Esperanto

Esperanto ist eine Plansprache bzw. eine Welthilfssprache und eine lebende Sprache. Unter dem Pseudonym "Doktoro Esperanto" („Doktor Hoffender“) veröffentlichte der Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof 1887 seine noch heute gültigen Grundlagen.
Esperanto wird von einer weltweiten Sprachgemeinschaft benutzt, die in über hundert Ländern vertreten ist; Esperanto ist die Plansprache mit der größten Sprachgemeinschaft.
1887 veröffentlichte Zamenhof in Warschau eine Broschüre mit den Grundlagen der Sprache. In seinem Unua Libro formulierte er zugleich drei Ziele für seine Sprache:
Die erste Ausgabe des unua libro, in Russisch, umfasst 40 Seiten im Format A5. Der Grammatik-Teil darin enthält 16 Regeln auf 6 Seiten.
1889 folgte eine Adressenliste mit den ersten Anhängern, außerdem wurde die auf Esperanto in Nürnberg herausgegebene Zeitschrift "La Esperantisto" gegründet.
1898 gründete Louis de Beaufront eine französische Esperanto-Gesellschaft, aus der später der erste Esperanto-Landesverband wurde. 1908 wurde der Esperanto-Weltbund gegründet. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es Verbände oder zumindest Ortsgruppen auf allen Kontinenten.
Zwischen den beiden Weltkriegen kam es in mehr als einem Dutzend Ländern zu Behinderungen. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden neben vielen anderen auch Kunstsprachenvereinigungen verboten.
Unter Josef Stalins Herrschaft in der Sowjetunion gab es kein öffentlich bekannt gemachtes Verbot, jedoch wurden bereits mit Beginn der Grossen Säuberung neben vielen anderen Gruppen auch führende Esperanto-Sprecher verhaftet und deportiert. Der Geheimdienst NKWD listete zunächst u. a. „alle Menschen mit Auslandskontakten“ auf. Ein Befehl von 1940 aus Litauen listet „Esperantisten“ neben Briefmarkensammlern unter den zu verhaftenden Personengruppen. Tausende Esperantosprecher wurden verhaftet und in Lager gesperrt. Nur wenige der Betroffenen überlebten.
Während des Kalten Krieges dauerte es längere Zeit, bis in den osteuropäischen Staaten Esperanto-Verbände gegründet werden konnten. Eine Ausnahme bildete Jugoslawien, wo bereits 1953 ein Esperanto-Weltkongress stattfand. 1959 fand in Warschau der erste Weltkongress in einem Land des Ostblocks statt. Nach und nach entwickelten sich Kontakte und Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden in Ost und West. 1980 durfte der chinesische Landesverband dem Esperanto-Weltbund beitreten.
Nach dem Fall der Berliner Mauer stieg die Zahl der Landesverbände im Weltbund.
Die Wörter bestehen überwiegend aus unveränderlichen Wortelementen, die aneinandergefügt werden. So wird beispielsweise die Mehrzahl eines Substantivs oder Adjektivs und vieler Pronomen durch das Anhängen eines "-j" gebildet: "domo" ,Haus‘, "domoj" ,Häuser‘, der Objektfall durch das Anhängen eines weiteren "-n:" "domojn" ‚Häuser (Akk. Plural)‘. Der Wortstamm wird nicht verändert, wie es oft im Deutschen vorkommt. Das hier sichtbare agglutinierende Prinzip ist beispielsweise auch aus dem Finnischen, Ungarischen und Türkischen bekannt.
Zamenhof strebte einen regelmäßigen Sprachbau an, um den Lernaufwand zu minimieren, insbesondere in der Morphologie und bei der Wortbildung. Für die Deklination von Substantiven und die Konjugation von Verben gibt es jeweils nur ein Schema. Auch das in vielen Sprachen unregelmäßige Verb „sein“ wird im Esperanto nach demselben Schema konjugiert wie alle anderen Verben:
Zur besseren Erkennbarkeit haben einige Wortarten bestimmte Endungen. "-o" beispielsweise ist die Endung für Substantive: "domo" ,Haus‘; "-a" ist die Endung für Adjektive: "doma" ,häuslich‘ usw. Auch einige Wörter, die weder Substantive noch Adjektive sind, enden auf "-o" oder "-a," sodass der Endvokal allein zur Wortartbestimmung nicht ausreicht.
Die meisten Esperanto-Wörter entstammen dem Latein oder romanischen Sprachen. Ein ziemlich großer Anteil kommt aber auch aus germanischen Sprachen, vor allem dem Deutschen und Englischen (je nach Textkorpus wird dieser Anteil auf fünf bis zwanzig Prozent geschätzt). Dazu gibt es eine Reihe von Wörtern aus slawischen Sprachen, besonders dem Polnischen und dem Russischen. Außerdem wurden Wörter aus dem Griechischen entlehnt.
In der Regel sind die Wörter aber in mehreren indogermanischen Sprachen bekannt, zum Beispiel Esperanto "religio" ‚Religion‘: englisch "religion", französisch "religion", polnisch "religia"; Esperanto "lampo" ‚Lampe‘: englisch "lamp," französisch "lampe", polnisch "lampa" usw. Teilweise existieren im Esperanto bewusste Mischformen, zum Beispiel "ĝardeno" ‚Garten‘: Die Schreibung ähnelt englisch "garden", die Aussprache ähnelt französisch "jardin".
Die Schreibweise ist phonematisch, das heißt, dass jedem Schriftzeichen nur ein Phonem (Sprachlaut) und jedem Phonem nur ein Schriftzeichen zugeordnet ist. Sie verwendet Buchstaben des lateinischen Alphabets, ergänzt durch Überzeichen (diakritische Zeichen). Beispielsweise entspricht "ŝ" dem deutschen "sch" und "ĉ" dem "tsch" (z. B. in "ŝako" ‚Schach‘ und "Ĉeĉenio" ‚Tschetschenien‘). (Siehe auch Esperanto-Rechtschreibung.)
Sprachbeispiel
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:
Der mit etwa 15.000 Mitgliedern größte weltweite Dachverband ist der Esperanto-Weltbund mit Sitz in Rotterdam. Ihm obliegt die Ausrichtung und Organisation des jährlich stattfindenden Esperanto-Weltkongresses, der größten und wichtigsten Veranstaltung mit jeweils etwa 700 bis 3.000 Teilnehmern.
Die größten Esperanto-Organisationen in Deutschland sind mit etwa 1.600 Mitgliedern der Deutsche Esperanto-Bund sowie dessen Jugendorganisation, die Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ), die mit ihren Orts-, Regional- und Landesverbänden etwa 130 Mitglieder hat. Diese ist gleichzeitig Mitglied der weltweiten Jugendorganisation TEJO.
Im österreichischen Landesverband sind 72 Esperantisten organisiert, die Schweizerische Esperanto-Gesellschaft vertritt 170 Mitglieder inklusive der Jugendgruppe.
Neben dem Esperanto-Weltkongress finden jährlich Hunderte kleinerer Veranstaltungen statt, bei denen Esperantisten zusammen kommen. Nach dieser direkten Kommunikation unter Esperanto-Sprechern ist die Esperanto-Literatur der häufigste Anwendungsbereich. Ein weiterer Bereich ist die Esperanto-Musik, das heißt Musik mit Texten in dieser Sprache.
Seit den 1920er Jahren gibt es einige regelmäßige Radio-Sendungen auf Esperanto, beispielsweise von Radio China International, Radio Vatikan und Radio Habana Cuba. Es wurden bis heute vier Spielfilme auf Esperanto hergestellt, darunter Inkubo mit William Shatner. Im Internet gab es zunächst private Seiten, später kamen Projekte wie die Esperanto-Wikipedia hinzu, die 2001 entstand.
Üblicherweise wird in der Wikipedia die Anzahl der Muttersprachler aufgeführt, diese Zahl findet sich in der Info-Box. Die im Folgenden genannten Sprecherzahlen beruhen teilweise auf Selbstauskünften bei Volkszählungen, überwiegend auf bloßen Schätzungen und Vermutungen. Auf diese abweichende Darstellung wird hiermit hingewiesen.
Als Sprecher werden demnach ausschließlich diejenigen angesehen, die Esperanto als zweite Muttersprache erlernt haben. Nach Darstellung des Esperanto-Aktivisten Renato Corsetti waren 1996 etwa 350 Familien bei der „Familia Rondo“ des Esperanto-Weltbundes registriert, in denen die Kinder mit Esperanto als zweiter Muttersprache aufwuchsen. Schätzungen von 2012 gehen von bis zu 2000 Muttersprachlern aus; der Esperanto-Weltbund gibt derzeit (August 2016) eine Anzahl von 1.000 Muttersprachlern an.
Schätzungen gehen davon aus, dass in den über 125 Jahren seines Bestehens zwischen 5 und 15 Millionen Menschen Esperanto erlernt hätten.
1889 lebten noch über 90 % der Esperantosprecher in Russland. Eine umfassende Erhebung des deutschen Esperanto-Instituts im Jahre 1926 ergab eine Anzahl von 136.209 Sprechern weltweit, darunter über 120.000 in Europa, etwa 31.000 in Deutschland.
Sprecher lebten vor allem in Europa; Esperanto habe darüber hinaus eine lange Geschichte in Ländern wie China, Japan und Brasilien und aktive Esperanto-Sprecher könnte man in den meisten Ländern der Welt finden, schreiben Byram und Hu. Laut John R. Edwards gebe es in China bei einer Bevölkerungszahl von über einer Milliarde Menschen ca. 10.000 Esperanto-Sprecher (2004), von denen etwa 10 % die Sprache fließend beherrschten, was einem Anteil von 0,0001 % der Bevölkerung entspräche. Bei der ungarischen Volkszählung für 2011 gaben 8.397 Personen Esperanto-Kenntnisse an. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 10 Millionen entspricht das einem Anteil von 0,1 Prozent. Dies deckt sich mit einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 2012, wonach Esperanto bei mehreren Volkszählungen eine Sprecherquote von weit unter 0,1 Promille erreicht.
Der 2013 zum Präsidenten der Universala Esperanto-Asocio gewählte Mark Fettes ging im Jahr 2003 von weniger als 150.000 Sprechern weltweit aus. Rudolf Fischer, damals Vorsitzender des Deutschen Esperanto-Bundes, vermutete 2008:
„Weltweit sprechen rund 100.000 Menschen fließend und regelmäßig Esperanto, davon leben etwa 2000 in Deutschland.“
Das linguistische Sammelwerk Ethnologue gab eine Zahl von zwei Millionen Menschen an, die Esperanto sprechen würden. Diese Zahl basiert auf zuletzt 1999 aktualisierten Schätzungen des Esperantisten Sidney S. Culbert für den "World Almanac". Dieser konstruierte die Sprecher-Zahlen, die er weitergab, durch Gespräche mit lokalen Esperanto-Organisationen und rundete sie auf. Er rechtfertigte diese Methode damit, dass dies auch z.B. bei Wahlumfragen so üblich sei und auch Zahlen z.B. von Englisch-Sprechern recht hoch angesetzt würden. Da Culbert zeitlebens keine Angaben zu seinen Erhebungsmethoden machte, sind diese Zahlen nicht überprüfbar.
Die Frage nach der Anzahl der heutigen Esperantosprecher „löst leicht Verlegenheit aus“ und gerät letztlich zum Schätzungsabenteuer, schrieb Josef Fliegner 2003, vor der Veröffentlichung der verschiedenen Volkszählungen im Internet; Fliegner zitiert Zahlen zwischen 100.000 und 3 Millionen Esperanto-Sprechern.
Im November 2016 waren auf Duolingo 598.000 Lernende für den Esperantokurs auf der Basis von Englisch eingetragen.
Der Esperanto-Weltbund (UEA) hatte 2011 insgesamt 5.321 Einzelmitglieder und etwa 15.000 zusätzliche Mitglieder über seine weltweiten Landesverbände.
Während nach dem Kalten Krieg in den sozialistischen Staaten Esperanto als Alternative zur Englischen Sprache gefördert wurde, spielt Esperanto-Unterricht in Schulen oder Hochschulen des ehemaligen Ostblocks heute faktisch keine Rolle mehr. In den Staaten der westlichen Hemisphäre wurde die Kunstsprache praktisch nirgendwo an Schulen oder Hochschulen gelehrt.
Nach Angaben aus dem Jahr 1982 wurde seinerzeit in 36 Ländern Esperanto-Unterricht aufgrund staatlicher Verfügungen erteilt. Dazu gehörten viele sozialistische Staaten, darunter Polen, Ungarn, Bulgarien und die baltischen Sowjetrepubliken. Hintergrund war wie auch in China die Tatsache, dass die damaligen sozialistischen Staaten nicht Englisch als de-facto-Weltsprache wollten und daher Esperanto unterstützten. Dazu wurden die staatlich beköstigten Esperanto-Verbände eingesetzt. Anfang des 21. Jahrhunderts ist in Ungarn Esperanto als Prüfungsfach an höheren Schulen zugelassen. Es existieren kleinere Schulprojekte an Grundschulen wie das britische "Springboard to Languages," das an vier Grundschulen durchgeführt wird.
Lehrveranstaltungen an Universitäten gab es 1970 weltweit an 15 Hochschulen, 1980 an 51 und 1985 an 110 Hochschulen in 22 Ländern. Nach einer Schätzung des Esperanto-Funktionärs Humphrey Tonkin aus dem Jahr 1984 erlernten an 32 chinesischen Universitäten 120.000 Studenten Esperanto, während gleichzeitig etwa 10 Millionen chinesische Studenten Englisch lernten.
Der wichtigste Esperanto-Studiengang bestand zwischen 1969 und 2002 an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest. Ein dreijähriger esperantosprachiger Studiengang „Interlinguistik“ wird seit 1998 an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen angeboten.
Gegen die Einführung von Esperanto als allgemein zu lernende internationale Sprache wurde unter anderem folgendes als Kritik vorgebracht:
Sprachwissenschaft
Geschichte
Wörterbücher
Lehrbücher und Grammatiken