Kosovo

Kosovo (auch "das Kosovo" oder "der Kosovo"; , ) ist eine Republik in Südosteuropa auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Sie war ehemals Bestandteil der 1992 neu konstituierten föderativen Bundesrepublik Jugoslawien und seit 2003 eine Teilregion der Republik Serbien. Sie hat etwa 1,8 Millionen Einwohner und gilt als stabilisiertes De-facto-Regime. Hauptstadt ist Priština.
Die jüngere Geschichte ist durch den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen geprägt. Der völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten. Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Territoriums. der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen die "Republik Kosovo" als unabhängig an.
Bei formeller Wahrung der Zugehörigkeit zu Jugoslawien wurde Kosovo nach dem Krieg im Jahr 1999 unter die Verwaltungshoheit der Vereinten Nationen gestellt. Völkerrechtliche Grundlage war hierbei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates, welche die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Bundesrepublik Jugoslawien, deren Rechtsnachfolger das heutige Serbien ist, garantiert. Zudem wird die politische Entwicklung seit dem 9. Dezember 2008 durch die EULEX Kosovo überwacht. Dies gilt auch für die Region Nordkosovo, die von der Regierung Kosovos derzeit nicht kontrolliert wird.
Der Internationale Gerichtshof (IGH) gelangte am 22. Juli 2010 in einem rechtlich nicht bindenden, von der UN-Generalversammlung auf serbische Initiative angeforderten Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoße. Gleichzeitig vermied der IGH, den völkerrechtlichen Status des Kosovo zu bewerten und erkannte die Gültigkeit der UN-Resolution 1244 an.
Die serbische Regierung betrachtet das Kosovo formal als seine "Autonome Provinz Kosovo und Metochien" ("Autonomna pokrajina Kosovo i Metohija"/Аутономна покрајина Косово и Метохија, kurz "Kosmet"/Космет; albanisch "Krahina Autonome e Kosovës dhe Metohisë"), räumt jedoch ein, dass eine „serbische Souveränität über Kosovo praktisch nicht vorhanden ist“ und die „wahren Grenzen“ Serbiens in der Zukunft noch zu bestimmen seien.
Das Land ist seit Juni 2009 Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe. Seit November 2012 gehört es auch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an.
„Kosovo“ bezeichnet in der Regel das Gesamtgebiet. Auch im Serbokroatischen wird "Kosovo" bedeutungsgleich gebraucht. Daneben wird von nationalbewussten Serben die Bezeichnung "Kosmet", eine Wortkombination aus Kosovo und Metochien, parallel verwendet.
"Kos" bezeichnet im Serbokroatischen die Amsel. Die Region ist nach dem "Amselfeld" (serbisch: "Kosovo Polje", albanisch: "Fushë Kosovë") bei Priština benannt. Das Wort "kosovo" ist ein besitzanzeigendes Adjektiv („zur Amsel gehörig“) und daher ohne zusätzliches "polje" („Feld“) eigentlich unvollständig. Die Abkürzung hat sich jedoch in dieser Form eingebürgert.
Die Bezeichnung „Metochien“ für den Westen Kosovos leitet sich vom griechischen ("metochí", Klostergut) ab. Dieser Name, der eine von vielen Kirchen und Klöstern geprägte Landschaft beschreibt, wurde in Jugoslawien ab 1974 von staatlicher Seite nicht mehr verwendet. Die Kosovo-Albaner nennen diese Region "Dukagjini" oder "Rrafshi i Dukagjinit".
Dardanien oder "Dardania" ist unter Albanern eine verbreitete historisierende Bezeichnung für den Kosovo. Sie leitet sich vom antiken illyrischen Volk der Dardaner ab, die im Gebiet des heutigen Kosovos lebten. Es umfasste das heutige Territorium Kosovos und ferner einige Gebiete im Süden Serbiens sowie in Mazedonien. Im Oktober 2000 präsentierte der spätere Präsident Ibrahim Rugova seinen Vorschlag für eine zukünftige Flagge des Kosovo. Auf ihr befand sich ein Spruchband mit der Bezeichnung „Dardania“, die Rugova als Landesnamen eines unabhängigen Kosovos vorschlug.
Der Kosovo liegt in Binnenlage im Zentrum der Balkanhalbinsel. Er grenzt im Südwesten an Albanien, im Nordwesten an Montenegro, im Norden und Osten an Serbien bzw. Zentralserbien und im Südosten an Mazedonien. Tektonisch sind die Einebnungen des Amselfeldes und Metochiens gänzlich von Gebirgen begrenzt. Die Gebirgsgruppen des Prokletije grenzen den Kosovo zu Montenegro und Albanien, der Kopaonik zu Serbien und die Šar Planina zu Mazedonien ab.
Mit 10.887 km² hat Kosovo als kleinstes Land Südosteuropas etwa zwei Drittel der Fläche von Thüringen und ist mit 195 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise dicht besiedelt. 53 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 42 % sind Waldgebiet und 5 % bebaut beziehungsweise Stadtgebiet.
Durch die räumliche Struktur einer von Hochgebirgen umgebenen Senke war der Kosovo schon immer eine wichtige ackerbaulich genutzte Region – bekannt ist der Amselfelder Wein – sowie Zentrum der balkanischen Fernweidewirtschaft, in dem insbesondere die Niederung Metochiens als Winterweidegebiet genutzt wurde und noch im 19. Jahrhundert von thessalischen und nordserbischen Wanderhirten aufgesucht wurde. Eine Besonderheit der Viehzucht stellt die zum Teil bis heute andauernde Nutzung von Wasserbüffeln dar.
Siedlungsgeographisch ist das höher gelegene Amselfeld mit der Hauptstadt Priština, das sich zwischen dem Ibar und der Južna Morava als langgezogene Senke hinzieht, heute die ökonomisch wichtigere Region. Historisch war Metochien mit den ältesten städtischen Zentren von Prizren, dem alten römischen Verwaltungszentrum und der späteren serbischen Kaiserstadt, sowie Peć bedeutender. Die Ebenen sind durch ein hügeliges, großteils von lockeren Eichenwäldern bewachsenes Mittelgebirgsland voneinander getrennt, was die Kommunikationswege erschwert.
Die Hochgebirgslandschaften an den Grenzen zu Albanien, Montenegro und Mazedonien erreichen durchweg . Höchste Berge sind Rudoka (in der Šar Planina, 2658 m), "Gjeravica/Đeravica" (in der Großgemeinde Pejë/Peć, ), "Bistra" (Ferizaj/Uroševac, ), "Marjash/Marjaš" (Pejë/Peć, ), "Luboteni/Ljuboten" (Ferizaj/Uroševac, ) und "Koproniku/Koprivnik" (Pejë/Peć, ). Großteils aus Silikatgesteinen aufgebaut, sind die Gebirge meist auch wasserreich und gut für Viehherdenhaltung geeignet. Aus kreidezeitlichen Kalken sind Karstgebirge wie der Koprivnik sowie die zentralen Teile der Šar Planina mit der Bistra aufgebaut, damit auch weniger zugänglich und wasserärmer.
Durch den Westen des Landes fließt der Weiße Drin, welcher in der Nähe von Peć entspringt. Der Drin ist der wichtigste und mit etwa 113 km der längste Fluss im Kosovo. Einige Seen und Stauseen befinden sich im Landesinneren sowie an den Grenzen zu Serbien und Albanien. Der größte von ihnen ist der Gazivodesee mit 11,9 km², gefolgt von Radonjić-See und Batlava-See.
Zahlreiche Glazialseen finden sich insbesondere in der Šar Planina. Im metochischen Prokletije sind drei kleine Seen um die Đeravica als Zeugnisse eiszeitlicher Vereisung der Gebirge übriggeblieben.
Im Kosovo herrscht wegen seiner Binnenlage vorwiegend Kontinentalklima. Je nach geographischer Lage sind die kontinentalen Klimaeigenschaften jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Aus diesem Grund wird der Kosovo in drei klimatische Regionen untergliedert, und zwar in das Amselfeld, in Metochien sowie in gebirgige und bewaldete Teile.
Im Gebiet des Amselfeldes, das die östliche Landeshälfte mit der Hauptstadt Priština umfasst, ist das kontinentale Klima vorherrschend. So sind die Winter mit einer Durchschnittstemperatur von −10 °C kalt, können aber auch Tiefsttemperaturen von −26 °C erreichen. Die Sommer hingegen sind sehr warm mit einer Durchschnittstemperatur von 20 °C, doch Temperaturen bis 37 °C sind keine Seltenheit. Diese Region wird auch durch ein eher trockenes Klima ausgezeichnet, denn die jährliche Niederschlagssumme beträgt durchschnittlich etwa 600 mm.
In Metochien, das die westliche Landeshälfte einnimmt, wird das Kontinentalklima stark von den warmen Luftmassen des Mittelmeeres beeinflusst. Die durchschnittliche Tagestemperatur im Winter liegt zwischen 0,5 und 22,8 °C. Die jährliche Niederschlagssumme dieser Region beträgt durchschnittlich etwa 700 mm. Starke Schneefälle sind im Winter typisch.
Die dritte klimatische Region umfasst die Gebirgsregionen zu Montenegro, Albanien und Mazedonien sowie die bewaldeten Teile des Hügel- und Berglandes im Zentrum und im Norden des Kosovo. Im Gegensatz zu den anderen zwei Regionen fällt hier mehr Niederschlag (zwischen 900 und 1300 mm jährlich). Und während die Sommer ziemlich kurz und mild sind, ist es im Winter meist kalt und niederschlagsreich.
Für den gesamten Kosovo gilt, dass der Dezember und der Januar zu den kältesten Monaten und der Juli und der August zu den wärmsten Monaten des Jahres zählen. Der meiste Niederschlag fällt zwischen Oktober und Dezember.
Zur Volkszählung 2011 hatte die Republik Kosovo rund 1,8 Millionen Einwohner. Die durchschnittliche Geburtenrate (TFR) liegt bei 2,3 Kindern pro Frau (Stand 2015) Die Bevölkerung ist die durchschnittlich jüngste innerhalb Europas: 33 % sind unter 16 Jahre alt, über die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre, nur 6 % über 65 Jahre. Die Geburtenrate übertrifft die Sterberate derzeit deutlich: 23 Geburten pro 1000 Einwohner standen im Jahr 2003 sieben Todesfälle pro 1000 Einwohner gegenüber. Die Lebenserwartung für Frauen beträgt 71, die der Männer 67 Jahre. Der Anteil der Landbevölkerung liegt zwischen 60 und 65 %. Zusätzlich zu den rund 1,8 Millionen Einwohnern des Kosovo leben und arbeiten etwa 420.000 Kosovaren im Ausland, vor allem in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Österreich und der Schweiz.
Der Anteil der Kosovo-Albaner wuchs im Laufe des letzten Jahrhunderts infolge überdurchschnittlich hoher Geburtenzahlen und der Abwanderung von Serben beständig an. Eine nichtserbische Bevölkerungsmehrheit wies das Kosovo bereits 1912 auf, als die osmanische Herrschaft endete. Wann zuletzt oder ob jemals eine serbische Mehrheit bestand, ist unter Historikern umstritten.
Kosovo wird heute in großer Mehrheit von Albanern bewohnt. Schätzungen der Weltbank aus dem Jahr 2000, denen das statistische Amt von Kosovo bis heute folgt, gehen von 88 % Albanern, 7 % Serben und 5 % der übrigen ethnischen Gruppen aus. Zu letzteren gehören vor allem Türken, Bosniaken, Torbeschen, Goranen, Janjevci (Kroaten), Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter. Nach dem Krieg 1999 wurde ein Teil der serbischen Minderheit vertrieben. Heute ist vor allem der Norden des Kosovo mehrheitlich von Serben besiedelt, die die albanisch geführte Regierung in Priština nicht anerkennen und 2012 in einem Referendum mit 99,74 % jede Zusammenarbeit mit ihr verweigerten.
Amtssprachen sind Albanisch und Serbisch, in einigen Gemeinden auch Türkisch, Bosnisch und Romanes. Unter der UNMIK-Administration hatte auch Englisch offiziellen Status.
Artikel 8 der Verfassung definiert die Republik Kosovo als einen säkularen Staat, der neutral bei Fragen in Zusammenhang mit religiösen Glaubensrichtungen ist. Es gibt religiös gefärbte politische Parteien, doch sie befürworten laizistische Staatsstrukturen und erreichen bei Parlamentswahlen oft nicht die nötige Fünf-Prozent-Hürde. Politiker aller Lager setzen sich für religiöse Harmonie ein und sehen das als einen zu beschützenden Wert der kosovarischen Gesellschaft an.
Die kosovarische Gesellschaft ist ebenfalls stark säkularisiert. Viele gehen mit der Religion locker um und stehen zu ihr in einem pragmatischen Verhältnis. Nichtsdestotrotz antworteten 2010 auf die Frage, ob Religion ein wichtiger Teil ihres Alltags ist, 89 % der Albaner im Kosovo mit Ja. Bei den Serben im Kosovo war der Anteil mit 81 % ein wenig niedriger. Bei der von Gallup Organization durchgeführten Umfrage nahmen 1000 Personen teil.
Der Islam hat die meisten Anhänger im Land. Daneben gibt es serbisch-orthodoxe und römisch-katholische Minderheiten. Der Anteil an Atheisten ist sehr niedrig. Traditionell zählen sich Albaner, Bosniaken, Türken und Goranen zum muslimischen Glauben. Die Mehrheit ist sunnitisch. Laut der Volkszählung 2011 waren 95,61 Prozent der Bevölkerung des Kosovo Muslime. Die Serben gehören zumeist der Serbisch-Orthodoxen Kirche an. 2011 waren 1,49 Prozent der Einwohner des Kosovo (ohne Nordkosovo) orthodoxen Glaubens. Die Katholiken im Land sind ausnahmslos Albaner. Ihre Anzahl wurde 2011 mit 38.438 Gläubigen angegeben, was 2,21 Prozent der Bevölkerung macht. Die wenigen gleichfalls römisch-katholischen Angehörigen der Janjevci, der kroatischen Minderheit, sind nach dem Kosovokrieg fast alle geflohen. Die Gruppen der Roma, Aschkali und Ägypter enthalten Anhänger aller drei Glaubensrichtungen.
Das Verhältnis zwischen muslimischen und römisch-katholischen Gemeinden des Kosovo gilt als gut, doch beide Gruppen haben wenige bis keine Beziehungen zur Serbisch-Orthodoxen Kirche. Kosovo-Albaner definieren ihre ethnische Zugehörigkeit durch Sprache, nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion. Im Gegensatz dazu wird bei den slawischen Volksgruppen, sowohl bei den muslimischen Bosniaken als auch bei den orthodoxen Serben, die Religion als Identitätsmerkmal angesehen.
Der Islam hat im Kosovo eine über 500-jährige Tradition und ist die Religion mit den meisten Anhängern. Die kosovarischen Muslime sind fast ausschließlich Sunniten. Die Islamische Gemeinschaft des Kosovo (; serbisch "Islamska Zajednica Kosova"; ) gilt als deren offizielle Vertreterin und organisiert beispielsweise die Leitung der meisten Moscheen. Sie nimmt auch die Zakat von Gläubigen ein und führt damit unter anderem wohltätige Aktivitäten durch. Die Imame werden an der "Fakultät für Islamische Studien" in Priština ausgebildet, dort studieren auch angehende albanische Imame aus Albanien, Mazedonien und Montenegro.
Daneben existieren gleichzeitig seit der Verbreitung des Islams ab dem 15. Jahrhundert auch viele Derwisch-Orden und Sufi-Bruderschaften. Der Sufismus im Kosovo gilt als Mischung zwischen den Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten. Mitglieder des Bektaschi-Ordens, dessen Zentrum seinen Sitz in der albanischen Hauptstadt Tirana hat, waren führend in der albanischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts.
Vor dem Kosovokrieg gab es 560 Moscheen und sechzig Tekken der Sufi-Bruderschaften, letztere vor allem in den westlichen Städten Peć, Gjakova, Rahovec und Prizren. Während des Krieges wurden 218 Moscheen und fünf Tekken zerstört. Im Dezember 2010 wurden 660 Moscheen gezählt, wovon 607 aktiv, 25 im Aufbau und 28 inaktiv waren. In Prizren stehen mit 77 Moscheen die meisten islamischen Gotteshäuser.
Der Kosovo ist ein wichtiges Zentrum der Serbisch-Orthodoxen Kirche und beherbergt den Erzbischöflichen Sitz des Patriarchats von Peć sowie die Eparchie Raszien-Prizren. Einige der bedeutendsten und ältesten Kirchen und Klöster der Serbisch-Orthodoxen Kirche, insbesondere die Klöster Visoki Dečani und Gračanica, befinden sich im Kosovo ("siehe auch:" Liste der Kulturdenkmäler im Kosovo). Die autokephale serbisch-orthodoxe Kirche ist ihrem Selbstverständnis nach Bewahrerin einer serbischen Kultur und Identität. Während der Regierungszeit unter Slobodan Milošević unterstützten anfangs weite Teile des Klerus dessen Politik. Als deren negative Folgen für die Serben selbst immer deutlicher zutage traten, gingen sie auf Distanz. Nach Beendigung der NATO-Luftangriffe wurden 1999 nach Angaben von Vertretern von UNMIK 76 serbisch-orthodoxe Kirchen, Klöster und Kapellen zerstört. In der Zeit nach dem Einmarsch der KFOR wurden der serbisch-orthodoxe Bischof Artemije von Raszien und Prizren und der Mönch Sava vom Kloster Dečani zunächst politische Sprecher derjenigen Kosovo-Serben, die eine Zusammenarbeit mit der UNMIK befürworteten. In den letzten Jahren hat der Klerus seine Rolle als Sprecher der Serben allerdings größtenteils an kosovo-serbische Politiker abgetreten. Bei den gewalttätigen Ausschreitungen im März 2004 kam es erneut zu Zerstörungen von serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöstern, woraufhin die KFOR den Schutz dieser Gebäude verstärkte.
Es gibt über 38.000 römisch-katholische Albaner, dazu kommt noch eine kleine Gruppe römisch-katholischer Roma und Kroaten. Sie sind in 23 Pfarreien aufgeteilt, in denen 55 Priester arbeiten. Bis zum Jahr 2000 gehörten die römisch-katholischen Kosovaren zum Bistum Skopje und Prizren, dann wurde der mazedonische Teil abgetrennt und eine eigenständige Apostolische Administratur Prizren gebildet. Katholiken gründeten die Albanische Christlich-Demokratische Partei des Kosovo, wobei unter den Mitgliedern der PSHDK auch eine hohe Anzahl von Muslimen ist. Die meisten römisch-katholischen Priester gehören dem Orden der Franziskaner an und wurden in Bosnien-Herzegowina, Kroatien oder Slowenien ausgebildet.
Bei Frauen ist der Anteil an Analphabeten signifikant höher als bei Männern: 13,4 % in ländlichen Gebieten (3,8 % bei Männern) und 10,4 % in städtischen Siedlungen (Männer 2,3 %). Analphabetismus korreliert nicht nur mit dem Geschlecht, sondern auch mit dem Alter – in der Gruppe bis 39 Jahre liegt die Rate weit unter dem Durchschnitt, unter Frauen zwischen 55 und 59 Jahren sind knapp 20 %, unter Frauen zwischen 70 und 74 Jahren sind knapp 60 % Analphabeten.
Der Unterricht in der Grundschule wird im Land je nach Situation in der Gemeinde in einer der fünf Sprachen Albanisch, Serbisch, Bosnisch, Türkisch und Kroatisch durchgeführt und ist für alle Kinder obligatorisch und kostenlos. Zuletzt veröffentlichte die Regierung Kosovos Pläne, nach denen das ganze Bildungswesen reformiert werden soll. Unter anderem sehen diese vor, die Mittelschule als obligatorisch festzulegen. Die Reformen werden seitens der Regierung als Priorität benannt, doch das Fehlen von Geldern sowie technologischen und professionellen Mitteln für den Unterricht und außerdem die hohe Schülerzahl pro Klasse sind Hinderungsgründe für eine umfassende Bildungsreform.
Während des Schuljahrs 2005/06 waren insgesamt 423.220 Schüler in der Vor-, Grund- und Mittelstufe registriert. 22.404 Lehrkräfte unterrichteten sie. Dies entspricht pro Lehrkraft ca. 19 Schüler.
1970 wurde die Universität Prishtina eröffnet. Im Schuljahr 2005/06 wurden 28.707 Studenten und 980 Professoren registriert. Pro Kurs machte das durchschnittlich 29 Studierende.
Das Gebiet des späteren Kosovo war in der Antike von den Illyrern besiedelt; so war das römische Theranda in der Nähe des heutigen Prizrens ursprünglich eine illyrische Siedlung. Die Illyrer im Kosovo standen im Osten auch in direkter Nachbarschaft mit den Thrakern. Nach der Zerschlagung des von Königin Teuta regierten Illyrischen Reichs der Labeaten im ersten Illyrischen Krieg 229/228 v. Chr. kam die Region unter römische Herrschaft. Erst nach weiteren Jahrzehnten militärischer Auseinandersetzungen zwischen Römern und Illyrern wurde das Gebiet 168 v. Chr. ein Protektorat des Römischen Reiches. Seit 59 v. Chr. als Illyrische Provinz bezeichnet, wurde diese erst nach den Kriegen Octavians in Illyrien von 35 bis 33 v. Chr. offiziell zur Römischen Provinz. Nach weiteren Eroberungen der Römer und der Einrichtung der Provinz Moesia verblieb das spätere Metochien bei Illyricum, während das Amselfeld Moesia superior zugeschlagen wurde. Neben Theranda war das bei Priština gelegene Ulpiana die wichtigste römische Siedlung im Gebiet des Kosovo. Nach der Reichsteilung unter Theodosius I. geriet die Region schließlich unter byzantinische Herrschaft.
Mit der Völkerwanderung der Awaren und der Plünderung und Einnahme der wichtigsten byzantinischen Städte in Mösien und Illyrien ("siehe auch:" Balkanfeldzüge des Maurikios) siedelten sich im 7. Jahrhundert Slawen an. Im 9. Jahrhundert gehörte das nordwestliche Kosovo um Peć zum serbischen Staat der Vlastimirović, das südöstliche Kosovo mit Prizren und Priština dagegen zum Bulgarischen Reich. Die Region wurde erst wieder unter Basileios II. 1018 von den Byzantinern zurückerobert. Im 11. Jahrhundert dehnte sich das serbische Raszien unter der Oberhoheit Dioklitiens nach Süden aus, Konstantin Bodin ließ sich infolge eines slawischen Aufstandes gegen Byzanz 1072 in Prizren zum Kaiser der Bulgaren ausrufen. Der Aufstand hatte allerdings keinen Erfolg, der Süden Kosovos kam erneut unter byzantinische Herrschaft, während der Norden bei Raszien, nun unter byzantinischer Oberhoheit, verblieb. Diese Herrschaft wurde mit der Schlacht bei Sirmium unter Manuel I. Komnenos auch gegenüber Ungarn gefestigt.
Die Einbindung des raszischen Großžupans Stefan Nemanja als byzantinischem Vasall und der von Ostrom erfolgten Missionierung und kulturellen Prägung des serbischen Hofes folgte die Bildung des serbischen Nemanjidenreiches auch auf ehemals byzantinischen Gebieten im Kosovo. Im Nemanjidenreich wurde das Kosovo aufgrund seiner Bodenschätze und der Handelswege von der Küste ins Balkaninnere zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des serbischen Staates. Diese Blüte wurde mit dem Vormarsch der Osmanen beendet. Nach mehreren militärischen Auseinandersetzungen, von denen die Schlacht auf dem Amselfeld am bekanntesten ist, eroberten die Osmanen um 1454 die Region des heutigen Kosovo. Die gegen Ende des 14. Jahrhunderts begonnene Eroberung des heutigen Serbiens sowie Bosnien und Herzegowinas konnte 1459/1461 unter Mehmet II. vollendet werden. Das Kosovo, Serbien und Bosnien wurden für die folgenden vier Jahrhunderte zu Provinzen des Osmanischen Reiches.
Der Mythos der Kosovo-Schlacht sowie das historische Erbe im Kosovo begründete die emotionale Bindung der Serben an die heute mehrheitlich von Albanern bewohnte Region. Die unter der Osmanenherrschaft islamisierten Albaner rückten in das, unter anderem nach dem "Großen Exodus" der Serben von 1690, fruchtbare Kosovo-Gebiet nach. Im 19. Jahrhundert war das westliche Kosovo, Metochien, schon mehrheitlich albanisch, hingegen der Osten, das „historische“ Kosovo, mehrheitlich noch serbisch. Mit der Unabhängigkeit des Fürstentums Serbien 1878 kam es zu einer neuerlichen Bevölkerungsverschiebung, als viele Serben das Kosovo verließen oder zur Aussiedlung genötigt wurden, während parallel ebenso Albaner frei oder unter Zwang aus dem Fürstentum auswanderten. In dieser Zeit bekam auch das östliche Kosovo eine albanische Mehrheit.
Nach dem Ersten Balkankrieg wurde das heutige Kosovo 1912 größtenteils Serbien, die Gegend um Peć Montenegro zugeschlagen. Ab 1918 war es dann Teil Jugoslawiens. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet Albanien zugeschlagen, das zu dieser Zeit ein italienischer Vasallenstaat war. Die albanische Miliz im Kosovo vertrieb in dieser Zeit zahlreiche Serben. Nach der deutschen Besetzung 1943 wurde am 1. Mai 1944 die 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1) vor allem aus Freiwilligen aus dem Kosovo aufgestellt, da das Besatzungsregime in Albanien bereits seinen Rückhalt verloren hatte. Diese Division sollte vor allem gegen jugoslawische Partisanen kämpfen. Die Angehörigen der Division, die jedoch nie an die Front gelangte und von der Wehrmacht nur für Wachdienste eingesetzt wurde, vertrieben etwa 10.000 serbische Familien und ermordeten zahlreiche Serben und Juden. Die Übergriffe waren so grausam, dass die Angehörigen von den Deutschen teilweise entwaffnet und ihre Offiziere eingesperrt wurden. Im Juni fiel die Division auch nach Montenegro ein. Am 1. November 1944 wurde sie aufgelöst. Anschließend kam es zu serbischen Racheakten an den Angehörigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Autonome Region „Kosovo und Metochien“ am 3. September 1945 ebenso wie die Autonome Region Vojvodina Bestandteil der Sozialistischen Republik Serbien innerhalb der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien. Mit der Neugestaltung der Grenzziehungen innerhalb Jugoslawiens und der Zusammensetzung Serbiens mit zwei autonomen Provinzen verfolgte die neue politischen Führung unter Josip Broz Tito nach den Erfahrungen der Zwischenkriegszeit die Absicht, ein Gleichgewicht zwischen den Serben und den anderen Nationen des Landes herzustellen. Für die Serben bedeutete diese Staatskonzeption eine Schwächung im Vergleich zu ihrer Stellung in der Zwischenkriegszeit, da sie nun einerseits große Bevölkerungsgruppen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina stellten und andererseits in der Autonomen Region Kosovo eine mehrheitlich albanische Bevölkerung und in der Vojvodina eine starke ungarische und kroatische Minderheit hatten. Ein weiterer Grund für diese Anordnung bestand darin, dass Tito in den ersten Jahren nach dem Krieg eine Eingliederung Albaniens in eine von Jugoslawien dominierte Balkanföderation verfolgte, der auch Bulgarien hätte beitreten sollen.
Mit der jugoslawischen Verfassung von 1963 wurde die Autonome Region Kosovo in eine Autonome Provinz ("Kosovo-Metohija", kurz ‚Kosmet‘) umgewandelt, was formell eine Besserstellung bedeutete, faktisch jedoch zu einer stärkeren Abhängigkeit von der Republik Serbien führte, wodurch sich die Möglichkeiten der politischen Beteiligung auf Ebene der Bundesrepublik verringerten. Als Zugeständnis an Serbien erhielten die Republiken größere Befugnisse, insbesondere für ihre Politik gegenüber den Autonomen Provinzen.
Schrittweise seit 1967, besonders aber mit der Änderung der jugoslawischen Verfassung 1974 wurden die zuvor eher formal schon bestehenden Autonomierechte ganz erheblich erweitert und das Mitbestimmungsrecht in der Föderation massiv ausgebaut.
In den 1980er Jahren wurden nationalistische Bestrebungen sowohl bei den Serben als auch bei den Albanern stärker. Beide Volksgruppen beklagten die gegenseitige Diskriminierung. Die Kosovo-Serben sahen sich durch die mehrheitlich albanische Provinzregierung und die Kosovo-Albaner wiederum durch die Republik Serbien benachteiligt. Parallel wurden Stimmen laut, die eine eigene Republik Kosovo innerhalb Jugoslawiens oder gar eine Sezession des Kosovo aus dem gesamtjugoslawischen Staatsverband forderten. Nationalistische Propaganda auf beiden Seiten heizten die Stimmung weiter an und begünstigten unter anderem die Machtergreifung von Slobodan Milošević, der grundlegende Reformen versprach.
Der Autonomiestatus des Kosovo aus dem Jahr 1974 wurde im Rahmen der sogenannten Antibürokratischen Revolution von 1989 auf Betreiben von Slobodan Milošević durch einen Beschluss des serbischen Parlaments stark eingeschränkt und offiziell auf den Stand von 1963 zurückgesetzt. Daraufhin riefen die wichtigsten albanischen Politiker zum Boykott aller serbischen staatlichen Einrichtungen auf, dem so genannten gewaltfreien Widerstand. Schon während der Jugoslawienkriege flohen auch viele Kosovaren, obwohl es im Kosovo selbst nicht zu Kriegshandlungen gekommen war. Die Kosovo-Albaner baten in verschiedenen europäischen Ländern um Asyl und beklagten die Verletzung ihrer Menschen- und Bürgerrechte durch die Regierung Milošević. Es gab seit 1989 durch den Boykott vielerorts kein albanischsprachiges Schulwesen mehr, Albaner wurden oftmals willkürlich enteignet, ihre Vereine und politischen Parteien waren verboten, sofern sie der politischen Linie der Regierung Milošević nicht entsprachen. Die meisten im Staatsdienst beschäftigten Albaner sollen nach 1989 aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit entlassen worden sein.
Nachdem die internationale Gemeinschaft eine weitgehende und funktionierende Autonomie des Kosovo aus der Friedenskonferenz von Dayton im Jahr 1995 ausgeklammert hatte, verschärften sich die Konflikte zwischen den Volksgruppen und die Forderung nach staatlicher Unabhängigkeit weiter. Separatistische Gruppen, darunter die Demokratische Liga des Kosovo, errichteten mit der „Republik Kosova“ einen Schattenstaat, dessen Parallelinstitutionen unter anderem Schulbildung und medikamentöse Versorgung der Albaner sicherstellen sollten. Der lange Zeit gewaltfreie Widerstand ging ab etwa 1996 unter Führung der UÇK in kämpferische Auseinandersetzungen zwischen albanischen Freischärlern und den serbischen Streitkräften über. Bis zum Jahr 1999 vervielfachten sich die Zahlen albanischer Flüchtlinge aus dem jugoslawischen Staatsgebiet, besonders in Richtung der Nachbarländer Albanien und Mazedonien sowie in die Europäische Union und die Schweiz.
Mit der Begründung, eine humanitäre Katastrophe abwenden zu wollen, begann die NATO nach dem Scheitern der Konferenzen zum Vertrag von Rambouillet am 24. März 1999 mit der Bombardierung strategischer Ziele in Jugoslawien. Als Ergebnis des Kosovokrieges wurde das Kosovo von den internationalen Truppen besetzt und ein UN-Protektorat errichtet. Während des Krieges waren die Flüchtlingszahlen noch einmal sprunghaft angestiegen, anschließend aber abgeebbt und viele Kosovaren kehrten in ihre Heimat zurück.
Dem Krieg folgten Gewaltexzesse insbesondere gegen die serbische, aber auch gegen andere Minderheiten der Region. Nach Angabe der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch stellte die KFOR keinen ausreichenden Schutz der Serben und Roma im Kosovo zur Verfügung, welche besonders Übergriffen von Seiten der UÇK ausgesetzt waren. Im August 1999 waren nach UN-Angaben bereits 170.000 der 200.000 Serben aus der Provinz geflüchtet und nach Angabe der Serbisch-Orthodoxen Kirche über 40 Kirchen geplündert oder zerstört worden. Während nahezu alle Kosovo-Albaner innerhalb von Wochen nach Ende der Kämpfe zurückgekehrt waren, war dies für die meisten der geflüchteten Serben nach mehr als vier Jahren noch nicht der Fall, zumal dann 230.000 Serben und Nicht-Albaner gezwungen waren, zu fliehen.
Zu einem neuen Höhepunkt der Gewalttätigkeiten kam es mit den pogromartigen Ausschreitungen im März 2004, die überwiegend gegen Serben und ihre religiösen Stätten, aber auch gegen Roma und Aschkali gerichtet waren; etwa 50.000 Personen nahmen an diesen Gewalttätigkeiten teil, bei denen 19 Menschen getötet, mehr als 1000 verletzt und über 4000 vertrieben wurden. Die NATO verstärkte daraufhin ihre Präsenz.
Weitere Ausschreitungen ereigneten sich in den Wochen nach der Ausrufung der Republik – diesmal allerdings im mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Landes. Die Gewalt konnte erst durch ein Eingreifen der KFOR-Truppen beendet werden.
Seit Beginn der "United Nations Interim Administration Mission in Kosovo" (UNMIK) stand der zukünftige politische Status des Kosovo regelmäßig auf der internationalen Tagesordnung. Auch nach dem Scheitern des Versuchs, mit Serbien zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, und der darauf folgenden einseitigen Unabhängigkeitserklärung des kosovarischen Parlaments ist das Thema noch immer nicht vollständig geklärt.
Der Staatspräsident wird vom Parlament auf fünf Jahre gewählt. Er garantiert das verfassungsgemäße Funktionieren des politischen Systems, schreibt Parlamentswahlen aus, kann Gesetze einmalig zurückweisen, wenn er sie als schädlich erachtet, verkündet die Gesetze, führt die Außenpolitik, empfängt Diplomaten, ist Oberbefehlshaber der Sicherheitskräfte, schlägt dem Parlament den Premierminister vor und kann eine Verfassungsklage führen. Zudem kommen ihm weitere repräsentative Aufgaben und Ernennungsbefugnisse zu. Der Präsident ist politisch immun.
Präsident war vom 10. Februar 2006 bis 27. September 2010 Fatmir Sejdiu (LDK). Er trat zurück, da das Verfassungsgericht der Republik Kosovo entschied, dass der Präsident nicht gleichzeitig Parteivorsitzender sein dürfe. Sejdiu hatte dieses Parteiamt nur ruhen gelassen. Übergangsweise übernahm Parlamentspräsident Jakup Krasniqi (PDK) die Rechte und Pflichten des Präsidenten des Kosovo. Am 22. Februar 2011 wurde der Bauunternehmer und Politiker Behgjet Pacolli von der Allianz für ein neues Kosovo (AKR), einem Koalitionspartner der PDK von Thaçi, vom Parlament unter umstrittenen Umständen zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Am 28. März 2011 entschied das Verfassungsgericht, dass die Wahl des Präsidenten verfassungswidrig war; es ging auf ein Frageschreiben der politischen Opposition ein. Am 7. April wurde Atifete Jahjaga als neue Staatspräsidentin vom Parlament mit 80 Stimmen von 100 möglichen gewählt.
Das wichtigste exekutive Staatsorgan ist die Regierung. Der Premierminister wird auf Vorschlag des Präsidenten vom Parlament gewählt, die vollständige Regierung muss vom Parlament bestätigt werden. Der Regierungschef kann Minister ohne Zustimmung des Parlaments entlassen. Jeweils ein Minister muss der serbischen, ein weiterer einer anderen Minderheit angehören. Falls das Kabinett aus mehr als zwölf Mitgliedern besteht, muss ein dritter Minister einer Minderheit zugerechnet werden. Seit dem 30. Januar 2008 ist Hashim Thaçi (PDK) Premierminister einer Mehrparteienkoalition, welche aber im Herbst 2010 auseinanderbrach. Am 22. Februar 2011 wurde eine neue Regierung wieder unter seiner Führung gewählt, der neben der PDK auch die AKR von Behgjet Pacolli und Vertreter der serbischen Minderheit angehören.
Das Parlament der Republik Kosovo (; ) ist das Gesetzgebungsorgan des Landes. Es hat 120 Sitze, welche im Vierjahresrhythmus vom Volk direkt gewählt werden. Seit dem 8. Dezember 2014 ist Kadri Veseli (PDK) Parlamentspräsident.
Das Wahlsystem bietet für die vielen ethnischen Minderheiten im Kosovo Vorteile. Von den 120 Parlamentssitzen können 100 frei besetzt werden. Die 20 weiteren Parlamentssitze sind für Serben, Roma, Aschkali, Balkan-Ägypter, Bosniaken, Türken und Goranen reserviert.
Nach den Ergebnissen der letzten Wahlen 2014 wurde die Demokratische Partei des Kosovo (PDK) unter ihrem Vorsitzenden Hashim Thaçi und die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) unter ihrem Vorsitzenden Isa Mustafa stärkste Kraft. Die Volksvertretung setzt sich in ihrer vierten Legislaturperiode wie folgt zusammen:
Einige legislative Funktionen sind den Parlamenten der 38 Großgemeinden vorbehalten. Diese werden vom örtlichen Stimmvolk ebenfalls im Vierjahresrhythmus gewählt und haben eine variierende Sitzanzahl. Die letzten Kommunalwahlen fanden im Jahreswechsel 2009/10 statt.
Die Zivilgesellschaft und die Parteienlandschaft Kosovos sind entlang ethnischer Linien aufgespalten. Das Vielparteiensystem wird von den beiden großen albanischen Parteien LDK und PDK dominiert. Die 1989 gegründete „Demokratische Liga des Kosovo“ (LDK) war lange Zeit die politische Hauptkraft des Widerstandes gegen die serbische Herrschaft und stellte den späteren Präsidenten Rugova. Die „Demokratische Partei des Kosovo“ (PDK) ist derzeit die stärkste Partei. Sie vertritt teilweise sozialdemokratische Positionen und ist (seit 1999) die wichtigste politische Nachfolgeorganisation der paramilitärischen Organisation UÇK. Vorsitzender der PDK ist der aktuelle Regierungschef Hashim Thaçi.
Nach einer vom UNDP ("United Nations Development Programme") unter den Bewohnern von Kosovo in der zweiten Jahreshälfte 2005 durchgeführten Umfrage bezeichneten die einzelnen ethnischen Gruppen als jeweils größtes aktuelles Problem (Angaben in Prozent der ethnischen Gruppe):
Amnesty International warf 2007 der Regierung mangelnden Minderheitenschutz sowie die Nichtverfolgung an Serben begangener Kriegsverbrechen vor. Aufgrund langdauernder Verbindungen zwischen politischem Extremismus und organisierter Kriminalität bestehen enge Beziehungen zwischen Teilen des aus der UÇK hervorgegangenen politischen Establishments und kriminellen Strukturen.
Am Fest des Fastenbrechens, dem 29. August 2011, stimmten die Abgeordneten des Parlaments mit großer Mehrheit gegen die Einführung des Religionsunterrichts und für ein Trageverbot des Kopftuches von Schülern und Lehrpersonen in der Grund- und Mittelschule. Damit entschieden sie sich gegen eine entsprechende gemeinsame Vorlage der Parteien Allianz Neues Kosovo, Unabhängige Liberale Partei und 6 Plus. Die islamische Gemeinschaft des Kosovo kritisierte scharf das Vorgehen des Parlaments und bezeichnete es als rechtswidrig und „Messerstich in den Rücken“ – bezugnehmend auf den Zeitpunkt der Abstimmung am Abend des muslimischen Fastenbrechenfests. Islamische Gelehrte kritisierten zudem, dass das Verbot im Gegensatz zur Verfassung der Republik Kosovo stehe, da dort im Grundgesetz die Religionsfreiheit garantiert sei. Erziehungsminister Enver Hoxhaj argumentierte, dass das Kosovo aus der Sicht der Verfassung ein säkularer Staat sei und somit Staat von Religion getrennt sein müssten. Grund dieses Entscheids waren Differenzen zwischen verschiedenen Gerichtsinstanzen zum Fall einer jungen Kosovarin aus dem Jahr 2010, die wegen ihres Kopftuches nicht mehr in ihre Schule hineingelassen wurde. Die Sicherheitsbeamten hatten die Order vom Schuldirektor erhalten, keine Kopftuch tragende Personen mehr in das Gebäude eintreten zu lassen. Vom umstrittenen Fall berichtete auch die Neue Zürcher Zeitung am 8. Juli 2010. Nach dem Fall der jungen Kosovarin wurden weitere ähnliche bekannt und Mitte Juni gingen rund 5.000 Personen auf die Straße, um gegen das Verbot zu protestieren.
Nach dem Ende des Kosovokrieges kam das Gebiet unter Verwaltung der Vereinten Nationen (UN). Es blieb formell integraler Bestandteil des Nachfolgestaates Bundesrepublik Jugoslawien und später von "Serbien und Montenegro", das bis 2006 existierte. Nachdem Montenegro sich von dieser Staatenunion für unabhängig erklärte, blieb Kosovo ein Teil der Republik Serbien.
Seit der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 ist Kosovo aus Sicht seiner Institutionen ein souveräner Staat, seit dem 10. September 2012 auch aus internationaler. Bis heute haben von 193 UN-Mitgliedstaaten die Unabhängigkeit des Landes anerkannt. Andere Staaten halten die einseitig ausgerufene Unabhängigkeit für rechtswidrig und betrachten das Kosovo weiterhin als einen Teil Serbiens, auch wenn die serbische Regierung keine Kontrolle mehr über das Gebiet ausübt. 
Anfang September 2011 zogen der Oman und Guinea-Bissau im Rahmen einer Versammlung der "Blockfreien Staaten" ihre Anerkennung des Kosovos wieder zurück bzw. stellten klar, dass diese nie vollzogen worden sei.
Die Unabhängigkeit sollte laut dem von Serbien abgelehnten Ahtisaari-Plan international überwacht werden. Im Februar 2008 beschloss die Europäische Union die Entsendung der Mission EULEX Kosovo, welche die rechtsstaatliche Entwicklung unterstützen soll. Vorgesehen ist, dass rund 1.800 Polizisten und Juristen wesentliche Aufgaben in der bisherigen Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK) übernehmen. EULEX nahm am 9. Dezember 2008 offiziell die Arbeit auf. Grundlage dafür war ein Kompromiss, dem die Vereinten Nationen, die EU und Serbien zustimmten. Demnach wird die Tätigkeit von EULEX in einem statusneutralen Rahmen erfolgen − was wiederum von der Regierung Kosovos nicht anerkannt wird.
Vier Monate nach der Unabhängigkeitserklärung trat am 15. Juni 2008 die neue Verfassung des Kosovo in Kraft. Eine Woche zuvor sind vom Parlament in Priština bereits eine neue Nationalhymne und die Gründung einer eigenen 2.500 Mann starken Sicherheitsgruppe () verabschiedet worden. Die neue Verfassung definiert das Land als demokratisch regierten, laizistischen "„Staat aller seiner Bürger“", der die Rechte seiner Minderheiten und die internationalen Menschenrechte respektiert. In der neuen Verfassung werden die Gleichheit der Volksgruppen und die Bedeutung des Minderheitenschutzes besonders hervorgehoben. Autonomierechte werden den serbisch dominierten Regionen zugesprochen.
Die politische Arbeit teilten sich bislang die UN-Verwaltung und die von ihr gegründeten „Institutionen der provisorischen Selbstverwaltung“. Die Sicherheit wird von der durch ein UN-Mandat legitimierten Friedenstruppe „Kosovo Force“ (KFOR) unter Führung der NATO garantiert. Ferner gibt es in den serbischen Enklaven, insbesondere im Nordkosovo, von Serbien finanzierte und kontrollierte Verwaltungsstrukturen (Schulen, Gerichte, Behörden). Diese werden von der UNMIK (und damit auch von EULEX) zwar toleriert, aber nicht anerkannt; umgekehrt erkennen die serbischen Verwaltungen ihrerseits die Entscheidungen der UNMIK nur zum Teil an.
Am 8. Oktober 2008 beauftragte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Internationalen Gerichtshof (IGH) mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens zur Gültigkeit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos. Die UN-Generalversammlung folgte damit einem Antrag Serbiens. Beim IGH hatten 21 Staaten, die den Kosovo anerkannt haben, und 14 Staaten, die sich gegen die Unabhängigkeit aussprechen, Stellungnahmen eingereicht. Das Gutachten des IGH wurde am 22. Juli 2010 veröffentlicht. Demnach verstieß die Unabhängigkeitserklärung nicht gegen das Völkerrecht.
Serbien und der Kosovo einigten sich am 24. Februar 2012 über das künftige Auftreten des Kosovo bei internationalen Verhandlungen und über das gemeinsame Management ihrer Grenze. Die Einigung sieht vor, dass der Kosovo künftig bei allen regionalen Konferenzen unter dem Namen „Kosovo“ auftreten sowie Abkommen selbst schließen kann (bisher war dafür die UN-Vertretung im Kosovo zuständig). Der Name Kosovo wird mit einem Sternchen versehen, welches auf eine Fußnote verweist: demnach ist mit diesem Namen keine Anerkennung der Unabhängigkeit verbunden. Zudem wird auf die UN-Sicherheitsratsresolution aus dem Jahr 1999 verwiesen, in der das Kosovo als Teil Serbiens anerkannt wird.
Die auswärtigen Beziehungen stehen bislang im Schatten des Streites um die diplomatische Anerkennung. Eine Reihe von Staaten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, haben seit Februar 2008 Botschaften in Priština eröffnet. Die Nachbarländer Albanien, Montenegro und Mazedonien haben diplomatische Beziehungen zu Kosovo aufgenommen.
Bisher haben 23 der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt. Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei erkennen Kosovo nicht an. Die Europäische Kommission stuft Kosovo − unter Hinweis auf die UN-Resolution 1244, die den endgültigen völkerrechtlichen Status offenlässt − als potenziellen EU-Beitrittskandidaten ein.
Ein wichtiger Verbündeter sind die USA, die im Rahmen der KFOR eine größere Militärbasis, Camp Bondsteel, unterhalten. Russland als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates hat sich dagegen auf die Seite Serbiens gestellt, auch China verhält sich weiterhin ablehnend. Daher bleibt Kosovo der Weg in die Vereinten Nationen und viele andere internationale Organisationen bis auf weiteres versperrt. Eine Ausnahme ist der Internationale Währungsfonds, der Kosovo am 8. Mai 2009 eine Mitgliedschaft anbot.
Am 17. Oktober 2009 ratifizierten die Parlamente Mazedoniens und des Kosovo einen Staatsvertrag zur Festlegung der gemeinsamen Staatsgrenze. Dabei wird erstmals die Grenze zwischen den beiden benachbarten Staaten international verbindlich festgeschrieben.
Im März 2011 nahmen Vertreter Kosovos und Serbien erstmals direkte Gespräche seit Februar 2008 auf, um technische und behördliche Fragen zu regeln. Die Vertreterin des Kosovo, Edita Tahiri (Stellvertretende Ministerpräsidentin), und der Vertreter Serbiens, Borko Stefanović (Stellvertretender Außenminister), trafen mehrfach mit ihren Delegationen unter EU-Vermittlung in Brüssel. Eine erste Einigung betraf den Bereich der Zivilstands-Register. Demnach wird Serbien Kopien aus seinem Zivilregister betreffend Geburten, Todesfälle und Heiraten dem Kosovo ausstellen. Im Vorfeld der Vergabe des von Serbien angestrebten EU-Beitrittskandidatenstatus einigten sich beide Seiten im Februar 2012 auf Regelungen zur Verwaltung der gemeinsamen Grenze sowie zur Reisefreiheit der Bürger. Außerdem gab es eine Vereinbarung zum Auftreten Kosovos bei internationalen Konferenzen, was Serbien bis dahin boykottiert hatte. Danach tritt das Land nach außen unter der Bezeichnung "Kosovo" mit einer Fußnote auf, wonach einerseits die Verwendung des Namens Kosovo keine Aussage über den Rechtsstatus des Kosovo bedeutet, die andererseits aber auf das Urteil des Internationalen Gerichtshofes, in dem 2010 seine Unabhängigkeitserklärung als rechtmäßig anerkannt wurde, hinweist.
Zwischen Kosovo und Serbien bestanden seit der Unabhängigkeit 2008 gegenseitige Importverbote, diese wurden allerdings im September 2011 von beiden Seiten aufgehoben. Auch gegen Bosnien-Herzegowina hat Kosovo ein Importverbot verhängt.
Die Republik Kosovo kennt eine Ebene der Verwaltungsgliederung. Sie ist in 38 Großgemeinden (, ) unterteilt, welche Städte und Dörfer mit deren Umgebungen umfassen. Laut dem vom Parlament genehmigten Gesetz vom 20. Februar 2008 und dem vom Staatspräsidenten erlassenen Dekret vom 15. Juni 2008 ist der Staat in folgende Großgemeinden unterteilt:
Der überwiegend von Serben bewohnte Nordkosovo entzieht sich de facto der Kontrolle der Institutionen in Priština, da viele Einwohner die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen. Am 28. Juni 2008 begründeten serbische Politiker im Kosovo ein von Priština unabhängiges Parlament der Gemeinschaft der Gemeinden der Autonomen Provinz Kosovo und Metochien.
Laut der letzten Volkszählung vom Juni 2011 sind die zehn größten Städte des Kosovo:
Als Leiter der UNMIK und Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs fungiert seit Juni 2008 Lamberto Zannier.
Die UNMIK bestand aus vier Säulen, die von unterschiedlichen internationalen Organisationen gebildet wurden: Polizei und Justiz (UN), Selbstverwaltung (UN), Demokratisierung und Wiederaufbau der Institutionen (OSZE) sowie Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung (EU). Die von der EU getragene „Säule“ wurde zum 30. Juni 2008 geschlossen.
Wichtige Funktionen sind formal dem Leiter der UNMIK vorbehalten: Genehmigung des (von der lokalen Selbstverwaltung erstellten und verwalteten) Haushalts, Recht und Ordnung (Internationale UN-Polizei und lokale Kosovo-Polizei), Ernennung von Richtern, Schutz ethnischer Minderheiten, Außenbeziehungen wie der Abschluss von Verträgen mit anderen Staaten oder internationalen Organisationen, Verwaltung des Eigentums der Öffentlichen Hand, Zoll- und Geldpolitik.
Tatsächlich übertrug UNMIK im Zuge der laufenden Rekonfiguration wichtige Funktionen an die Behörden des Kosovo, was mit der veränderten Situation im Land begründet wurde. Abgegeben wurden insbesondere Polizeiaufgaben und die Organisation von Wahlen. Bis Ende 2008 verließ zudem ein Großteil der UNMIK-Mitarbeiter das Land. Obwohl die Mission nominell andauert, bestehen laut dem UN-Generalsekretär nur noch geringe Arbeitskontakte zwischen UNMIK und den Behörden Kosovos. Ein UNMIK-Sprecher erklärte im Juni 2009, nach der Übertragung der meisten verbliebenen Funktionen an die EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) sei UNMIK auf die politische Aufgabe konzentriert, den „Dialog zwischen den Gemeinschaften herzustellen“.
Am 21. Januar 2009 wurden die Sicherheitskräfte des Kosovo ("Forca e Sigurisë së Kosovës", FSK) gegründet. Sie haben eine Stärke von 2.500 aktiven Soldaten und 800 Reservisten. Mit der gleichzeitig erfolgten Auflösung des Kosovo-Schutzkorps erfüllte die Regierung des Kosovo eine Verpflichtung aus dem Plan von UN-Unterhändler Martti Ahtisaari, der Grundlage der Verfassung der Republik Kosovo ist.
Nach Angaben des US-amerikanischen Außenministeriums ist der Kosovo mit den angrenzenden Regionen eine der wichtigsten europäischen Drogentransitrouten für Heroin aus Afghanistan nach Westeuropa. Im Kosovo liegt dabei ein regionales Zentrum für den Drogenschmuggel auf der Balkanhalbinsel. Dabei war schon beim Aufbau der UCK in den 1990ern eine Verbindung der Finanzierung aus dem Rauschgiftmilieu vordergründig. Insbesondere nahm der Drogenhandel in der unkontrollierbaren Situation nach dem Kosovokrieg stark zu. Bis zu 40 % des in Europa verkauften Heroins kam nach dem Krieg nach Angaben von Interpol aus dem Kosovo. Dabei wurden die Notwendigkeit einer Eindämmung der Ausmaße des Drogenhandels im Kosovo nach dem Bericht Carla Del Pontes für die europäische Kommission als Hauptproblemfeld in der weiteren europäischen Kosovo-Politik anerkannt, die auch im Rahmen der Mission "Eulex" eine wichtige Rolle einnimmt. Dennoch konnte die für die Grenzkontrollen zuständige Eulex mit den zur Zeit vorhandenen Mitteln keine wirksame Zollüberwachung der administrativen Grenze durchführen, was unter anderem auf die Rechtlosigkeit in einzelnen Landesteilen sowie die Untätigkeit der einheimischen Justiz zurückzuführen ist.
Durch die Schwäche der Justizbehörden ist die ausgreifende organisierte Kriminalität nicht einzudämmen. Nach Angaben der UNMIK machte der Drogenhandel 2008 15–20 % der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes aus. Dabei entspricht der tatsächliche Wirtschaftsumsatz der Organisierten Kriminalität des durch enorme internationale Geldverschiebungen künstlich hoch gehaltenen Bruttosozialprodukts deutlich über 1/4 des gegenwärtigen Bruttosozialproduktes, was in etwa 1,5 Mio. Euro pro Tag (550 Mio. Euro pro Jahr) hinausläuft. Insbesondere wurde dem Premier des Landes Ramush Haradinaj eine Verbindung zum Drogenhandel vorgeworfen, was in der in Clans getrennten sozialen Nachkriegsgesellschaft im Kosovo und den in Machtkämpfen verfeindeten Gruppierungen, die mittlerweile teils in mafiös organisierten Strukturen einbezogen sind, zur sozialen Unsicherheit der kosovarischen Bevölkerung beiträgt.
Da die bestimmenden Glieder der Regierung allgemein eine Nähe zur organisierten Kriminalität pflegen, bilden mafiöse Strukturen die Grundlage der Führungsbereiche in der politischen Landschaft. Nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes (BND) betreiben die kosovarischen Spitzenpolitiker Thaci, Halili und Haradinaj eng verflochtene Netzwerke organisierter Kriminalität die Politik und Wirtschaft tief durchdringen. So konnte erst auf Druck der EU ein Antikorruptionsgesetz zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet werden. Als Ergebnis der sozialen Transformationsprozesse und der politischen Umgestaltung seit dem Kosovokrieg, sowie mit der Tolerierung der Machtstrukturen durch die internationale Gemeinschaft hat sich damit eine "„Gangsterbandenkultur“, die den restlichen Teil der Gesellschaft in Geiselhaft hält", durchsetzen können.
Auf die Verbindung der Organisierten Kriminalität zu den Staatsstrukturen deuteten auch die Vorkommnisse in der sogenannten BND-Affäre hin, in deren Folge ein hochrangiger BND-Mitarbeiter vom Kosovo als einem Land, in dem „organisierte Kriminalität die Staatsform ist […]“, sprach. Durch diese Etablierung der organisierten Kriminalität im politischen Umfeld im Kosovo, die in den Bereichen Drogenschmuggel, Menschenhandel und Geldwäsche führende Akteure der mafiösen Organisationen in Europa stellen – mittlerweile stammen bis zu 80 Prozent des nach Westeuropa geschmuggelten Heroins aus dem Kosovo –, ist diese Gruppierung eine ernstzunehmende Bedrohung für die EU. Eine im Auftrage des deutschen Verteidigungsministeriums gemachte vertrauliche Studie zur Sicherheitsthematik im westlichen Balkan beim Berliner Institut für Europäische Politik kritisierte dabei die den europäischen Bemühungen kontraproduktiv gegenüberstehenden Methoden der US-Amerikaner, die in Einzelfällen hochrangige Kriminelle unter Schutz stellten, sowie die Ermittlungsbemühungen europäischer Justizorgane behinderten.
Nach älteren Angaben der UNMIK betrieben organisierte kriminelle Albanergruppen daneben 104 Bordelle im Kosovo, in denen Zwangsprostitution, Frauenhandel, Geldwäsche und Menschenschleusung Problemfelder der organisierten Kriminalität und deren Verflechtung mit den internationalen Organisationen vor Ort stellen.
Auch wurden unter anderem in einem Bericht des Europarats von Ende 2010 und Anfang 2011 schwere Anschuldigungen des Organraubs im Kosovo in Verbindung mit Menschenhandel, Mord und anderen schweren Verbrechen für den Zeitraum von 1999 bis 2000 erhoben, in die führende Politiker wie Hashim Thaçi involviert seien und die von der internationalen Gemeinschaft nicht geahndet worden sein sollen. Während diese Vorwürfe seit 2011 von der EULEX Kosovo überprüft werden, wurde für den Organhandel im Fall der Medicus-Klinik in Priština aus dem Jahr 2008 bereits ein Gerichtsurteil gefällt, das mehrere Angeklagte für schuldig befand.
Anfang 2013 rief der Europarat die Behörden Kosovos sowie die Missionen von EU und UN für das Land, EULEX und UNMIK, dazu auf, endlich der „Kultur der Straflosigkeit, oft gefördert durch Mitglieder der Regierung“ Einhalt zu gebieten. Auch der Europäische Rechnungshof hat zuletzt Mitte 2012 die Arbeit der EULEX als „nicht effizient genug“ gerügt und festgestellt, dass den Maßnahmen der EU im Kosovo zur Bekämpfung der Korruption und der organisierten Kriminalität bisher wenig Erfolg beschieden war.
Innerhalb Jugoslawiens war Kosovo die ärmste Region. Ursache dafür war – neben der allgemeinen Rückständigkeit der Region – auch eine verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik der Ära Tito: im Kosovo wurde überwiegend rohstofferzeugende und wenig weiterverarbeitende Industrie angesiedelt. Zwar wurde Kosovo von anderen jugoslawischen Republiken subventioniert, trotzdem lagen die Investitionen in den sechziger und siebziger Jahren bei etwa 50 % des jugoslawischen Durchschnitts. Die Subventionen gingen darüber hinaus zu einem guten Teil in den nichtproduktiven Bereich. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf sank so von 44 % des jugoslawischen Durchschnitts im Jahr 1952 auf 27 % im Jahr 1988.
1989 lag das monatliche Durchschnittseinkommen im Kosovo bei 454 Dinar (Slowenien: 1180; Kroatien: 823; Zentralserbien: 784). In den frühen neunziger Jahren wurde die wirtschaftliche Produktivität des Kosovo noch einmal halbiert. Gründe waren der Zerfall des früheren Wirtschaftsraumes Jugoslawien im Gefolge der Bürgerkriege, internationale Sanktionen und mangelnder Zugang zu auswärtigen Märkten und Finanzen. Durch den serbisch-albanischen Konflikt kam es 1998/99 noch einmal zu einem Rückgang von 20 % – auf einem ohnehin schon sehr niedrigen Niveau.
Nach dem Kosovokrieg wurden rund zwei Milliarden Euro Hilfsgelder zur Verfügung gestellt. Wiederaufgebaut oder hergestellt wurden bisher 50.000 Häuser, 1.400 Kilometer Straßen sowie Krankenhäuser und Schulen. Dies führte zu einem kurzfristigen Nachkriegsaufschwung in den Branchen Bau, Handel und Öffentliche Verwaltung. Auf einer internationalen Geberkonferenz in Brüssel im Juli 2008 sagten die beteiligten Länder bzw. Organisationen dem Kosovo weitere Hilfen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro bis 2011 zu. Davon sollen etwa 500 Millionen Euro von der Europäischen Union kommen, die Vereinigten Staaten wollen etwa 400 Millionen Dollar beisteuern. Die Vergabe der Mittel wurde an weitreichende Bedingungen zu deren Verwendung, so zum Beispiel auch für die serbische Minderheit, geknüpft.
Die Wirtschaft stützt sich zum einen auf kleinbäuerliche Familienbetriebe sowie Privatunternehmen im Handels- und Bausektor, die meist nach dem Krieg gegründet wurden und teilweise aus Fonds der EU gefördert werden, jedoch oft unterkapitalisiert sind. Die Finanztransfers aus dem Ausland gingen seit 2003 erheblich zurück. Daneben gab es im Jahre 2005 18 Agrarkombinate, 124 staatliche Unternehmen und 150 genossenschaftliche Betriebe. Diese Unternehmen befinden sich in gesellschaftlichem Eigentum ("„socially owned“"), eine Sonderform des Eigentums im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus, die nicht mit dem Staatseigentum in den anderen sozialistischen Ländern identisch ist. Diese Betriebe werden seit dem Jahr 2002 von der "Kosovo-Treuhandanstalt" (KTA/AKM) verwaltet, die der UNMIK untersteht.
Die Bruttowertschöpfung pro Kopf betrug auf dem Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung 2000 508 US-Dollar, im Jahre 2012 2424 US-Dollar. Die Wachstumsraten sind im regionalen Vergleich hoch, schwanken aber sehr stark. Die monatelange Regierungsbildung, Probleme bei der Stromversorgung, rückläufige öffentliche und ausländische Investitionen und das steigende Handelsdefizit haben 2014 zu einem spürbaren Rückgang des Wachstums auf etwa 2,5 Prozent geführt. Das Bruttoinlandprodukt betrug 2012 1,814 Mrd. US-Dollar.
Der Außenhandel Kosovos ist seit 1990 permanent defizitär. Derzeit wird dreimal so viel importiert wie exportiert. 2012 standen Exporten von 1,2 Mrd. US-Dollar Importe von 3,6 Mrd. gegenüber. Exportiert werden Eisen, Stahl, Erze und Textilien, importiert werden Brennstoffe, Mineralölprodukte, Synthetikgarne, Kraftfahrzeuge (Gebrauchtwagen mit Dieselmotor) und Maschinen. Hauptabnehmerländer sind Italien, Albanien, Mazedonien und China, wichtigste Importeure Serbien, Deutschland und die Türkei.
Der industrielle Sektor wird von den Bereichen Bergbau, Chemie, Elektro, Textil, Baustoffe und Holz geprägt. Im Bergbau (Bodenschätze des Kosovo) werden Erz, Kohle, Blei und Zink gefördert. Insgesamt ist der industrielle Sektor eher schwach. Der Industriesektor ist mit 22,6 % am BIP beteiligt.
Angebaut werden Getreide (Weizen, Mais), Sonnenblumen, Beeren, Raps, Zuckerrüben und Trauben. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung in diesem Sektor arbeitet, erwirtschaftet er nur 12,9 % des gesamten Bruttoinlandsprodukts.
Mit 64,5 % Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2009) ist es der größte Sektor in der Wirtschaft.
Offizielle Währung ist der Euro. Kosovo ist jedoch kein Mitglied der Europäischen Währungsunion. Die früher bereits als Zweitwährung etablierte D-Mark wurde 1999 von der UNO-Verwaltung als Währung eingeführt und später vom Euro abgelöst. In serbischen Enklaven kann auch mit serbischen Dinar bezahlt werden.
Das chronische Außenhandelsdefizit nimmt zu und betrug 2012 2,4 Mrd. US-Dollar, also fast 45 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Es werden relativ niedrigwertige Produkte ausgeführt.
Die Wirtschaft hängt in außerordentlich hohem Maß von Finanzzuflüssen von außen ab (Hilfsgelder, Kapitaltransfers von Emigranten). Nach Angaben des Finanzministeriums von Kosovo sind die Überweisungen durch Gastarbeiter aus dem Ausland höher als die im Kosovo erwirtschafteten Werte. Da die Hilfsgelder zurückgehen und der Zutritt zum EU-Arbeitsmarkt auch für Kosovaren erschwert wird, birgt diese ohnehin ungesunde Struktur erhebliche Risiken. Ausländische Direktinvestitionen sind angesichts ungewisser politischer Zukunft und problematischer Gesetzgebung bei der Privatisierung noch verschwindend gering.
Derzeit gibt es bei einer Million arbeitsfähiger Bevölkerung lediglich etwa 325.000 Arbeitsplätze (einschließlich nicht registrierter Schattenwirtschaft). Jährlich kommen weitere 36.000 junge Leute neu auf den Arbeitsmarkt; auch in 20 Jahren werden es aufgrund der heutigen Geburtenrate noch etwa 30.000 pro Jahr sein.
Die Arbeitslosigkeit war eine Zeit lang auf hohem Niveau leicht gesunken (2001: 57,1 %, 2002: 55 %, 2003: 49,7 %). Im Jahr 2008 lag die Arbeitslosigkeit zwischen 42 und 43 %. Die Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren ist dabei zu 60 % betroffen. Nach der Finanzkrise stieg sie wieder an. Die USAID gibt die Arbeitslosenquote 2014 mit 45 %, die Jugendarbeitslosigkeit mit 70 % an. Ende 2014 waren etwa 280.000 Menschen arbeitslos.
In der Vergangenheit wurde versucht, das Zusammentreffen von chronischer Unterbeschäftigung und sehr schnellem Bevölkerungswachstum durch Arbeitsemigration vor allem in die Schweiz und nach Deutschland zu lösen. Die ungeregelte Migration nach Deutschland, Österreich usw. hat sich seit Herbst 2014 beschleunigt. Es ist nicht absehbar, dass das Wirtschaftswachstum und Direktinvestitionen aus dem Ausland ausreichen werden, um das Beschäftigungs- und Armutsproblem zu lösen.
Etwa vier Milliarden Euro hat die Staatengemeinschaft seit dem Kriegsende 1999 bis 2011 investiert, dennoch gibt es kaum Industrie, selbst landwirtschaftliche Produkte werden aus China importiert. Misswirtschaft, Korruption und Überreglementierung vonseiten der EU und den USA werden als Ursachen gesehen.