprach und die Bezeichnung der Kriegerinnen als „Amazonen“ ausdrücklich „im übertragenen Sinn“ verstanden wissen wollte) und später von Richard Hakluyt (1589) und vom Inca Garcilaso de la Vega (1609) überliefert. 
Anderen Hypothesen zufolge könnte der Name auf das indianische Wort "Amassona" zurückgehen, was soviel wie „Schiffezerstörer“ bedeutet und mit dem einige indianische Völker die im Unterlauf des Amazonas auftretenden Gezeitenwellen bezeichneten (siehe hierzu Pororoca).
Der Fluss "Amazonas" gab seinerseits dem Amazonasbecken sowie mehreren gleichnamigen Provinzen in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru ihre Namen. Auch der Begriff "Amazonien", eine eher unscharfe Bezeichnung für das tropische Regenwald- und Amazonasgebiet insgesamt, leitet sich vom Namen des größten südamerikanischen Flusses her.
Die beiden Quellflüsse des Amazonas entspringen in den peruanischen Anden. Der nördliche, 1600 km lange Marañón ist wasserreicher und darum hydrologisch der Hauptquellfluss des Amazonas. Sein Ursprung in drei Lagunen oberhalb des Lago Lauricocha wurde 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt.
Der südliche Quellfluss, der Ucayali, ist, einschließlich mehrerer anders benannter Oberlaufabschnitte, mit 2670 km deutlich länger als der Marañón. Die seit 2001 belegte mündungsfernste Quelle des Amazonas liegt am Nordhang des Nevado Mismi zwischen Cusco und Arequipa, rund 160 km westlich der am Nordende des Titicacasees liegenden Stadt Juliaca. Der Quellfluss trägt die Namen "Carhuasanta" (7 km), "Lloquera" (12 km), sowie "Callamayo" (13 km) und Río Hornillos (32 km), bevor er sich mit dem Río Apurímac vereinigt. Nach insgesamt 730,7 km findet er seine Fortsetzung im Río Ene (180,6 km), Río Tambo (158,5 km) und schließlich über weitere 1600,1 km im Unterlauf des Río Ucayali. Oberhalb von Iquitos in Peru vereinigen sich die Quellflüsse zum Amazonas.
Gelegentlich wird auch der Río Huallaga als Quellfluss bezeichnet. Dieser ist jedoch ein Nebenfluss des Marañón. Als Schifffahrtsweg ist der Huallaga bedeutender als der Marañón.
Die erste Großstadt am Amazonas ist Iquitos, das Zentrum des peruanischen Amazonastieflandes. Zwischen der peruanisch-brasilianischen Grenze und der Einmündung des Rio Negro bei Manaus heißt der Amazonas "Rio Solimões". Manaus war zwischen 1870 und 1910 Zentrum der Kautschukgewinnung am Amazonas und wird im Zentrum von Bauten dieser Zeit geprägt. Dem Amazonas strömen auf den folgenden 140 km die beiden weltgrößten Nebenflüsse, Rio Negro und Rio Madeira, zu. Der danach vier bis zehn Kilometer breite Fluss wird von einem 20 bis 60 km breiten Saum aus Schwemmland begleitet, der nur auf den Uferwällen ("Restingas") besiedelbar ist. Ansonsten ist das Amazonastiefland von einem gleichmäßig zertalten sandig-lehmigen Hügelland geprägt, der "Terra firme" (= festes Land). Bei Óbidos tritt es unmittelbar an den Strom heran und erzeugt eine nur 1670 m breite Engstelle ("Garganta do Amazonas").
Der Amazonas und seine Nebenflüsse aus den Anden haben den postglazialen Meeresspiegelanstieg durch Aufsedimentierung ihrer Flussbetten ausgeglichen. Dagegen wurden die anderen Nebenflüsse mit sehr viel geringerer Sedimentfracht lediglich angestaut und bilden nun vor ihrer Mündung in den Amazonas teils große, seeartige Aufweitungen wie der Río Negro, der Río Xingú oder der Rio Tapajós.
Die Mündung des Amazonas ist ein Ästuardelta. Dieses besteht aus den Flussarmen "Canal Norte" (40 % des Abflusses) und "Canal Sul" (56 % des Abflusses), die sich zu Ästuaren aufweiten und beide zusammen ein Delta bilden, dessen Sedimentablagerungen sich im Schelfbereich vor der Küste den Kontinentalhang hinabziehen.
Rund 100 km südlich der beiden Hauptarme liegt das weit landeinwärts reichende Buchtensystem Bahia de Guajará und Rio Pará, in das der Rio Tocantins und andere Flüsse münden. In den Rio Pará mündete früher auch der südlichste Mündungsarm des Amazonas. Er wurde inzwischen durch Sedimentierung nahezu abgetrennt. Einige natürliche Kanäle ("Furos"), die von den wechselnden Gezeitenströmen offen gehalten werden, leiten aber noch immer etwa 3 bis 4 % des Amazonaswassers in den Rio Pará und teilen zugleich die Insel Marajó ab.
Am Amazonas liegen nur sehr wenige Städte. Noch am Quellfluss Ucayali liegt Pucallpa. Die größte Stadt am Amazonas ist Iquitos, nahe der Vereinigung der Quellflüsse. Die Städte Manaus und Belém liegen entgegen verbreiteter Ansicht nicht am Amazonas; Manaus am Río Negro, 12 km oberhalb der Mündung, und Belém am Rio Pará (an der Bahia de Guajará) südlich der Amazonasmündung. Weitere große Städte am Amazonas sind Macapá und Santarém.
In den Amazonas münden etwa 10.000 Nebenflüsse, von denen über 100 schiffbar und 17 über 1600 km lang sind (Rhein: 1236 km).
An seiner Mündung führt der Amazonas im Jahresmittel etwa 206.000 m³/s Wasser (6600 km³/a) dem Atlantik zu; das sind 17 Prozent der weltweiten Ozeanzuflüsse. Der Einfluss der Gezeiten reicht noch rund 800 Kilometer flussaufwärts bis zur Stadt Óbidos, die an einer fast 90 Meter tiefen Engstelle des Flusses (mit ca. 2 km Breite) liegt.
"Mittlere Monatsabflüssel (in m³/s)" am Pegel "Óbidos"(Höhe: 1 m, Einzugsgebiet: 4.640.300 km², auf Basis der Werte von 1928 bis 1996)
Jährlich werden an der Stadt Óbidos, etwa 800 km vor der Mündung, 1,2 Milliarden Tonnen Sediment vorbeitransportiert. Davon erreichen etwa 75 Prozent den Atlantik, die restlichen 25 Prozent werden auf den unteren 800 Flusskilometern abgelagert.
Das westliche Amazonastiefland ist ein Teil der Vorlandsenke östlich der Anden. Die Übergänge zu den nördlich und südlich angrenzenden Ebenen östlich der Anden sind so unmerklich, dass es in beiden Fällen zu kontinentweiten Flussbifurkationen gekommen ist. Im Norden zweigt der Brazo Casiquiare vom Orinoco ab, und im Süden gibt es eine Bifurkation an der Grenze zum Einzugsgebiet des Río Paraguay.
Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles (30 Meter auf den letzten 800 Kilometern) die Unterläufe der Nebenflüsse vielfach durch natürliche Kanäle miteinander verbunden. Diese Gewässer können je nach Wasserspiegel der benachbarten Flüsse wechselnde Fließrichtungen haben. Ähnliches gilt auch für die "Furo" genannten Gezeitenkanäle bei der Stadt Breves, die die 49.000 km² große Insel Marajó vom Kontinent abtrennen. Eine Passage ist für Ozeanschiffe geeignet und stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Amazonas und dem Hafen Belém dar.
Unterhalb der Enge von Óbidos beginnt bereits der Einfluss von Ebbe und Flut, eine Durchmischung mit Salzwasser findet in den ästuarhaft sich aufweitenden Stromrinnen jedoch nicht statt, im Gegensatz zu den südöstlich benachbarten Meeresbuchten des Rio Pará im Mündungsbereich des Tocantins. Der Grund liegt in den Wassermassen des Stroms, die zwar vom atlantischen Äquatorialstrom nach Nordwesten abgedrängt werden, aber dennoch die salzige Wasseroberfläche weit über 100 km ins offene Meer hinausdrängen.
Einige Male im Jahr rollt eine bis zu vier Meter hohe Gezeitenwelle mit der einsetzenden Flut vom Atlantik her den Amazonas und bestimmte Zuflüsse mehrere Kilometer flussaufwärts. Nach der Bezeichnung "poroc-poroc", was in der Tupi-Sprache etwa „großer, zerstörerischer Lärm“ heißt, wird sie "Pororoca" genannt. Voraussetzung für die Entstehung dieses Phänomens ist das Zusammentreffen von niedrigem Wasserstand (während etwa 3 Wochen um Februar/März) im gefällearmen Amazonas mit einer Springflut bei Neu- oder Vollmond. Von den Anwohnern wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet, zieht die Pororoca Surfer aus aller Welt an.
Der Amazonas hat eine hellbraune Färbung, die von der Sedimentfracht herrührt, die insbesondere aus den in den Anden liegenden Quellflüssen eingetragen wird. 90 Prozent der Sedimente, die der Amazonas mitführt, werden durch den Madeira, den Ucayali und den Marañón eingetragen. Diese Flüsse werden als "Weißwasserflüsse" bezeichnet.
Einige Zuflüsse kommen aber aus kristallinen Gebieten mit geringer Sedimentfracht, z. B. der Rio Tapajós oder der Rio Xingu. Sie werden "Klarwasserflüsse" genannt.
Einige der Flüsse mit durchsichtigem Wasser erscheinen durch die in ihnen gelösten Huminsäuren dunkelbraun wie der Rio Negro. Sie werden "Schwarzwasserflüsse" genannt.
An den Zusammenflüssen unterschiedlich gefärbter Flüsse zeichnen sich die verschiedenen Farben der Wassermassen zum Teil kilometerweit ab.
Vor dem Auseinanderbrechen des einstigen Großkontinents Gondwana floss ein Vorläufer des heutigen Amazonas ("Uramazonas") in die entgegengesetzte Richtung, von Osten nach Westen, und mündete in den Pazifik. Neben Südamerika waren in der Landmasse Gondwanas nach Osten hin Afrika, der indische Subkontinent, Australien und Antarktika vereint.
Einer Hypothese zufolge lag die Quelle des Amazonas bis vor 130 Millionen Jahren noch wesentlich weiter östlich, mitten im heutigen Afrika, im Ennedi-Massiv im Nordosten der Republik Tschad. Dann wäre mit einer Länge von circa 14.000 km der Uramazonas der längste bekannte Fluss der Erdgeschichte. Ein derart langer hypothetischer Oberlauf wird aber bezweifelt, da auf dem afrikanischen Kontinent weder eine entsprechende Tallinie noch sonstige Relikte festgestellt werden konnten.
Nachdem Gondwana auseinandergebrochen war, driftete die südamerikanische Lithosphärenplatte nach Westen. Das Amazonasbecken war somit von den einstigen Quellgebieten des Uramazonas abgeschnitten, und am Ostrand des Gebietes fielen die Flusstäler trocken. Zugleich falteten sich an der Westküste des Kontinents die Anden auf, da sich seitdem die Südamerikanische Platte auf die Pazifische Platte schob. Aufgrund der damit verbundenen Sperrung des Abflusses kehrte sich vor circa 10 bis 15 Millionen Jahren der Flusslauf um. Weil aber zunächst im Zentrum des Amazonasbeckens eine Hebung stattfand, geschah dies in zwei Phasen: Während die Osthänge bereits über einen Amazonas-Vorläufer in den Atlantik entwässerten, bildeten sich auf der Westseite riesige Binnenseen, deren Ablagerungen heute großenteils den Untergrund der "Terra firme" ausmachen. Erst als diese Seen nach rund fünf Millionen Jahren ebenfalls nach Osten entwässerten, konnte sich das heutige Flussnetz entwickeln.
Dies erklärt zum einen, warum die Flussniederung des Amazonas ungewöhnlicherweise zur Mündung hin schmaler wird, und zum anderen, warum sich im Oberlauf des Amazonas, tausende Flusskilometer von der Meeresküste entfernt, Tiere wie Rochen, Garnelen, Seezungen, Seekühe, Delfine, ja sogar Haie finden. Einige der Tierarten gerieten eventuell in den Amazonas, als dieser noch in den Pazifik mündete, und wurden später vom Meer abgeschnitten.
Es sind über 1500 verschiedene Fischarten bekannt, deren Lebensraum das Flusssystem des Amazonas ist. Der Fischreichtum spiegelt sich auch in den Speisekarten wider. Zu den wichtigsten Speisefischen zählen: Tambaquí "(Colossoma macropomum)," Jaraqui, Filhote, Tucunaré "(Cichla spp.)," Pirarucú "(Arapaima gigas)." Darüber hinaus gibt es eine Unmenge von regional vorkommenden Fischen, darunter Arten von Piranhas, den urzeitlich aussehenden Tamuatã "(Hoplosternum littorale)" und andere.
Zu den besonders bedrohten Tierarten, die den Amazonas besiedeln, gehören der Amazonas-Manati ("Trichechus inunguis") und der rosafarbene Amazonasdelfin ("Inia geoffrensis;" port. "Boto cor-de-rosa").
Im Amazonas schwimmen grüne "Inseln", die sich aus miteinander verhakten mitgeschwemmten Bäumen oder bei Hochwasser aus losgerissenen Wasserpflanzen und über Wurzeln vernetzten Grasinseln entwickeln. Sie können über 100 Meter lang werden und bilden ein eigenes Biotop.
Eine weitere Besonderheit sind so genannte Teufelsgärten, Monokulturen von Rötegewächsen.
Nicht nur der Regenwald im Amazonasgebiet wird von den Menschen langsam zerstört, auch der Lebensraum im Fluss wird geschädigt. Goldgräber haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2.000 Tonnen Quecksilber in den Amazonas geleitet. Durch kontaminiertes Wasser und die Luft gelangt es in die Nahrungskette. Gleichzeitig beschleunigt der Abbau von Gold die Entwaldung der Amazonas-Region. Schwerpunkte der Goldgräber befinden sich in Bolivien, Suriname, Guyana und Französisch-Guyana.
2005 wurde das Amazonasgebiet von einer bis dahin seltenen Dürre heimgesucht. Zwischen Juli und Oktober 2010 gab es eine zweite Dürrewelle. Dürre führte insbesondere in Verbindung mit Waldbränden zu ökologischen und ökonomischen Rückkoppelungseffekten, welche die Bedrohung des Ökosystems Amazonas beschleunigen.
Die fortschreitende Rodung der Urwälder setzt zudem die Nährstoffe im Böden der Auswaschung und Lösung durch die hohen Niederschläge aus. Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70 Prozent des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau.
In der Amazonasregion leben etwa eine Million Angehörige indigener Gruppen. Ihre Territorien werden in Brasilien von der dortigen Indianerbehörde FUNAI demarkiert. In Brasilien wurden bislang über eine Million Quadratkilometer als Indianergebiete ausgewiesen, das entspricht etwa 20 Prozent der Fläche. In diesen Gebieten leben 150 indigene Völker. Dennoch kommt es in den Indianergebieten teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit eindringenden Goldsuchern "(Garimpeiros)" und Holzunternehmern. Die Bewohner, die direkt an Flüssen leben – aufgrund der Hochwassergefahr oft in einfachen Hütten auf Stelzen –, werden "Caboclos" genannt. Sie leben oft vom Fischfang, der Herstellung von Kautschuk, etwas Viehzucht sowie dem Verkauf von Paranüssen und Früchten auf nahe gelegenen Märkten.
Der Fluss ist auch heute noch Hauptverkehrsader des Amazonasgebiets, insbesondere für den Gütertransport. Uferbegleitende Fernstraßen und Schienenwege gibt es kaum. Die meisten Städte sind mit Linienflügen zu erreichen, diese sind jedoch für einen großen Teil der Bewohner des Amazonasgebietes nicht erschwinglich, weswegen die typischen regionalen Schiffe benutzt werden. Der Großteil der Passagiere übernachtet in der mitgebrachten Hängematte. Im unteren Teil des Schiffes werden Güter transportiert. Stromab nutzen die Schiffe die Hauptströmung, stromauf werden die zahlreichen begleitenden Wasserwege mit geringerer Strömung bevorzugt.
Der Amazonas ist von der Atlantikküste bis Manaus mit Ozeanschiffen befahrbar. Selbst die Nebenflüsse Rio Tapajos und Rio Negro werden mit Kreuzfahrtschiffen befahren. In Manaus und inzwischen auch in einigen anderen Orten können diese großen Schiffe anlanden. Ab dem Mündungsgebiet verläuft der Hauptschifffahrtsweg über den rund 300 Meter breiten Canal de Breves südlich um die Insel Marajó herum nach Belém.
Straßen sind während der Regenzeit meist unpassierbar. Es gibt keine Straßen- oder Eisenbahnbrücke über den Amazonas oder den Rio Solimões.
Die Mündung des Amazonas wurde 1499 oder 1500 zum ersten Mal von Europäern entdeckt. Der Italiener Amerigo Vespucci und der Spanier Vicente Yáñez Pinzón kamen fast gleichzeitig mit ihren Schiffen an. Meist wird Vespucci als Entdecker angegeben.
Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo im heutigen Ecuador bis zur Atlantikmündung. Er beteiligte sich an der Expedition von Gonzalo Pizarro. Eine Zeit lang wurde der Amazonas deswegen "Rio Orellana" genannt. Er war eigentlich auf der Suche nach dem legendären Goldland Eldorado.
Am 12. Februar 1542 entdeckten Francisco de Orellana und Gonzalo Pizarro die Quelle des Marañón, des kürzeren, aber wasserreicheren Quellflusses. Von Oktober 1637 bis August 1638 befuhr Pedro Teixeira den Amazonas flussaufwärts bis zur Quelle des Napo.
Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster.
Viele Südamerikaforscher erkundeten den Amazonas, darunter die Deutschen Alexander von Humboldt – er erklärte die Gabelung von Orinoko und Amazonas (Bifurkation) –, Georg Heinrich von Langsdorff und Eduard Friedrich Poeppig sowie der Erforscher des Quellgebietes, Wilhelm Sievers.
Unter anderem haben die beiden deutschen Forscher und Naturwissenschaftler Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius weite Teile des Amazonas befahren und wesentliche Beiträge zur Erforschung der noch immer unüberschaubaren Tier- und Pflanzenwelt des Amazonasgebietes geleistet.
Erst 1971 wurde die Quelle des längeren Quellflusses Ucayali vom Amerikaner Loren McIntrye erkannt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.
Am 1. Februar 2007 startete der Slowene Martin Strel im Alter von 52 Jahren einen Rekordversuch im (Längs-)Durchschwimmen des Amazonas. Er legte dabei innerhalb von 66 Tagen insgesamt 5268 km den Fluss entlang zurück. Er begann seinen Rekordversuch in Peru in dem Dschungelort Atalaya und beendete ihn in der brasilianischen Stadt Belém.
Der Brasilianer Picuruta Salazar surfte 37 Minuten und über zirka 12 km auf der Pororoca-Welle.
Der Brite Ed Stafford schaffte als erster Mensch eine Wanderung von der Quelle des Amazonas bis zur Mündung. Er brauchte für diese Reise von 6400 km 859 Tage (April 2008 bis August 2010).