Simon Petrus

Simon Petrus (* in Galiläa, Datum unbekannt; † um 65–67, möglicherweise in Rom) war nach dem Neuen Testament (NT) einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret in seine Nachfolge berief. Er wird dort als Sprecher der Jünger bzw. Apostel, erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, zweiter männlicher Augenzeuge des Auferstandenen () und als einer der Leiter („Säulen“) der Jerusalemer Urgemeinde dargestellt. Hinzu kommen deutlich spätere Notizen bei diversen Kirchenvätern, wonach er erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll.
Simons Historizität wird aufgrund übereinstimmender Angaben in den frühesten Textbestandteilen der Evangelien und archäologischer Funde angenommen. Das NT überliefert jedoch nur wenige als zuverlässig geltende biografische Details über ihn. Spätere Notizen werden vielfach als legendarisch angesehen.
Die römisch-katholische Kirche führt den Primatsanspruch des Papsttums über die Gesamtkirche auf die Annahme zurück, Petrus sei der erste Bischof von Rom gewesen, und Christus habe Petrus und dieser den folgenden Bischöfen von Rom einen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter aller Christen gegeben. Die übrigen Kirchen lehnen diesen Anspruch ab. Jedoch gilt Petrus auch für die altorientalischen, orthodoxen, altkatholischen sowie die anglikanischen Kirchen als erster Bischof von Rom und als Heiliger. Die evangelischen Kirchen erinnern mit einem Gedenktag an ihn.
Alle Quellen zu Simon Petrus stammen von Christen. Mögliche biografische Informationen finden sich vor allem in den Evangelien, den Paulusbriefen, weiteren Apostelbriefen und der Apostelgeschichte des Lukas. Sie teilen diese Daten im Rahmen missionarischer und theologischer Verkündigungsabsichten mit. Daher unterliegen sie dem historisch-kritischen Vorbehalt, fiktionale Konstrukte oder „intentionale Geschichte“ zu sein.
Zusätzliche Angaben zu Simon Petrus finden sich vor allem im Ersten Clemensbrief, bei Irenäus von Lyon, Tertullian und Eusebius von Caesarea. Sie stammen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert und verfolgen damalige kirchenpolitische Interessen, als in der Auseinandersetzung mit Häresien der Bibelkanon, das monarchische Bischofsamt und die Idee der Apostolischen Sukzession entwickelt wurden. In diesem Kontext arbeiten sie zum einen die Bedeutung des Petrus für die Vorrangstellung Roms vor den übrigen Patriarchaten aus und stellen ihn zum anderen als Beispiel für den „sündigen Heiligen“ dar, dessen Versündigung, Reue und Buße zeige, dass allen Menschen das Heil offenstehe.
Apostelakten zu Simon Petrus werden weitgehend als Legenden, nicht als historische Quellen beurteilt.
Archäologische Zeugnisse für eine Petrusverehrung in Rom stammen aus dem 1. Jahrhundert. Ob sie seinen Aufenthalt und sein Begräbnis dort belegen, ist stark umstritten.
Alle Evangelien kennen den Jünger unter dem Namen "Simon"; Jesus redet ihn bis auf eine Ausnahme immer so an. Es handelt sich um die griechische Form des biblischen Namens Simeon (hebr. "Schim’on"), dem Tanach zufolge einer der Söhne Jakobs und Stammvater eines der Zwölf Stämme Israels. Patriarchennamen waren unter palästinischen Juden dieser Zeit besonders beliebt und wurden häufig auch in der griechischen Übersetzung verwendet. Da auch Simons Bruder Andreas einen griechischen Namen trägt, scheint diese Namensform die ursprünglichere zu sein. und nennen ihn "Symeon", eine Gräzisierung der hebräischen Namensform.
In nennt Jesus seinen Jünger mit Vatersnamen "Simon bar Jona" („Simon, Sohn des Jona“). Zu möglichen politischen Konnotationen dieser Anrede und zu der Frage, ob der Vater der beiden Apostel Jona oder, wie es an anderer Stelle im Neuen Testament heißt, Johannes (hebr. "Jochanan") geheißen haben kann, gibt es verschiedene Theorien (siehe unten, Abschnitt „Herkunft und Berufung“).
Paulus von Tarsus nennt den Apostel stets "Kephas", eine gräzisierte Form des auch in den Evangelien überlieferten Beinamens "Kefa" (Kēp’, in hebräischen Buchstaben כיפא), ein aramäisches Wort, das als Eigenname kaum belegt ist und eigentlich „Stein“ bedeutet. Gal 2,7 f. übersetzt den Namen einmal ins Griechische zu πέτρος ("pétros"), was ebenfalls „Stein“ bedeutet und mit dem griechischen Wort für „Fels“ (πέτρα) verwandt ist. Im Hebräischen hat das Wort "kēp" (כֵּף) ebenfalls die Grundbedeutung „Fels“ oder „Stein“. Sowohl das semitische als auch das griechische Wort bezeichnen einen gewöhnlichen Naturstein (Wurfstein, Bruchstein, Kieselstein), im Hebräischen auch einen Felsen (z. B. ), im Aramäischen kann (seltener) ebenfalls ein Felsen, Felsbrocken oder eine Felsenspitze gemeint sein.
Jesus selbst soll Simon den Beinamen "Kefa" verliehen haben; wo und wann, überliefern die Evangelien unterschiedlich. Einige Exegeten nahmen an, Simon habe den Beinamen erst als Apostel der Urgemeinde angenommen, und dies sei nachträglich auf Jesus zurückgeführt worden (vgl. Joh 1,42). Die meisten Forscher (darunter Peter Dschulnigg, Joachim Gnilka, Martin Hengel, John P. Meier, Rudolf Pesch) gehen jedoch davon aus, dass Simon diesen Beinamen bereits im ersten Jüngerkreis trug, da "Kephas" in einigen der ältesten NT-Schriften als eigentlicher Name oder von Anfang an verwendeter Beiname (; Mt 4,18; 10,2) des Apostels erwähnt ist. Auch wird zumeist angenommen, dass ihm der Beiname tatsächlich von Jesus gegeben wurde. John P. Meier weist darauf hin, dass die Evangelien eine Nennung des Namens "Petrus" oder "Kephas" im Munde Jesu an vielen Stellen auffällig vermeiden; er hält es für denkbar, dass dieser Name für den Gebrauch im Verhältnis unter den Jüngern, aber nicht im Verhältnis zu Jesus bestimmt war.
Vermutet wurde auch, der ursprüngliche Sinn des Namens erschließe sich aus der angenommenen Wortbedeutung „Edelstein“ im Aramäischen, was die besondere Rolle Simons als Wortführer der Erstberufenen hervorheben könnte. Die Sinnverschiebung zu „Fels“ als Fundament der Kirche sei dann als nachösterliche Umdeutung zu verstehen. Die im Anschluss an Rudolf Pesch vermutete Übersetzung von "kefa" als „Schmuckstein“ oder „Edelstein“ zur (auszeichnenden) Benennung einer Person ist vom Aramäischen her jedoch nicht hinreichend zu belegen, da der Gebrauch der aramäischen Wurzel "kp" als Personenname nicht nachgewiesen ist und überhaupt kaum Beispiele einer Verwendung des Wortes in der Bedeutung „Edelstein“ bekannt sind, in denen dieses Verständnis nicht durch Zusammensetzungen, attributive Zusätze (etwa „guter Stein“ im Sinne von „edel“ oder „wertvoll“) oder einen eindeutigen Kontext nahegelegt würde.
Der protestantische Heidelberger Judaist und Talmud-Übersetzer Reinhold Mayer vermutet, der Namensgebung durch Jesus liege neben dem Gedanken an den Grundstein des Jerusalemer Tempels eine ironische Anspielung auf den ungewöhnlichen Namen des zu seiner Zeit amtierenden Hohenpriesters Kajaphas (קיפא) zugrunde. Die in griechischer Umschrift verschieden vokalisierten Namen "Kaiphas" und "Kephas" unterscheiden sich in hebräischer Schrift nur in den anlautenden Konsonanten (Koph bei "Qajfa" statt Kaph bei "Kefa"), die sehr ähnlich klingen. Damit wohne dem Namen ein (möglicherweise durchaus ernst gemeinter) Anspruch auf die Ablösung des Hohenpriesters durch den Führer der Zwölfergruppe um Jesus inne, der selbst im Rahmen seines Messianismus den Königstitel für sich beanspruchte.
Ähnlich wie "Jesus Christus" wurde auch "Simon Petrus" spätestens mit der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata (um 385) zum Eigennamen.
Simon stammte wie Jesus aus Galiläa und war an seiner Sprache als Galiläer erkennbar (Mk 14,70 par.). Er gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus in seine Nachfolge berief. Fast alle Überlieferungen berichten über die Zeit seit dieser Berufung, nur wenige über seine Herkunft.
Sein Vater wird namentlich erwähnt: In spricht Jesus Simon als "barjona", also auf Aramäisch als „Sohn des Jona“ an. Nach hieß sein Vater Johannes. Das könnte die griechische Version des aramäischen Namens sein oder den „geistlichen Vater“ Johannes den Täufer meinen. Als Adjektiv bedeutet "barjona" auch „impulsiv“ oder „unbeherrscht“. Darin sehen einige Exegeten einen Hinweis auf eine mögliche frühere Zugehörigkeit Simons zu den Zeloten, da im späteren Talmud jüdische Freiheitskämpfer als "barjonim" (Plural) bezeichnet wurden.
Simon hatte einen Bruder namens Andreas, der wohl der Jüngere war, da alle Apostellisten ihn nach ihm nennen. Sie waren Fischer am See Genezareth. Nach Mk 1,16 traf Jesus sie am Seeufer beim Auswerfen ihrer Fischernetze und forderte sie auf, ihm nachzufolgen. Daraufhin hätten sie die Netze verlassen und seien ihm gefolgt. Bei der Berufung der übrigen zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben .
Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfährt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter und seinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kafarnaum (Mk 1,21.29 f.; Lk 4,38; Mt 8,14). Auf dessen Überresten könnten Urchristen eine ihrer ersten Pilgerstätten errichtet haben. Dies vermuten einige Archäologen, da unter einer byzantinischen achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert Mauerreste aus dem 1. Jahrhundert ausgegraben wurden. Der einzige klare Hinweis auf ein Petrushaus, das früh als Hauskirche genutzt worden sein könnte, sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spuren kultischer Zusammenkünfte zeigen. Sie stammen frühestens aus dem 3. Jahrhundert.
Nach Mk 1,31 heilte Jesus Simons Schwiegermutter, worauf diese den Jüngern diente. Obwohl Jesus Simon wie die übrigen Jünger aufforderte, alles zu verlassen (Mk 10,28 f.), traf Paulus ihn und andere Apostel um das Jahr 39 in Jerusalem mit ihren Ehefrauen an (1 Kor 9,5). Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Mt 5,32), kann Simons Frau wie andere Frauen aus Galiläa (Mk 15,41; Lk 8,2) mit ihm umhergezogen sein.
Nach Lk 5,1–11 wurde Simon zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung folgt einem unerwartet großen Fischfang, nach dem Simon bekennt: „Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Hier nennt Lukas ihn erstmals Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (Lk 6,14). Er erklärt den Beinamen ebenso wenig wie Markus. Nach Apg 10,14.28 beachtete Simon jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden.
Auch nach Mt 4,18 wird Simon ab seiner Berufung beiläufig „Petrus“ genannt. Matthäus stellt den Beinamen erst heraus, nachdem Simon Jesus als den Messias bekannt hatte und dieser ihm daraufhin zusagte, er werde seine "ecclesia" auf „diesen Felsen“ bauen (Mt 16,16 ff.).
Nach Joh 1,44 kamen Petrus und sein Bruder aus Bethsaida. Ob hier der Geburts- oder nur ein früherer Wohnort gemeint ist, bleibt offen. Andreas soll als Jünger Johannes des Täufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt und dann seinen Bruder Simon zu ihm geführt haben. Jesus habe diesem sofort, als er ihn sah, den Beinamen „Kephas“ verliehen (Joh 1,35–42).
Nach allen Evangelien war Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsfigur. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genannt wird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahestanden. Sie galten nach Mk 9,2–13 (Verklärung Christi) als die einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani (Mk 14,33).
Nach beantwortet Petrus Jesu Frage an seine Jünger, für wen sie ihn halten, mit dem Glaubensbekenntnis: "Du bist der Messias!" Dieser Titel erscheint hier das erste und einzige Mal im Munde eines der Jünger, gefolgt vom Schweigegebot Jesu an sie alle, diesen Glauben an ihn nicht öffentlich zu verbreiten (V. 30). Petrus spricht hier also stellvertretend für alle Erstberufenen.
Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte, „nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren“ (V. 32). Er habe also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen. Daraufhin habe Jesus ihn schroff zurechtgewiesen (V. 33):
„Satan“ bedeutet im Hebräischen „Gegner“ oder „Widersacher“. Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in der Wüste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte (Mt 4,1–11); er wird auch an anderen Stellen des NT in die Nähe des Satans gerückt (Lk 22,31).
In der matthäischen Variante (Mt 16,16) antwortet Simon:
Damit wiederholt er hier das Bekenntnis aller Jünger zur Gottessohnschaft Jesu, das diese nach Jesu Stillung des Sturms ablegen (Mt 14,33). Wie bei Markus folgt auch hier kein weiteres Christusbekenntnis der Jünger, sondern später Jesu eigene Bejahung der Messiasfrage im Verhör durch den Sanhedrin (Mk 14,62; Mt 26,63).
Nach beantwortete Jesus Simons Christusbekenntnis mit einer besonderen Zusage:
Das in der altgriechischen Literatur selten anzutreffende Wort "petros" bezeichnete wie das aramäische "kefa" in der Regel einen einzelnen Naturstein, runden Kiesel oder Brocken, nicht dagegen einen als Baugrund geeigneten Fels; "petra" hingegen bedeutet Felsen (als einzelner Felsen oder als Felsgrund, unter Umständen kann auch der in eine Mauer eingefügte, behauene Steinblock bezeichnet sein). Unter den Sprüchen von der Nachfolge findet sich in das Gleichnis von dem Mann, der sein Haus „auf den Felsen“ ("epi tän pétran") gebaut hat, was üblicherweise generisch mit „auf Fels gebaut“ wiedergegeben wird. An dieses Jesuswort könnte auch Mt 16,18 angelehnt sein, falls es sich um eine nachträgliche Bildung handelt.
Der Ausdruck „Stein“ lässt jüdische Metaphern anklingen: So war der „heilige Stein“ im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels in der biblischen Zionstradition zugleich Eingang zur Himmelswelt, Verschlussstein gegen die Sintflut und die Totenwelt (z. B. Jes 28,14–22). Jedoch wurde dieser Stein nicht „Felsen“ genannt und nie als Baufundament dargestellt.
Dieser Vers ist im NT einmalig. Umstritten ist bis heute unter anderem, ob es sich um ein echtes Jesuswort handelt, wann und warum es entstanden ist, woher die einzelnen Ausdrücke stammen und was sie hier bedeuten.
Evangelikale Ausleger, die eine Grundlegung des Petrusamtes im Felsenwort ablehnen, vertreten daher häufig die Meinung, in Mt 16,18 beziehe sich nur der Name "Petros" („Stein“) auf Simon Petrus selbst, während sich das Wort "petra" („Felsen“) auf Christus beziehe, der selbst das Fundament seiner Kirche ist. Diese Ausleger untermauern ihr Verständnis mit Verweis auf andere Bibelstellen, in denen sich Jesus mit einem Eckstein ("kephalé gōnías", „Haupt der Ecke“ nach ) oder Baustein ("lithos") vergleicht ( par) oder als solcher bezeichnet wird (1Petr 2,4). Von der Syntax der Aussage in Mt 16,18 her ist diese Deutung allerdings nicht nachvollziehbar, da der Ausdruck „dieser Felsen“ im zweiten Teilsatz eindeutig auf den zuvor genannten "Petros" bezogen ist und nicht auf den Sprecher (Jesus) selbst. Der semantisch nicht bruchlose Übergang vom Eigennamen "Petros" (übersetzt „Stein“) zu "petra" („Felsen“) und dessen Bezeichnung als Baugrund stellt sich vielmehr als Wortspiel dar, das die nahe Verwandtschaft der beiden Wörter thematisiert, ohne den Bezug zu der angesprochenen Person aufzugeben. Ob dieses Wortspiel bzw. eine doppelsinnige Verwendung des Begriffs "kefa" auch im Aramäischen möglich ist, was die Voraussetzung dafür wäre, um das Wort für ursprünglich jesuanisch zu halten, ist strittig.
"Ekklesia" (wörtlich „die Herausgerufene“, von dem griechischen Verb "kalein", „rufen“) bezeichnete im profanen Griechisch die einberufene Versammlung von Bürgern. In der Septuaginta wird der hebräische Begriff "kahal" mit "ekklesia" ins Griechische übersetzt, was in der Zusammensetzung mit Gott ("Kyrios") das erwählte Gottesvolk Israel meint, wobei das Motiv der Sammlung Israels („Rückrufung“ aus dem Exil) begrifflich durchscheint. Im Kontext von Mt 16,14 f. ist der Ausdruck auf den Zwölferkreis bezogen, die erstberufenen zwölf Jünger Jesu, die in den Evangelien die Nachkommen der Zwölf Stämme Israels repräsentieren, d. h. das endzeitlich versammelte Israel als Ganzes. In den frühen Briefen des NT wird das Wort zunächst als Bezeichnung der einzelnen Christengemeinde verwendet, wiewohl in ein weiteres Verständnis bereits bei Paulus anzuklingen scheint. Ausdrücklich als Bezeichnung für die Gesamtheit der Christen (Universalkirche) wird der Ausdruck erst in den vermutlich später entstandenen deuteropaulinischen Briefen (, ) benutzt.
Der Ausdruck „meine "ekklesia"“ ist nur an dieser Stelle als Ausspruch Jesu überliefert. Dies ist ein Hauptargument gegen die Echtheit des Logions, denn es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der historische Jesus eine Bezeichnung zur Charakterisierung seiner Gefolgschaft verwendet haben könnte, die sich im Griechischen mit "ekklesia" wiedergeben ließe. Zudem erscheint der Vers redaktionsgeschichtlich als Einschub in die Vorlage Mk 8,27–30. Der Ekklesia-Begriff verweist nach Karl Ludwig Schmidt ursprünglich auf eine Sondergemeinschaft innerhalb des Gottesvolks, die sich (ähnlich wie die Qumran-Gemeinschaft) als „Auserwählte“ in dem erwarteten Endgericht (Mk 13,20 ff.) bzw. Ausgesonderte („Heilige“, vgl. Apg 9,13.32.41 u. a.) begriffen haben könnte, zugleich aber Teil des Judentums blieb und die Toragebote und den Tempelkult nicht aufgab. Demnach wäre eine Entstehung im judenchristlichen Umfeld denkbar.
„Tore des Hades“ war im Hellenismus eine feste Redewendung für den Ort, an den Gestorbene gelangten. Hinter jedem Sterblichen („Fleisch und Blut“) schlossen sie sich unwiderruflich (Jes 38,10).
Für Hans Conzelmann stammt der Vers aus einer von Petrus gegründeten Gemeinde in Syrien oder Kleinasien, die Jesus das Wort nach Petri Tod in den Mund gelegt habe. Denn hier würden die „Pforten der Unterwelt“ der Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft über den Tod des Einzelnen hinaus gegenübergestellt.
Ulrich Luz deutet „meine "ekklesia"“ als das gesamte Christentum, da Jesus nur eine Gemeinde bauen könne und die Zusage an das verbreitete biblische Bild vom Hausbau des Gottesvolks anschließe (Mt 7,21). Der Vers sei ein griechisches Wortspiel, kein ins Griechische übersetzter aramäischer Satz. Der frühe Beiname Simons, "Kefa", den Jesus ihm gegeben haben könnte, werde hier im Rückblick auf sein schon abgeschlossenes Wirken als Apostel gedeutet. Da auch andere NT-Stellen (Eph 2,20; Offb 21,14) von Aposteln als Baufundament der Kirche sprechen, sei der Vers wahrscheinlich nachösterlich in einer griechischsprechenden Gemeinde entstanden. Die Zusage Jesu, dass die "ekklesia" nicht „überwältigt“ werde, versteht Luz im Anschluss an Karl Barth als eine vergleichende Aussage: Die Tore der Unterwelt, Inbegriff des Totenreichs, das kein Sterblicher von sich aus wieder verlassen kann, sind diesem Logion zufolge nicht stärker als die auf den Felsen gebaute Kirche. Dieser wird Bestand bis zum Weltende verheißen, da Jesus ihr seine Gegenwart auch in der Zukunft (nach Tod und Auferstehung) verspricht (Mt 28,20).
Dem Christusbekenntnis des Petrus und seiner Zurechtweisung folgt Jesu Jüngerbelehrung :
Diese Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund für das spätere Versagen des Petrus im Verlauf der Passion Jesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnete (Mk 14,66–72).
Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14,29 ff.). Laut Joh 13,6–9 wollte er sich nicht die Füße von Jesus waschen lassen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Die Fußwaschung war jedoch symbolische Anteilgabe am Heil und mit dem Auftrag Jesu an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen.
Jesus kündigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (nach Lk beim letzten Mahl Jesu) an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich ( par.):
Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat (Mt 26,40.43 f.). Dann soll er nach Joh 18,10 mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut Mk 14,47 ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (Mk 14,62). Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen (Mk 14,66–72).
Petrus fehlte demnach die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Erst nach Pfingsten trat er laut Apg 5,29 als todesmutiger Bekenner vor dem Hohen Rat auf, der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte. Paulus dagegen berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue „heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zu wandeln (Gal 2,11–14).
Einige Exegeten schließen daraus auf seinen ambivalenten Charakter. Andere sehen Petrus als Beispiel für das Verhalten aller Jünger, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes verließen (Mk 14,50). Er steht im NT für das dichte Beieinander von Glauben und Unglauben, Zeugendienst und schuldhaft verweigerter Kreuzesnachfolge in der ganzen Kirche.
Petrus ist im NT einer der Ersten, dem der auferstandene Jesus begegnete. Als Ausgangspunkt der Osterüberlieferung des NT gelten frühe Bekenntnissätze der Urchristen wie :
Den Satz sprechen im Erzählkontext die in Jerusalem versammelten Jünger, bevor der auferstandene Jesus auch ihnen erscheint. Die Liste der ersten Osterzeugen, die Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde übernahm, bestätigt dies :
Auch Mk 16,7 nennt Petrus neben den anderen Jüngern als Adressaten einer Jesuserscheinung in Galiläa. Doch davon berichten die Evangelien sonst nichts.
Nach Joh 20,11–18 sah, erkannte und verkündete Maria Magdalena, nicht Petrus, den Auferstandenen zuerst. Nach Joh 20,1–10 entdeckte sie allein zuvor das leere Grab Jesu und berichtete Petrus und dem Lieblingsjünger Jesu davon. Darauf liefen diese um die Wette zum Grab, betraten es und entdeckten darin die Leinenbinden und das aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten. Danach seien sie wieder „nach Hause“ gegangen. Laut Joh 20,19–23 erschien der Auferstandene erst am Abend desselben Tages allen versammelten Jüngern.
Das später ergänzte Schlusskapitel Joh 21,1–19 berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (Lk 5,1–11), so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: „Liebst du mich?“, was er jedes Mal bejaht. Daraufhin erhält Petrus dreimal den Befehl: „Weide meine Schafe!“ und den erneuten Ruf „Folge mir nach“. Dies deuten Exegeten als Hinweis darauf, dass die Verleugnung Jesu durch Petrus noch 100 Jahre später Anstoß erregte und theologisch verarbeitet werden musste.
Der später angehängte Schluss des Markusevangeliums (Mk 16,9–20) versucht die verschiedenen Erscheinungsberichte in eine harmonische Abfolge zu bringen. Er folgt Joh 20 und nennt Maria von Magdala als erste Augenzeugin des Auferstandenen. Aus solchen Unterschieden in den Ostertexten der Evangelien schließen NT-Historiker meist, dass Erscheinungen Jesu und Entdeckung seines leeren Grabes ursprünglich unabhängig voneinander überliefert und dann auf verschiedene Weise kombiniert wurden, um das Jüngertreffen zu erklären.
Fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen aus der Apostelgeschichte. Nach Apg 1,2 ff. im Anschluss an Lk 24 entstand die Jerusalemer Urgemeinde durch die Erscheinung des auferstandenen Jesus Christus vor den versammelten elf Jüngern in Jerusalem und das Wirken des Heiligen Geistes im Pfingstwunder. Nach Apg 1,4.13 hielten sich die zwölf Jünger in Jerusalem versteckt, bis sie nach Apg 2,1 ff. der Heilige Geist überkam. Darauf folgt Petri erste öffentliche Predigt in Jerusalem. Sie legt Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelt in der Aussage :
Daraufhin sollen sich am selben Tag 3000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. Diese erste Gemeinde der Christen soll nach Apg 2,5 Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasst haben.
Petrus geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten (Apg 4,8 ff.; 5,29). Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimütig bekannt haben; begründet mit dem Satz :
Diese Formulierung ist eine der Wurzeln der in der Kirchengeschichte häufig verwendeten Phrase "Non possumus". Petrus war wohl anfangs ein Vertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (Gal 2,8; Mt 10,5; vgl. Lk 24,47). Nach der Hinrichtung des Stephanus und Verfolgung seiner Anhänger in der Urgemeinde missionierten Petrus und andere Apostel auch außerhalb Jerusalems. Laut Apg 8,14–25 kam er dabei auch nach Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine Autorität über die Urgemeinde hinaus.
Von Petrus werden auch Spontanheilungen und Totenerweckungen analog zu den Heilungswundern Jesu berichtet, etwa in Lydda und Joppe (Apg 9,32–43). Dies betont die Kontinuität zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen, das zu ihrem Auftrag gehörte (Mk 16,15–20; Mt 10,8).
Paulus besuchte die Urgemeinde nach Gal 2 erstmals um 36 und traf dort zunächst nur mit Petrus zusammen. Beim zweiten Besuch (um 48) habe er Petrus, Jakobus den Gerechten und Johannes gemeinsam als „Säulen“ der Urgemeinde angetroffen (Gal 2,9). Bei diesem Apostelkonzil wurde seine gesetzesfreie Heidenmission anerkannt. Petrus trat dabei nach Apg 15,7–11 als deren Fürsprecher auf: So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.
Paulus berichtet jedoch von einem Konflikt mit Petrus nach diesem Treffen in Antiochia (Gal 2,11–14): Petrus habe dort als Vertreter der Urgemeinde zunächst die Tischgemeinschaft mit den neugetauften Nichtjuden geübt, also ihre Taufe anerkannt (vgl. Apg 9,32). Dann aber hätten Anhänger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert (vgl. Apg 11,3). Daraufhin sei Petrus vor ihnen zurückgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Nichtjuden beendet. Dafür habe er, Paulus, ihn öffentlich gerügt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, getauften Heidenchristen die Einhaltung der Tora ganz zu erlassen.
Paulus zeichnete damit ein anderes Bild von Petrus als Lukas. Für ihn war er der Vertreter des „Evangeliums an die Juden“, der den Nichtjuden nach der Taufe weiterhin Toragebote auferlegte. Dies sehen einige Exegeten als Hinweis auf nach dem Apostelkonzil fortbestehende Spannungen, die Lukas später zu beschönigen versucht habe.
Zum Wirken des Petrus nach dem Apostelkonzil macht das Neue Testament keine Angaben. Fest steht nach dem Zeugnis des Galaterbriefes nur, dass er sich bald danach in der aus Juden und Heiden bestehenden Gemeinde Antiochiens aufhielt und dort bei dem von Paulus geschilderten Zusammenstoß eine stärkere Stellung als dieser besaß. Die von Paulus erwähnte „Kephas-Partei“ in Korinth (1 Kor 1,12) zeigt, dass sein Einfluss über Syrien hinausreichte. Bei Paulus’ letztem Besuch in Jerusalem, der mit seiner Gefangennahme und anschließenden Abschiebung nach Rom endete, war Petrus nicht mehr dort. 
Das Neue Testament beschreibt weder eine Romreise des Petrus noch seinen Tod. Zwar sagt Jesus in der synoptischen Tradition (u. a. Mk 10,39; 13,9–13) allen Jüngern Verfolgung und Tod voraus; gerade auch Petrus erklärt seine Bereitschaft dazu (Lk 12,33; Joh 13,37). Aber nur deutet sein besonderes Ende an und setzt ein spezielles Wissen davon voraus:
Joachim Gnilka deutet das „Gürten“ als ein Fesseln der ausgestreckten Hände und das Führen – wörtlich „Schleppen“ – an den unerwünschten Ort als Gang des an ein Querholz Gefesselten zur Kreuzigung. Auch Jesu Kreuzestod werde im Johannesevangelium als Verherrlichung gedeutet, so dass die Ankündigung (Joh 13,36) und mehrfache Aufforderung Petri zur Nachfolge (Joh 21,19.22) sich auf ein gleichartiges Martyrium beziehe. Wo dieses stattfand, sagt das Neue Testament nicht.
Udo Schnelle hält die Passage im Nachtragskapitel 21 des Evangeliums für eine Korrektur der Herausgeber, um die das Johannesevangelium im Übrigen prägende Vorrangstellung des „Lieblingsjüngers“ gegenüber Petrus zu relativieren, was den stetig wachsenden Einfluss der Petrus-Gestalt in der christlichen Tradition dokumentiere: „Wahrscheinlich mussten die johanneischen Traditionen unter die Autorität des Petrus gestellt werden, um weiter als legitime Interpretation des Christusgeschehens zu gelten.“
Paulus weist im Römerbrief (um 56–60) auf Verfolgungen der dortigen Christen hin (Röm 12) und grüßt einige von ihnen namentlich; der Name Petrus fehlt allerdings. Die Apostelgeschichte, die zwar keine lückenlose Chronologie enthält, den Übergang von der Judenmission der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus aber ausführlich darstellt, berichtet zuletzt über dessen ungehinderte Missionstätigkeit in Rom (Apg 28,17–31). Nach Ansicht vieler Neutestamentler hätte der Verfasser der Apostelgeschichte eine Anwesenheit des Petrus in Rom sicherlich vermerkt, wenn sie ihm bekannt gewesen wäre.
Das Neue Testament enthält zwei Gemeindebriefe, die Petrus als Verfasser nennen. Der 1. Petrusbrief, den der Apostel dem Briefschluss zufolge einem „Silvanus“ diktiert haben soll (1 Petr 5,12), enthält Ermutigungen für „Christen“, die sich in einer akuten, offenbar aber noch lokal begrenzten Verfolgungssituation befinden, und schließt mit einem „Gruß aus Babylon“ (1 Petr 5,13). Er galt deshalb schon im 3. Jahrhundert als in Rom verfasst, da „Babylon“ in jüdischer wie auch christlicher Literatur als Tarnname für „Rom“ im Sinne einer Chiffre für eine besonders verdorbene, sündige Weltstadt vorkommt (etwa in Offb 14,8; 16,19; 17,5.9 u. a.). Der Brief wird heute mehrheitlich auf die Zeit um 90 datiert, nicht selten unter Hinweis auf eine mögliche Verfolgung unter Kaiser Domitian (81–96); auch Graham Stanton nimmt deshalb die Jahre kurz nach dem Regierungsantritt Domitians als Abfassungszeit an. Ausmaß und Historizität dieser Verfolgung werden allerdings seit den 1970er Jahren zunehmend angezweifelt. Dietrich-Alex Koch vermutet daher die Zeit der ersten gesetzlich geregelten Christenverfolgungen unter Kaiser Trajan als Briefsituation (nach 100 bis ca. 115). Udo Schnelle hält dagegen eine Entstehung des Schreibens in der Spätphase der Regierungszeit Domitians weiterhin für plausibel und macht sie an den zunehmend judenfeindlichen Maßnahmen des Herrschers fest, von denen „auch vereinzelt Judenchristen betroffen“ gewesen sein könnten. Ausleger, die eine Abfassung durch den Apostel Petrus selbst annehmen, datieren den Brief auf die Zeit um oder auch vor 60.
Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert kam die – vereinzelt noch heute vertretene – biblizistische Interpretation auf, Petrus habe sich wirklich in Babylon aufgehalten, als er den Brief schrieb. Allerdings war die mesopotamische Stadt im ersten Jahrhundert schon länger zerstört. Anderweitige Hinweise auf eine Missionsreise des Petrus in die jüdischen Siedlungsgebiete des (in jüdischer Tradition auch „Babylonien“ genannten) Partherreichs gibt es nicht. Die im Grußvers 5,13 erwähnte „Miterwählte“ wird zuweilen mit der Ehefrau des Apostels gleichgesetzt, und der vom Verfasser als „mein Sohn“ bezeichnete (mit dem Evangelisten Markus identifizierte) Markus als deren leiblicher Nachkomme betrachtet. Eine unmittelbare biografische Auswertung der Angaben im Briefschluss des 1. Petrusbriefes für das Leben des Apostels Petrus gilt jedoch bibelwissenschaftlich als unergiebig, da die „Miterwählte“ auch die Gemeinde bezeichnen kann und „Babylon“ und „mein Sohn“ genauso gut in übertragener Bedeutung gebraucht sein können. Möglicherweise drangen die Namen Markus und Silvanus/Silas auch aus der paulinischen in die petrinische Überlieferung ein.
Der 2. Petrusbrief ist als „Testament“ des Petrus kurz vor seinem Tod (2 Petr 1,13–15) gestaltet und bestätigt ausdrücklich die Lehren des Paulus (2 Petr 3,15). Er wird aufgrund seiner vermuteten Abhängigkeit vom Judasbrief, dessen Text fast vollständig übernommen ist, frühestens zwei Jahrzehnte nach dem Tod des Apostels datiert, in der Regel aber nicht vor 110. Hinweise auf den Entstehungsort gibt der 2. Petrusbrief nicht. Die Aufnahme des Briefes in den Kanon des Neuen Testaments war wegen der ungewissen Autorschaft des Petrus lange ungeklärt und noch zu Zeiten des Kirchenhistorikers Eusebius von Caesarea nicht allgemein anerkannt.
Papias von Hierapolis (wohl um 130) führte das Markusevangelium auf einen "Johannes Markus" zurück, der im Neuen Testament zuerst in Jerusalem (Apg 12), dann im Umkreis von Barnabas und Paulus (Apg 15; Kol 4,10; 2 Tim 4,11; Phlm 1,24) genannt wird. Nur in 1 Petr 5,13 erscheint ein Markus als Begleiter des Petrus. Möglicherweise hat die Papiastradition hier ihren Ausgangspunkt. Papias zufolge diente Markus dem Petrus in Rom als Dolmetscher und schrieb nach den Berichten und Lehrreden des Apostels sein Evangelium auf, so dass Petrus dessen eigentliche Quelle sei. Auch bei Clemens von Alexandrien († um 215) findet sich eine ähnliche Angabe. Als historisch glaubwürdig ist die Papiastradition zu Markus-Petrus nach herrschender Meinung nicht einzustufen, zumal sich keine spezifisch „petrinische“ Theologie im Markusevangelium wiederfinde. Bedeutende Gelehrte wie Martin Hengel, der 2008 erneut für die historische Zuverlässigkeit der Papiasüberlieferungen plädierte, halten dementgegen an einer petrinischen Prägung des Evangeliums fest. 
Die Berichte des Papias und Clemens wurden durch den Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea in seiner "Kirchengeschichte" im 4. Jahrhundert nach Christus überliefert und von anderen frühchristlichen Autoren wie dem Kirchenvater Hieronymus aufgegriffen. Auf diese Weise ging die Vorstellung vom Markusevangelium als einer durch Petrus autorisierten Überlieferung in die hagiographische Tradition des Christentums ein.
Hinzu kommen einige Petrus zugeschriebene oder über ihn erzählende Apokryphen, die die Alte Kirche nicht in das NT aufnahm:
Die ersten vier dieser Schriften lehnten Eusebius von Cäsarea und das "Decretum Gelasianum" als häretisch und nichtkanonisch ab. Dennoch waren sie vor allem im östlichen Mittelmeerraum beliebt und regten dort weitere legendarische und apokryphe Petrusschriften an. Dazu gehörten:
und weitere Martyrienlegenden über Petrus, die meist auf den "Petrusakten" aufbauten und bis ins Mittelalter hinein ergänzt wurden.
Unter den koptischen Handschriften aus Nag Hammadi wurden zudem aufgefunden:
Die in diesen Schriften enthaltenen Angaben über Petrus gelten meist als ahistorische, legendarische Motive, die sich weithin auf schon vorliegende Petrustexte des NT stützten und diese fiktiv ausmalten oder ihnen bewusst widersprachen.
Der Erste Clemensbrief, der nach überwiegender Ansicht 90 und 100 während der Regentschaft Kaiser Domitians in Rom entstand, stellt in Kapitel 5 und 6 das vorbildliche Leiden des Petrus und Paulus heraus, dem viele Christen gefolgt seien:
Das deutet erstmals einen gewaltsamen Tod des Petrus in Rom an, ohne dessen genauen Ort und die Umstände zu nennen. „Zeugnis ablegen“ und dann „zur Herrlichkeit gelangen“ waren typische Motive judenchristlicher Märtyrertheologie. Die Notiz erscheint als Rückblick des Bischofs Clemens von Rom. Da es vor Domitian keine gesamtstaatlichen Christenverfolgungen gab, wird sie meist auf die auf Rom begrenzte Verfolgung unter Nero im Jahr 64 bezogen. Der katholische Neutestamentler Joachim Gnilka sieht im Briefkontext folgende Angaben von einer „großen Menge Auserwählter“, darunter Frauen, und deren „grausamen und abscheulichen Misshandlungen“ als Detailkenntnisse von Augenzeugen und schließt daraus auf eine lokale Überlieferung von der neronischen Verfolgung.
Diese geschah nach Tacitus ("Annales" 15, 38–44) als plötzliche Reaktion auf Bevölkerungszorn wegen des damaligen Großbrands in Rom, ohne Gerichtsverfahren und meist nicht als langwieriges Kreuzigen, sondern Ausliefern der Christen an Raubtiere, Verbrennen bei lebendigem Leib oder Ertränken. Erst danach soll Nero nach Sulpicius Severus Gesetze gegen die Christen in Rom erlassen und ihren Glauben verboten haben. Da Clemens als Motiv „Eifersucht und Neid“ und „viele Mühen“ nennt und Petrus Paulus zur Seite stellt, der als römischer Bürger rechtmäßig an den Kaiser appelliert hatte und ein Einzelverfahren erhielt, nehmen manche Forscher eher eine spätere Hinrichtung des Petrus um 67 an.
Eusebius von Caesarea verwies um 300 auf eine seit etwa 150 bekannte Überlieferung eines Märtyrertodes von Petrus und Paulus in Rom zur Zeit Neros. Bischof Dionysius von Korinth (um 165–175) habe über die beiden Apostel gesagt:
Er überliefert auch die erstmals in den apokryphen "Petrusakten" im 2. Jahrhundert überlieferte Legende, dass Petrus auf eigenen Wunsch mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sei.
Die späteren Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Rom, später auch Jerusalem und Konstantinopel, führten ihre Gründung direkt oder indirekt auf Petrus zurück und beanspruchten ihn als ersten Bischof ihrer Gemeinde, um ihren Rang im Konkurrenzkampf der Patriarchate um die kirchliche Führung zu erhöhen. Das NT stützt keine dieser Bischofsansprüche, die daher als ahistorisch gelten. So widerspricht die etwa einjährige Lehrtätigkeit des Paulus in Antiochia (Apg 13,16 ff.) und sein dortiger Konflikt mit Petrus (Gal 2,11–14) dessen angeblichem Führungsamt in dieser Gemeinde.
Irenäus von Lyon (um 135–202) berichtet, die Apostel hätten die Kirche in der ganzen Welt „gegründet und festgesetzt“. Um diese Zeit wurde die schon bestehende Tradition eines Romaufenthalts von Petrus erweitert zu der Ansicht, er habe die Gemeinde in Rom als Bischof gegründet und geleitet. Dies dürfte ahistorisch sein, weil Petrus noch in Jerusalem wirkte, als Paulus nach Apg 18,1 in Korinth Christen aus Rom traf (um 50). Demnach bestand dort bereits eine von keinem der beiden gegründete christliche Gemeinde.
Um 405 fasste Hieronymus (348–420) alle damals umlaufenden Apostellegenden in seiner Schrift "Über berühmte Männer" zusammen: darunter Romaufenthalt, Bischofsamt und gleichzeitigen Märtyrertod von Petrus und Paulus unter Nero, bei Petrus als Kreuzigung mit dem Kopf zur Erde. Er behauptete eine 25-jährige römische Amtszeit des Petrus vom Amtsantritt des Kaisers Claudius (40) bis zum Ende der Kaiserzeit Neros (68) und widersprach damit den Angaben des NT, wonach Petrus mindestens bis zum Apostelkonzil (um 48) ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde war (Apg 15,7) und danach in Antiochien wirkte (Gal 2,11–14). Seine Konstruktion sollte bereits Führungsansprüche des römischen Bischofs stützen.
Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte (II. 1) Clemens von Alexandria (150–215):
Demnach sollen die drei „Säulen“ der Urgemeinde Jakobus den Gerechten schon früh zum alleinigen Leiter der Urgemeinde ernannt haben. Nach Hieronymus soll schon Hegesippus (90–180) davon gewusst haben. Diese Amtsübergabe hätte eine Romreise des Petrus ermöglicht. Doch wie die Nachwahl des Matthias (Apg 1,26) zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhalten bleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wählte laut Apg 6,5 und Apg 15,22 neue Führungspersonen. Jakobus trat später nach Apg 21,15 ff. mit den „Ältesten“ zusammen als Leiter der Urgemeinde auf. Das Testimonium Flavianum überliefert, dass er im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach Zitaten Hegesipps bei Eusebius unter Kaiser Domitian verhaftet und verhört worden sein: Dann hatten sie noch zwei Generationen später eine Führungsrolle im Christentum.
Eine Führungsdynastie war den Urchristen der ersten Generation unbekannt und widersprach ihrem Selbstverständnis: Alle Christen waren gemäß Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung gleichermaßen die „Heiligen“ (Röm 15,25). Evangelientexte vom Rangstreit der Jünger (u. a. Mk 10,35–45) lehnen ein Führungsprivileg für einzelne der von Jesus Berufenen ab und kritisieren den Wunsch danach als Verleugnung der Selbsthingabe Jesu. Zwar hatten die Zeugen der Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene Autorität (1 Kor 15,3–8) als Missionare: Doch nicht sie, sondern Gemeindesynoden trafen Entscheidungen für alle (Apg 15,28 u. a.).
Das monarchische Bischofsamt entstand nach 100; die damals geschriebenen Ignatiusbriefe kennen es noch nicht. Es setzte sich parallel zur Kanonbildung des NT bis 400 allmählich durch und prägte die orthodoxe und später katholische Staatskirche. Es reagierte auf das Wachstum des Christentums und übernahm römische Verwaltungsstrukturen.
Seit etwa 1850 zweifelten Kirchenhistoriker altkirchliche Petrusnotizen zunehmend als ahistorisch an. Karl Heussi bestritt 1955 sämtliche Notizen, die einen Romaufenthalt und ein Bischofsamt des Petrus nahelegen, stieß aber bei dem ebenfalls protestantischen Kollegen Kurt Aland auf Widerspruch. Uta Ranke-Heinemann griff Heussis Kritik auf. Dagegen hält Joachim Gnilka eine Leitungsfunktion des Petrus in der Christengemeinde in Rom und seinen Tod unter Nero für möglich, ohne zugleich sein Bischofsamt und eine Bischofsnachfolge anzuerkennen. Otto Zwierlein bestreitet sämtliche literarischen Anhaltspunkte für diese These und betrachtet die gesamte altkirchliche Überlieferung dazu als fiktional. Widerspruch erhielt Zwierleins These sowohl seitens des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft als auch seitens der Sektion für Altertumswissenschaft der Görres-Gesellschaft. Die Kritikpunkte wurden wiederum von Zwierlein als unberechtigt zurückgewiesen.
 Seit etwa 200 wird eine bestimmte Stelle auf dem vatikanischen Hügel als Petrusgrab verehrt. Kaiser Konstantin der Große ließ von 315 bis 349 darüber die Petersbasilika bauen, die 1507 abgerissen und durch den Bau des Petersdoms ersetzt wurde. Dabei wurde dessen Altar über dem angenommenen Petrusgrab platziert. Die Reste des Grabmonuments sind heute hinter dem Christusmosaik der Palliennische in der Confessio unter dem Papstaltar verborgen.
Der griechische Ausdruck Tropaion bezeichnete allerdings meist ein Denkmal oder Siegesmal. Gaius kannte offenbar eine solche bauliche Struktur, die eventuell die angenommenen Hinrichtungsorte beider Apostel markierte, deren Märtyrertod als Sieg gedeutet wurde. Erst Eusebius deutete das Zitat 100 Jahre später als Hinweis auf Grabstätten.
Pius XII. gab die Grotten unter dem Altar des Petersdoms 1940 bis 1949 erstmals für archäologische Grabungen frei. Sie ergaben, dass dort zwei parallele Grabreihen in West-Ost-Richtung am Hang eines Hügels lagen. Sie wurden beim Baubeginn der ersten Petrusbasilika zugeschüttet – ein Vorgang, den nur der römische Kaiser selbst befehlen konnte –, und die Aufschüttung wurde mit Mauern abgestützt: Dieser Aufwand sollte offenbar den Grundriss der Basilika mit einem bestimmten Punkt der Nekropole zur Deckung bringen. Unter ihrem Altar fanden sich Reste eines kleinen Säulenmonuments mit einem Vordach und einer kleinen Nische in der Wand dahinter in einem größeren Grabhof, der auf etwa 160 datiert wurde. Das Grabungsteam gab diese Funde 1951 als Entdeckung des Petrusgrabes bekannt, stieß damit unter Archäologen aber wegen mangelhafter Dokumentation und methodischer Fehler beim Graben auf Ablehnung. Daraufhin erlaubte der Vatikan von 1953 bis 1958 und nochmals 1965 weitere Grabungen, deren Ergebnisse breiter als zuvor dokumentiert und diskutiert wurden, aber auch keine Gewissheit über das Grab Petri brachten.
Man fand unter dem Säulenmonument ein schlichtes Erdgrab aus dem späten 1. Jahrhundert ohne Knochen. Nur dicht darum angeordnete Erdgräber von Christen enthielten Knochen von Personen verschiedenen Alters und Geschlechts. Die Anordnung gilt einigen Forschern als Hinweis auf eine Verehrung dieser Stelle als Petrusgrab um 150. Vermutet wird, dass die Nische seit etwa 140 einen runden Gedenkstein – "cippus" genannt – enthielt, der den Ort des Petrusmartyriums markieren sollte und das von Gaius erwähnte "Tropaion" war. Die Archäologin Margherita Guarducci deutete Inschriften in der Mauer hinter dem Säulenmonument, darunter die Buchstabenfolge "PETR… EN I", als Bezeichnung von Petrusreliquien, fand damit aber kaum wissenschaftliche Zustimmung. An anderen Ausgrabungsorten in Rom fanden sich ähnliche Graffiti, die dort ein Gedenken von Christen an Petrus und Paulus als Märtyrer belegen.
Nach römisch-katholischer Auffassung ist Petrus der Stellvertreter Christi und als erster Bischof von Rom Leiter aller Ortsbischöfe ("episcopus episcoporum"). Er besetze also ein einzigartiges, durch Christus verliehenes Führungsamt über alle übrigen Ortskirchen, das auch ein Richteramt und ein autoritatives Lehramt einschließe. Er habe diese Vollmacht allen seinen Nachfolgern weitergegeben, so dass jeder römische Bischof rechtmäßiger Vorsteher (Papst) der „universalen Kirche“ sei. Diese Auffassung beruft sich primär auf das „Felsenwort“ (Mt 16,18) und das „Schlüsselwort“ (Mt 16,19), in Bezug auf das Lehramt auch auf („stärke deine Brüder“) und („weide meine Lämmer“).
Tertullian verstand Mt 16,18 um 220 als erster als Einsetzung in ein Bischofsamt, betonte aber, Jesus habe dieses nur Petrus persönlich gegeben, nicht allen Bischöfen oder dem Bischof Roms. Cyprian von Karthago ("Über die Einheit der Kirche" 4; vgl. 59. Brief) deutete den Vers um 250 als Einsetzung des Petrus zum Leiter der Kirche. Jeder Bischof, nicht nur der Roms, folge ihm in diesem Amt. Solche juristischen Deutungen blieben für Jahrhunderte seltene Ausnahmen.
Origenes und Ambrosius bezogen „dieser Felsen“ auf die angeredete Person und deuteten „Tore des Hades“ als Metapher für „Tod“. So werde Simon hier verheißen, dass er nicht vor Jesu Wiederkunft sterben werde. Dieser Deutung widersprach Hieronymus. Er bezog den Vers auf das Glaubensbekenntnis Petri, das die Kirche auch nach seinem Tod gegenüber feindlichen Mächten und Bedrängnissen, etwa Häresien, bis zu Jesu Wiederkunft vor dem Untergang schütze. Auch Johannes Chrysostomos (54. Homilie zu Matthäus, um 407) vertrat diese Deutung:
Auch Augustin von Hippo deutete die Zusage typologisch als Vorbildfunktion für alle Gläubigen, nicht als Vollmacht für ein erbliches Führungsamt.
Calixt I. erhob als erster römischer Bischof einen gesamtkirchlichen Führungsanspruch in einzelnen Streitfragen wie dem Osterdatum, ohne diesen mit dem Felsenwort zu begründen. Den Petrusprimat vertrat um 400 erstmals der römische Bischof Damasus I., nachdem kirchliche Bezirksaufsichtsämter (Metropolitanverfassung) entstanden waren.
Die vollständige Primatsidee, die auch die „Schlüsselgewalt“ (das höchste Richteramt im Christentum) und Lehrautorität umfasste, vertrat als erster Leo I. (440–461). Petrus war für ihn nicht nur "princeps apostulorum" (Apostelführer), sondern auch "vicarius" (Stellvertreter Christi) für die gesamte Kirche. Dies galt für ihn ebenso dem "successor Petri", also allen folgenden römischen Bischöfen, die die Petrusprivilegien nach antikem Erbrecht so erbten, als seien sie mit dem Erblasser identisch. Dieser Anspruch setzte sich auch nach dieser theoretischen Entfaltung nur langsam im mittelalterlichen Christentum durch.
Historisch gesehen ist der Petrusprimat aus der Idee der Apostolischen Sukzession hervorgegangen, die nicht mit spezifischen Bibelstellen, sondern mit kirchenhistorischen Gegebenheiten und altkirchlichen Bischofslisten wie der von Irenäus von Lyon (um 300) begründet wurde.
Während das Erste Vatikanische Konzil 1869–1870 den Petrusprimat noch um das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes ergänzte, hat das Zweite Vatikanische Konzil diesen Führungsanspruch zwar bestätigt, aber durch die Idee der Bischofskollegialität relativiert. So stellte der Codex Iuris Canonici 1983 fest:
Die aus der Reformation hervorgegangenen evangelischen und anglikanischen Kirchen lehnen wie die orthodoxe Kirche die Lehre eines „Petrusamtes“ und damit den Führungsanspruch des Papstes und seiner Kirche ab.
Martin Luther widersprach dem Doppelanspruch des Papsttums auf ein höchstes kirchliches Richter- und Lehramt erstmals 1519 exegetisch und theologisch in einer eigenen Schrift. 1520 wies er die römisch-katholische Auslegung von Mt 16,18 f. mit Bezug auf und erneut zurück:
In Mt 18,18 und Joh 20,22 f. habe Christus die „Schlüsselgewalt“ zum Binden und Lösen der Sünden allen Jüngern zugesprochen und damit Mt 16,18 f. selbst so ausgelegt,
Die Schlüsselzusage begründe weder eine Sondervollmacht Petri noch eine Regierungsmacht der Apostel, sondern umfasse nur das Sakrament der Buße. Sie schenke allen gläubigen Sündern Christi Trost und Gnade, die sie einander weitergeben sollten. Auch Joh 21,15 ff. („Weide meine Lämmer“) begründe keine Herrschaft in der Christenheit, sondern beauftrage und ermutige mit Petrus alle Prediger, gegen alle Widerstände nur Christus allein zu verkünden. Dem müsse sich auch der Papst beugen. Mit seiner Anmaßung, das Petrusamt als Regierungs- und Lehramt zu deuten, stelle er sich über Gottes Wort, um es als Machtmittel zu missbrauchen. Menschen zu Ketzern zu erklären, nur weil sie dem Papst nicht gehorchten, sei gegen die Heilige Schrift gerichtet. Paulus selbst betone in 1Kor 3,11: "Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus."
Petrus ist auch nach evangelischem Verständnis ein besonderer Jünger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller gläubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gottes Zusage der gegenwärtigen Vergebung und zukünftigen Erlösung erhalten. Auch der Glaube ist nach evangelischem Verständnis keine Eigenleistung des Petrus, sondern reines Gnadengeschenk der stellvertretenden Fürbitte Jesu, des Gekreuzigten (ff):
Dieses Gebet Jesu sei, so eine verbreitete evangelische Exegese, mit der Versöhnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern und der dadurch bewirkten Neukonstituierung des Jüngerkreises nach Ostern in Erfüllung gegangen. Die Kirche basiere daher nicht auf einer historischen Amtsnachfolge einzelner Petrusnachfolger. Sondern alle, die wie Petrus zu Jüngern Jesu werden, seien seine Nachfolger und damit Teil der Gemeinschaft, die Christus berufen habe, seine Zeugen zu sein. Gott sei in Christus allen Menschen gleich nahe, so dass außer Christus keine weiteren Mittler nötig und möglich seien. Dieses „Priestertum aller Gläubigen“ verbot für Luther jeden Rückfall in das seit dem stellvertretenden Sühnopfer des Gekreuzigten überwundene hierarchisch-sakrale, aus dem Tempelkult des Judentums stammende Amtsverständnis.
Besonders das Matthäusevangelium lasse keinen Zweifel daran, dass die christliche Gemeinde nur auf dem Glaubensgehorsam aller ihrer Mitglieder erbaut sein könne. Denn dort wird die Bergpredigt Jesu mit dem Zuspruch eröffnet :
Sie endet mit dem Anspruch :
Demgemäß habe Petrus auch keine eigene Erstvision, sondern mit allen Jüngern gemeinsam den Auftrag des Auferstandenen erhalten, alle Getauften aus den Völkern das Befolgen der Gebote Jesu zu lehren: Die damit verbundene Zusage der Geistesgegenwart Christi sei der eigentliche „Fels“, auf dem die Kirche gebaut sei (Mt 28,19 f.). Das Wirken des Heiligen Geistes lasse sich nicht erneut in menschliche Formen und Rituale zwängen und „festnageln“.
So betont Manfred Kock für die Evangelische Kirche in Deutschland:
Der Gedenktag von Petrus und Paulus ist der 29. Juni, und zwar für alle bedeutenden christlichen Kirchen wie die evangelischen, die anglikanischen, die römisch-katholische, die orthodoxen, die armenische oder die koptische. Petrus und Paulus zu Ehren ist in der orthodoxen Kirche ein leichtes Fasten, das sogenannte Apostelfasten, das eine Woche nach dem Pfingstfest beginnt und bis zu diesem Tag dauert, üblich.
Ein weiterer Gedenktag gilt dem oben erwähnten Christusbekenntnis des Petrus. Dieser Tag wird von verschiedenen christlichen Kirchen am 18. Januar begangen. Ebenfalls am 18. Januar wurde seit dem 6./7. Jahrhundert im heutigen Frankreich Kathedra Petri gefeiert bis Papst Johannes XXIII. es mit dem Kathedra-Petri-Fest am 22. Februar zusammenlegte. Kathedra Petri, auch "Petri Stuhlfeier" genannt, erinnert an die Berufung des Simon Petrus als Apostelfürst (vgl. Mt. ).
Ebenfalls auf einer biblischen Episode basiert das Fest St. Peter in Ketten. Es erinnert an die wundersame Befreiung des Simon Petrus aus dem Gefängnis, in welches er nach Absetzung von Pontius Pilatus geworfen worden war (siehe ).
Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron
Weltweit sind wie der Petersdom im Vatikan zahlreiche Orte (St. Peter) und Kirchen (Peterskirche) nach Petrus benannt. Des Weiteren wurde nach ihm, dem Namenspatron des damaligen Zaren Peter I., die neu gegründete Stadt St. Petersburg benannt.
Petrus ist auch Schutzheiliger der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer. Außerdem schützt er die Reuigen, Büßenden, Beichtenden, Jungfrauen und Schiffbrüchigen.
Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen: Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl.
Allgemein verbreitet ist, Petrus als den Türsteher des Himmels anzunehmen, das bezieht sich auf den biblischen Spruch der , die auch sein Heiligenattribut bilden: Mit seinen Schlüsseln wird er als "Himmelpförtner" vorgestellt, der die anklopfenden Seelen der Verstorbenen abweist oder einlässt.
Im Volksglauben wird er auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht.
Petrus wird gewöhnlich als alter Mann mit lockigem Haar und Bart (Erzvater) mit den Attributen Schlüssel, Schiff, Buch, Hahn oder umgedrehtem Kreuz dargestellt. Besonders der oder die Schlüssel Petri sind sein Hauptattribut; sie erscheinen häufig als heraldisches Symbol im Papstwappen, dem Wappen der Vatikanstadt wie auch zahlreicher kirchlicher Institutionen mit Petruspatrozinium (z. B. Erzbistum Bremen, Bistum Minden, Bistum Osnabrück, Erzstift Riga, Kloster Petershausen bei Konstanz, Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald) oder aus ihnen hervorgegangener Städte, Gemeinden oder Bundesländer (z. B. Bremen und Regensburg.) Das Wappen der Stadt Trier zeigt ihn ebenfalls: (Blasonierung) "In Rot der stehende, nimbierte und golden gekleidete St. Petrus mit einem aufrechten, abgewendeten goldenen Schlüssel in der Rechten und einem roten Buch in der Linken". 
In der Kirchenkunst wird Petrus oft als Papst dargestellt, der die dreifache Tiara auf seinem Haupt trägt, einen Kreuzstab in der einen Hand und ein aufgeschlagenes Evangelium mit der anderen Hand hält. Nicht ungewöhnlich ist die Darstellung mit zwei Schlüssel für Binden und Lösen auf Erden und im Himmel .
Im haitianischen Voodoo wird Simon Petrus in Gestalt des Loa Damballah verehrt; hierbei handelt es sich um einen Fall von Synkretismus.
Die bedeutendsten Petrusdarstellungen der Renaissance, die den gotischen Typus aufgreifen, stammen wohl von Raffael, etwa links in der oberen Zone der "Disputa" (Fresko, 1509, Stanza della Segnatura, Palazzo Vaticano) und gleich zwei Mal in Raffaels Verklärung Christi ("Transfiguration", 1516–1518, Pinacoteca Vaticana) in der Mitte unter dem Verklärten und breit im linken Eck der unteren Zone sitzend, hier aber nicht mit den Himmelsschlüsseln, sondern mit dem Buch des Lebens in der Hand. Auch die apokryphe Petrusapokalypse spielt in den Vorzeichnungen zu dem kürzlich von Gregor Bernhart-Königstein als Weltgericht erkannten letzten Gemälde Raffaels eine bedeutende Rolle.
Bekannte Abbildung:
Die Petruslegenden gingen im Katholizismus in die Verehrung des Heiligen ein und dienten immer wieder als Thema künstlerischer Werke. Bekannt geworden ist etwa die Verfilmung „Quo vadis?“ von 1951, die auf dem gleichnamigen Roman von 1895 beruht.